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„Alle wollen uns ständig was andrehen.“ Philipp Weber ist genervt davon und schreibt deshalb ein Comedyprogramm darüber. 

Kabarettist Philipp Weber im KKK

Wie Marketing das Gehirn vernebelt

Lenggries – Er ist so etwas wie ein Urgestein des KKK: Seit etwa neun Jahren kommt Philipp Weber, der mehrfach preisgekrönte Kabarettist aus Amorbach im Odenwald, immer wieder nach Lenggries – und spielt meist vor ausverkauftem Haus.

So war auch am Freitag bei seinem „Best of“-Programm die Kaminstube im Arabella Brauneck-Hotel voll besetzt.

Freilich war die Bezeichnung „Best of“ nur teilweise zutreffend, da sie sich lediglich auf den zweiten Teil der Vorstellung bezog. Der erste war nämlich die Vorpremierevon Webers neuem Programms „Weber N˚5: Ich liebe ihn!“ Schon der Titel, angelehnt an den McDonald’s-Slogan, verweist auf die Thematik, die Philipp Weber diesmal aufs Korn nimmt. Mit bekannt bissiger Satire und skurriler Komik prangerte er die Auswüchse von Werbung und Marketing an, von denen die Menschen manipuliert werden oder zumindest manipuliert werden sollen. Wie heißt es so schön: Der Mensch kauft Dinge, die er nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die er nicht mag.

Und da ist nach Meinung des Kabarettisten was dran: „Viele Produkte ärgern mich schon, da habe ich noch nicht einmal bezahlt. Die Frage ist nur: Warum machen wir da mit?“

Die Antwort dazu sei ganz einfach: Marketing. Es vernebele den Verstand des Menschen und rege seine wichtigsten Sinne an: Blödsinn, Wahnsinn und Irrsinn. Da würden alle mitmachen. Egal, ob Politiker oder Manager, ob AfD oder ADAC, ob Terrorist oder der eigene Lebenspartner. „Alle wollen uns ständig irgendetwas andrehen.“ Dabei würden ziemlich miese Tricks ausgepackt, ohne dass wir es wirklich merken.

Bei seinen Beispielen griff Philipp Weber auch tief in der Werbe-Klamottenkiste: „Die lila Milka-Kuh stammt noch aus einer Zeit, als die Werbeschaffenden von LSD auf Marihuana umgestiegen sind.“ Oder er rechnete vor, wie jämmerlich etwa die Werbung der Partner-Such-Plattform Parship sei: „Alle elf Minuten verliebt sich ein Single.“ Das seien lediglich rund 50 000 im Jahr, bei etwa fünf Millionen Mitgliedern.

Weber stellte auch skurrile Zusammenhänge dar, etwa als die katholische Kirche Einspruch gegen den neuen Namen eines Toilettenpapiers erhob: „Da bekommt der Begriff vom Heiligen Stuhl eine ganz neue Bedeutung.“ Schließlich stellte er noch fest, dass er auf Verbote trotzig reagiere: „Deshalb habe ich seit vier Wochen für Behördengänge eine Burka im Auto.“

Mit diesem Programm wird Weber 2017 Premiere feiern. Der Auftritt in Lenggries war eine gute Gelegenheit, noch daran zu feilen – so ganz textsicher ist Weber nämlich noch nicht, wirkte manchmal hudelig und fahrig, und die Themen müssen noch besser miteinander verwoben werden. Aber dafür sind ja Vorpremieren da. Seine ganze Bühnenpräsenz bewies Weber dann im zweiten Teil des Abends, als er Auszüge aus den bekannten Programmen „Hunger“ und „Durst“ präsentierte – wie immer ganz in seinem Element.

Von Ewald Scheitterer

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