Aus der Kaserne soll Kapital fürs Ökokonto werden

Lenggries - Die Gemeinde Lenggries lässt sich nicht beirren: Am Montag wurde der nächste Schritt auf dem Weg zum Abriss der Kasernengebäude gemacht.

In der Gemeinderatssitzung ging es um die Änderung des Flächennutzungsplans und den nächsten Verfahrensschritt bei der Aufstellung des Bebauungsplans „Grüne Wiese“. So heißt das Planungsziel natürlich nicht offiziell. Vielmehr ist hier die Rede von „Renaturierung des Kasernengeländes und Nutzung dieser Flächen als Flächen für naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zum gemeindlichen Ökokonto“. Hört sich sperrig an, ist aber einfach erklärt: Für jede Bauleitplanung muss die Gemeinde im Gegenzug Flächen ökologisch aufwerten. Bislang wurde hierfür oft freie Areale aufgeforstet - nicht immer sinnvoll in einer Gegend, in der es viel Wald und eher wenig freie Gebiete gibt. „Auf dem Kasernenareal kann ökologische Aufwertung bereits durch Entsiegelung erfolgen, wohingegen an anderen Standorten Veränderungen des natürlichen Landschaftsbildes notwendig wären“, erläuterte Bauamtsleiter Anton Bammer.

Die Festsetzungen des Bebauungsplans sind relativ überschaubar, schließlich sieht der in erster Linie die komplette Beseitigung aller Gebäude vor. Nach wie vor nicht anfreunden will sich damit SPD-Fraktionschef Dr. Karl Probst. Seit jeher ein Gegner des Bebauungsplan Grüne Wiese machte er am Montag noch einmal seine Bedenken deutlich. Er wolle keine ortsunverträgliche Entwicklung auf dem Kaserneareal, „aber dieser Bebauungsplan wird nicht zustande kommen. Damit werden wir Schiffbruch erleiden“. Juristisch stehe das Ganze „auf tönernen Füßen“, so Probst. „Ich glaube nicht, dass es ein Gericht gibt, dass die Kaserneneigentümer dazu verdonnert, 4,5 Millionen Euro für den Abriss aller Gebäude auszugeben.“ Vielmehr müsse sich die Gemeinde dann einen Abwägungsfehler vorwerfen lassen. Denn ein derartige Bebauungsplan lasse die Interessen der neuen Eigentümer komplett außen vor. Vom Landratsamt sei ohnehin keine Hilfe zu erwarten, „das wollte ja damals schon die Abrissanordnung nicht unterschreiben“, rief der SPD-Rat in Erinnerung. Es bestehe sogar die Möglichkeit, dass es sich hier um eine nicht zulässige Negativplanung handle. „Wir setzen uns dem Verdacht aus, dass wir den Bebauungsplan nur aufstellen, um zu verhindern, dass etwas gemacht wird, was uns nicht passt.“

Vize-Bürgermeister Franz Schöttl (CSU), der Rathauschef Werner Weindl vertrat, konnte die Einwände nicht nachvollziehen. Probst male hier „ein schwarzes Bild. Ein Gericht kann schließlich so oder so entscheiden“. Man dürfe außerdem nicht immer zurückblicken, „sondern muss jetzt nach vorne schauen“.

Gegen die Stimmen von Probst, Luise Gams (SPD) und Peter Gascha (Freie Wähler) wurde der Bebauungsplanentwurf gebilligt. Dieser wird nun einige Wochen öffentlich ausgelegt. In dieser Zeit können Bürger und Fachbehörden Stellungnahmen zu dem Plan abgeben. Diese Einwände müssen dann abgewogen und gegebenenfalls in die weiteren Planungen mit einbezogen werden. (Veronika Wenzel)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tölzer Adventssingen: Den Weg in Ohren und Herzen gefunden
Es war wie immer stimmungsvoll, das Adventssingen im Tölzer Kurhaus. Der Saal war voll besetzt.
Tölzer Adventssingen: Den Weg in Ohren und Herzen gefunden
Tölz Live: Herzen für die Tölzer Feuerwehr
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz Live: Herzen für die Tölzer Feuerwehr
Nach Unfallflucht: Wer fuhr den weißen Sprinter?
Rund 13 000 Euro Schaden entstand am Montag bei einem Unfall in Bad Heilbrunn. Der Verursacher ist flüchtig.
Nach Unfallflucht: Wer fuhr den weißen Sprinter?
Tölzer Landratsamt braucht mehr Platz: Teilausbau des Dachgeschosses
Dem Tölzer Landratsamt geht der Platz aus: Jetzt soll ein Teil des Dachgeschosses ausgebaut werden - für rund 765.000 Euro.
Tölzer Landratsamt braucht mehr Platz: Teilausbau des Dachgeschosses

Kommentare