+
Zugang zum Tresorraum: Eine Angestellte hat 222 000 Euro aus der Bank gestohlen. 

Bankangestellte verurteilt

222 000 Euro aus Tresor gestohlen

Sie wusste keinen Ausweg: Eine 22-jährige Angestellte hat 220 000 Euro aus dem Tresor ihrer Bank gestohlen. Jetzt wurde sie zu 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Kochel am See/Wolfratshausen „Man kennt das doch von Filmen“, sagte die Angeklagte. Sie war sichtlich bemüht, eine nachvollziehbare Erklärung für die Tat abzugeben, wegen der sie sich vor dem Schöffengericht verantworten musste. Anfang April dieses Jahres hatte die Bankangestellte 222 000 Euro aus dem Tresor ihrer Filiale in Kochel gestohlen. Am Montag wurde die 23-Jährige am Amtsgericht Wolfratshausen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Tatsächlich ist die Geschichte reif fürs Drehbuch. Eine junge Frau verliebt sich. Aber die Beziehung ist kompliziert. Man schreit sich an. Der Mann ist aufbrausend, impulsiv, wird auch mal handgreiflich. Sie entwickelten trotzdem „ein enorm inniges Verhältnis“. Die Frau geriet unter einen „von Liebe getragenen Druck“, wie Verteidiger Winfried Folda die Motivation seiner Mandantin später skizziert. Meist streiten sie ums Geld. Sie, frei von Geldsorgen, hilft ihm, seine Schulden zu zahlen. Am ersten April-Wochenende bezieht das Paar eine gemeinsame Wohnung. Am Mittwoch, 5. April, einen Tag, nachdem die Angestellte sich bei ihrem Arbeitgeber wegen einer verstauchten Hand krank gemeldet hat, gibt es wieder Ärger – die Anschaffungen für die neue Wohnung, die zusätzliche finanzielle Belastung. „Ich wollte, dass das aufhört mit dem Streit ums Geld“, erklärte die Angeklagte, deren Schilderungen immer wieder von Tränen erstickt wurden. Dann habe sie diese „blöde Idee“ gehabt.

Am Mittag des folgenden Tages, als sie ihre Kollegen aus der Bank beim gemeinsamen Essen beim Italiener um die Ecke wusste, streifte sich die ganz in Schwarz gewandete Frau eine Mütze übers Gesicht, öffnete mit einem Transponder die Notausgangstür der Filiale. „Ich bin in den Tresor rein, habe zwei Safebags geöffnet, reingegriffen und das Geld in meinen Rucksack gestopft – bis er voll war“, berichtete die Beschuldigte mit tränenerstickter Stimme. Die Beute versteckte sie in einer Holzhütte. „Ich wusste nicht, was ich damit machen sollte.“ Nur ein Bündel mit 5000 Euro nahm sie mit in die neue Wohnung.

Die Kripo hatte die krankgeschriebene Mitarbeiterin „schnell im Fadenkreuz“, wie ein Beamter bestätigte. Überwachungsvideos und Aufzeichnungen der Schließanlage hatten den Weg der 23-Jährigen dokumentiert. Bei der Vernehmung vier Tage nach der Tat „sprudelte es förmlich aus ihr heraus“, so der Polizist.

Die Angeklagte begab sich nach der Tat selbst in psychiatrische Behandlung. Wie schon einmal, kurz nach der Ausbildung. „Ich wollte immer die perfekte Tochter sein. Mit dem Freund war es dasselbe. Ich wollte perfekt für ihn sein“, erklärte die Beschuldigte. „Ich weiß nicht, was ich da gemacht hab“, sagte sie sichtlich mitgenommen, als der Richter ihr die Gelegenheit zu einem letzten Wort gab.

Das Gericht berücksichtigte bei seinem Strafmaß die „besondere Konfliktsituation“, in der die Frau sich zur Tatzeit befunden habe. Als Bewährungsauflage muss die Verurteilte 2500 Euro an die Lebenshilfe zahlen. „Wir sind hin- und her gerissen, wie ein junges Mädel mit guter Ausbildung so was durchführen kann“, fasste Richter Helmut Berger die Gefühlslage des Schöffengerichts zusammen. 

  Rudi Stallein

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei nimmt drei junge Fahrraddiebe fest
Ihr Treiben war am Sonntag am Girlitzer Weiher Passanten aufgefallen. Die verständigte Polizei stellte vor Ort fest: Eine Tölzerin und ein Tölzer (beide 19) sowie ein …
Polizei nimmt drei junge Fahrraddiebe fest
Streit um nicht angeleinten Hund eskaliert: Urlauberin (31) bekommt Watschn
Beim nächtlichen Gassigehen im Schlehdorfer Ortsteil Unterau sprach eine Urlauberin ein Pärchen an, weil es seinen Hund nicht angeleint hatte. Die Reaktion überschritt …
Streit um nicht angeleinten Hund eskaliert: Urlauberin (31) bekommt Watschn
Tölz live: Schützenwallfahrt am Reutberg und Brücke in Schlehdorf eingeweiht
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Schützenwallfahrt am Reutberg und Brücke in Schlehdorf eingeweiht
300 Jahre Leonhardikapelle auf dem Tölzer Kalvarienberg: Symbol eines patriotischen Kampfs
Sie thront auf dem Kalvarienberg hoch über der Stadt und hat eine ganz besondere Bedeutung. Am Freitag haben die Tölzer Schützenkompanie, der Verein der Zimmerleute und …
300 Jahre Leonhardikapelle auf dem Tölzer Kalvarienberg: Symbol eines patriotischen Kampfs

Kommentare