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Die Örtliche Einsatzleitung hat im Kleinen Sitzungssaal des Landratsamts Stellung bezogen.

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Katastrophenfall ausgerufen: Das passiert an diesem Wochenende

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Landrat Josef Niedermaier hat Donnerstagnacht den Katastrophenfall für den Landkreis ausgerufen. Was aber bedeutet das - und was passiert jetzt?

Bad Tölz-Wolfratshausen – So schnell kann sich die Lage ändern: Nach der Unterredung des Krisenstabs am Donnerstag um 18 Uhr hatte Stefan Kießkalt, Sprecher der Kreisbrandinspektion, noch erklärt: „Wir sind unterhalb der Katastrophenschwelle.“ Doch um 21 Uhr tagte der Kreis aus Vertretern von Landratsamt, Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Behörden noch einmal. Und um 22.37 Uhr stand fest: Landrat Josef Niedermaier ruft den Katastrophenfall für den Landkreis aus.

Hört sich dramatisch an, ist aber eher ein bürokratischer Akt. „Es gibt uns die Möglichkeit, die Einsätze zu koordinieren und strukturiert abzuarbeiten“, sagte Landrat Josef Niedermaier in einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Der K-Fall werde auch ausgerufen, wenn örtliche Ressourcen nicht mehr reichen und man überregional Einsatzkräfte hinzuziehen muss. Das ist bereits passiert: Am Freitag waren insgesamt 390 Kräfte im Einsatz – darunter 240 Feuerwehrleute, 25 Kräfte des THW, 50 Soldaten der Bundeswehr aus Mittenwald, 60 Einsatzkräfte der Bergwacht zur Absturzsicherung und 15 Sanitäter. Alle Fäden laufen bei der Örtlichen Einsatzleitung zusammen. Die hat sich im kleinen Sitzungssaal eingerichtet. Aktenordner liegen auf den Tischen, Laptops laufen, große Stellwände stehen am Rand, an denen Einsatzpläne und Landkarten hängen.

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Einige Landkreisgemeinden haben besonderen Unterstützungsbedarf. In Walchensee und Fall „gibt es einfach eine wahnsinnig hohe Schneelast auf den Dächern“, sagte Niedermaier. Dietramszell schaffe es alleine nicht mehr, das große Straßennetz freizuhalten. Icking bekomme die Schneemassen nicht aus dem Ort, und in Geretsried gehe es ebenfalls darum, Dächer von der schweren Last zu befreien.

Alle Gemeinden haben eigene Kommissionen aufgestellt, die festlegen, wo am dringendsten geschaufelt werden muss. Natürlich räume man nicht jedes Privathaus frei, sagte der Landrat. „Aber wenn es um einen Wohnblock geht und die Frage, ob man schaufelt oder zwölf Parteien notunterbringen muss, wird auch dort mal das Dach geräumt.“ Ansonsten müssten sich Privatleute an Fachfirmen wenden. Feuerwehr und andere Rettungsorganisationen seien dafür nicht zuständig.

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In Geretsried wurde am Freitag auch dafür gesorgt, dass die Einsatzkräfte handlungsfähig bleiben. Deshalb wurden unter anderen die Feuerwache-Nord und der Bauhof vom Schnee befreit. In Ascholding und Heilbrunn stehen die Turnhallen im Fokus – „auch vor dem Hintergrund, dass wir vielleicht Hallen als Notunterkünfte brauchen“, sagt Feuerwehrsprecher Kießkalt.

Das Staatliche Bauamt konzentriert sich darauf, auf den durch die Schneeberge an den Rändern schmal gewordenen Straßen die ursprüngliche Breite wiederherzustellen. Zusätzliche Fahrzeuge aus Würzburg und Augsburg seien dafür im Einsatz, so Abteilungsleiter Martin Herda.

Am Samstag wird weitere Unterstützung erwartet – „unter anderem hilft uns kurz die Bereitschaftspolizei“, sagte Anton Stowasser, Sachgebietsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt. Außerdem wollen sich Ministerpräsident Markus Söder und Staatsminister Hans Reichert am Vormittag vor Ort ein Bild machen.

Gearbeitet wird an diesem Samstag mit Hochdruck, denn die Lage könnte sich zuspitzen. „Am Samstag ist Regen bis in 1200 Metern Höhe vorhergesagt“, so Niedermaier. Das mache den auf den Dächern lastenden Schnee noch schwerer. „60 bis 120 Kilo könnte da noch einmal dazu kommen. Deshalb müssen wir tätig werden.“ Klar ist aber auch: Geschaufelt auf den Dächern wird nur bis zum Einbruch der Dunkelheit. Alles andere sei zu gefährlich.

Zwei Tage länger schulfrei

Bereits am Freitagvormittag fiel die Entscheidung, dass auch am Montag, 14., und Dienstag, 15. Januar, die Schulen im Landkreis geschlossen bleiben. Ist das notwendig oder eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme? „In Aying ist ein Baum umgefallen und hat ein Kind erschlagen“, antwortet Landrat Josef Niedermaier. Die Entscheidung, Schulen zu schließen, werde immer für Kritik sorgen. „Da muss man einen breiten Buckel haben. Mehr Kritik würde es aber geben, wenn was passiert und wir vorher nichts unternommen hätten.“ Viele Schüler müssten auf dem Schulweg auf die Fahrbahn ausweichen, weil Gehsteige nicht geräumt sind. Zudem fahre die BOB bis einschließlich Dienstag nicht mehr südlich von Holzkirchen, weil die DB die Gleise nicht räumt.

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