Im Kloster Benediktbeuern

Mit der Feuerwehrleiter zum Storchennachwuchs

Benediktbeuern - Im Kloster Benediktbeuern bekam der Jungstorch einen Ring angesteckt, damit der Benediktbeurer auch in Zukunft als solcher erkannt wird. Die Heimatzeitung ist mit der Feuerwehr nach oben gefahren.

Die Freude über den Nachwuchs im Benediktbeurer Kloster ist groß. Vor gut 30 Tagen machten zwei Storchenbabys das junge Glück im Horst perfekt. Bevor die Schützlinge flügge werden, sollten die beiden wie berichtet einen Ring zur Markierung bekommen. Am Dienstag war es soweit.

„Jetzt ist der Zeitpunkt perfekt, denn wenn die Jungstörche zu klein sind, rutscht der Ring runter und wenn sie zu groß sind, besteht die Gefahr, dass sie aus dem Nest fallen“, sagt Pater Karl Geißinger, Rektor des Zentrums für Umwelt und Kultur. Er freue sich schon, später herausfinden zu können, in welchem Radius die Beurer Störche umherziehen.

Doch bevor es los gehen kann, gilt es ein Problem zu lösen. „Keine Leiter ist so groß, dass wir aufs Dach kommen“, so Pater Geißinger. Doch die Kochler Feuerwehr hat dem Kloster schon oft mit seiner Drehleiter ausgeholfen. Kommandant Hubert Resenberger (30) erklärte sich sofort bereit, zur Beringung zu kommen. „Seit 15 Jahren bin ich bei der Feuerwehr, Katzen holen wir öfter vom Baum, aber oben bei einem Storch war ich noch nie“, sagt der 30-Jährige.

Während Resenberger das Feuerwehrauto pünktlich um 17 Uhr vor die Gärtnerei fährt, die Störche nichtsahnend in ihrem Horst stehen und die Aussicht genießen, steht die Hauptperson schon bereit. Clemens Kraft ist ehrenamtlicher Beringer aus Radolfzell und für Oberbayern zuständig. „Es macht mir Spaß und es ist interessant zu sehen, wohin die Vögel ziehen“, sagt der 52-Jährige.

Eigentlich ist er „Bürotiger“ und arbeitet als Registrator bei der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft. Aber Vögel haben es ihm schon in seiner Kindheit angetan. „Wir hatten Rauchschwalben in der Toilette und mein Onkel hatte Rotschwänze unterm Dach.“ Die Tiere aus seinem Lieblingsbuch „Rettet die Vögel jetzt“, sind nun seine Schützlinge. Es ist seine Leidenschaft. Während er sich vorstellt, hebt er immer wieder das Fernglas, das um seinen Hals hängt, an die Augen. „Da ist ein Turmfalke“, freut er sich.

Kommandant Resenberger im Polo-Shirt und Feuerwehrhose, stellt das Auto vor den Zaun, fährt Stützen aus und bereitet die Drehleiter vor. Gemeinsam mit Kraft steigt er in den Korb. Höhenangst hat der Beringer nicht. „Ich lerne die bayerische Heimat aus verschiedenen Höhen kennen.“ Schon geht es nach oben. Der Wagen piepst, es riecht nach Diesel und immer wieder hallen Funksprüche durch den Hof. Doch plötzlich stoppt die Drehleiter und die beiden kommen unverrichteter Dinge wieder nach unten. „Wir kommen nicht nah genug ran“, sagt Resenberger.

Der Feuerwehrmann packt alles wieder ein und wendet das große Fahrzeug, um es durch die Toreinfahrt manövrieren zu können. Näher am Gebäude, scheitert der Versuch jedoch erneut. Die Drehleiter schafft es nicht hoch genug. Der Korb ist zu schwer. Resenberger steuert den Wagen dicht an die Klostermauer. Nun muss Beringer Kraft aufs Auto in den Korb klettern, denn der Platz reicht nicht, um die Kabine auf den Boden setzen zu können. Resenberger bleibt nun im Wagen und steuert die Drehleiter von dort.

Bilder: Benediktbeurer Strochennachwuchs wird beringt

Der dritte Versuch klappt. Die Drehleiter fährt zunächst langsam schräg auf zwölf Uhr. Dann geht es zügig senkrecht in die Höhe. Kurz bevor der Korb den Horst erreicht, fliegt der Altstorch, der auf dem Nestrand stand, mit einem Ruck davon. „In der Natur ist er wertvoller und bringt sich lieber in Sicherheit, als seine Jungen zu beschützen“, erklärt Kraft. Er wird aber weiter um das Dach kreisen und die Lage im Blick behalten.

Im Horst wartet eine böse Überraschung. Der kleinere Jungstorch liegt leblos im Nest. „Er hat den Regen am Sonntag wohl nicht überlebt.“ Die Jungstörche haben noch kein Rückgefieder, von dem das Wasser abperlen würde. Wenn ihr Flaum durchnässt, unterkühlen sie. Außerdem müssen sie bei Regen hungern, da die Altstöche sie dann nicht füttern. „Es sind eben Warmduscher“, sagt der Beringer. Er lädt den Kadaver in den Feuerwehrkorb, damit ihn die ZUK-Mitarbeiter später im Klostergarten beerdigen können.

Dem Geschwisterstorch ist der unerwünschte Gast im Horst indes nicht entgangen. Er hat sich längst in Totmannstellung begeben und liegt scheinbar reglos auf dem Gras. „Das ist mein Zeichen“, sagt Kraft. Nun kann er den Ring gefahrlos anbringen. Er steckt zwei Halbkreise aus Plastik oberhalb des linken Kniegelenks aneinander. Ein „Klack“ und der Beringer hat seine Aufgabe erfüllt. „Der Storch heißt jetzt DER-AU857.“ Er werde es schaffen, da ist sich Kraft sicher. „Jetzt ist er der Hahn im Korb.“

Langsam geht es wieder zurück auf den Boden, wobei der Blick des Radolfzellers nochmal über das Klostergelände schweift. Der Storchenvater nimmt wieder auf dem Dach neben seinem Zuhause platz. „Es kann eine halbe Stunde dauern, bis er wieder ins Nest geht“, so Kraft. Bevor der Beringer in sein Auto steigt, packt er sein großes Fernglas auf sein Stativ. Mit 60-facher Vergrößerung kann er den Ring des Storchenvaters ablesen – DER-AF528. Er zückt sein Notizbüchlein und blättert. „Da! Er war einer der ersten Störche, die ich beringt habe.“ Es war am 30. Mai 2011 in Raisting. Im vergangene Jahr hat er in Murnau gebrütet. „Genau deswegen mache ich das.“

Susanne Weiß

Rubriklistenbild: © Arndt Pröhl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arbeiten im Parkhaus an der Bockschützstraße gehen weiter: Darauf müssen sich Autofahrer einstellen
Die gute Nachricht: Das Parkhaus an der Bockschützstraße in Bad Tölz wird nicht komplett gesperrt. Die schlechte: Bis zum Abschluss der Beschichtungsarbeiten Mitte Juni …
Arbeiten im Parkhaus an der Bockschützstraße gehen weiter: Darauf müssen sich Autofahrer einstellen
Tölz Live: Michael Ernst (SPD) will Bürgermeister werden
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz Live: Michael Ernst (SPD) will Bürgermeister werden
So beurteilen Fachleute den Umgang mit den extremen Schneemassen
So etwas soll sich nie mehr wiederholen: Der Tod des verunglückten Schneepflugfahreres Hans Kiefersauer war eines der Themen, mit denen sich die Fachleute bei …
So beurteilen Fachleute den Umgang mit den extremen Schneemassen
Aus Wut über Werkstatt: Tölzer greift zu drastischem Mittel
Aus Wut über mangelndes Entgegenkommen eines Autofachhandels griff ein Tölzer zu drastischen Mitteln.
Aus Wut über Werkstatt: Tölzer greift zu drastischem Mittel

Kommentare