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Adleraugen am Kesselberg: Im Einsatz mit der Kontrollgruppe Motorrad

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Von: Felicitas Bogner

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Akribisch prüfen die Beamten, ob an jedem Motorrad auch alles seine zugelassene Richtigkeit hat.
Akribisch prüfen die Beamten, ob an jedem Motorrad auch alles seine zugelassene Richtigkeit hat. © Arndt Pröhl

Der Kesselberg ist berühmt-berüchtigt für seine Serpentinenstrecke, die vor allem bei Motorradfahrern beliebt ist. Die Polizei hat ihre Kontrollen verstärkt. Eine Reportage.

Kochel am See – Das Gefühl von Freiheit, Geschwindigkeit, Dynamik und ein bisserl Action: Das kosten von Frühjahr bis Herbst viele Motorradfahrer auf den einladenden Serpentinen zum Walchensee liebend gerne aus. Doch wie so oft ist des einen Freud des anderen Leid: Denn den Anwohnern in Kochel und am Kesselberg dröhnen die Motorgeräusche in den Ohren.

Die Diskussion über ein vom Bundesrat anvisiertes Fahrverbot für Motorräder an Sonn- und Feiertagen hat sich in den vergangenen Wochen immer mehr zugespitzt. Zahlreiche Großdemonstrationen und hitzige Wortgefechte in den sozialen Medien sind nur ein Teil der emotionalen Debatte. Immer wieder rückt dabei insbesondere der Kochler Kesselberg in den Fokus vieler Argumente. Denn hier wird besonders gern, besonders oft, und ab und an auch besonders laut Gas gegeben. Die kesselförmigen Felswände verstärken den Geräuschpegel.

Daher kontrolliert die Polizei mit ihrer Motorradstaffel aus Rosenheim nun vermehrt an den Brennpunkten, zu denen auch die im Nachbarlandkreis Miesbach befindliche Bergstraße zum Spitzingsee und Sudelfeld zählen.

Das Thermometer klettert auf knappe 30 Grad. Die beiden Polizei-Hauptkommissare Roman Gold und Jan Zangenfeind fahren mit ihren Maschinen von der Kochler Polizeistation die Bergstraße hoch. Etwa auf halber Strecke bleiben sie bei einem Wanderparkplatz stehen. Mit geschulten Adleraugen verfolgen sie am Straßenrand die zahlreichen Motorräder, die hier auf und ab fahren – und das meist mehrmals hintereinander.

„Zustände wie auf einer Rennstrecke“

„Es sind hier teilweise wirklich Zustände wie auf einer Rennstrecke. Wir versuchen mit unserer Anwesenheit, die Situation zwischen allen Parteien etwas zu befrieden“, sagt Gold. Nicht zuletzt durch ihr Auftreten mit Motorrad statt Streifenwagen werben sie für Akzeptanz bei den Bikern. „Bei vielen kommt das gut an. Sie merken, wir sind vom Fach und haben Verständnis.“ Einige andere würden jedoch nur darauf warten, bis die Polizisten wieder fahren. „Es kommt auch vor, dass die Motorradfahrer unten warten und applaudieren, wenn wir weg sind.“ So etwas findet der passionierte Motorsportler Gold dann „wirklich schade. Wir wollen ja kein Feindbild sein.“

Doch kommt den beiden Kommissaren etwas spanisch vor, ein heulender Motor zu laut, die Reifen zu abgefahren, dann winken sie mit ihrer Kelle den Fahrer heraus. „Wenn etwas auffällig ist, holen wir den Fahrer sofort raus, ansonsten machen wir auch ein paar Zufallskontrollen, wie bei jeder allgemeinen Verkehrskontrolle eben üblich“, erklärt Gold, während er mit seinem Kollegen akribisch um zwei Harley-Davidson-Maschinen herumgeht, die Richtung Kochel unterwegs waren. Während das eine Traditionsbike ohne Beanstandung weiterfahren kann, findet Zangenfeind an dem zweiten Motorrad etwas Unzulässiges montiert. Hier wurden an einer Stelle zusätzliche Pedale angebracht. „Das ist nicht verkehrssicher“, erklärt Zangenfeind.

An Brennpunkten unterwegs: Jan Zangenfeind (li.) und Roman Gold von der Kontrollgruppe Motorrad stehen am Kesselberg vor ihren Bikes.
An Brennpunkten unterwegs: Jan Zangenfeind (li.) und Roman Gold von der Kontrollgruppe Motorrad. © Arndt Pröhl

Doch das Paar auf dem Motorrad hat noch einmal Glück. Da niemand vor Ort das nötige Werkzeug dabei hat, dürfen sie bis zur nächsten Motorradwerkstatt fahren und sich diesen Besuch auf der Polizeistation dann bestätigen lassen. „Wir haben es jetzt bei einer mündlichen Verwarnung belassen, da die Fahrer Einsicht gezeigt haben“, sagt Gold.

Doch nicht alle Kontrollierten sind so verständnisvoll. Ein junger Mann auf einer unverkleideten Maschine hat zwar auch alles richtig gemacht, und die Beamten lassen ihn weiterfahren. Aber er sagt trotzdem in leicht genervtem Tonfall: „Ich wurde teilweise schon dreimal an einem Tag kontrolliert. Das ist aktuell wirklich zu viel.“

Roman Gold hingegen findet das Vorgehen notwendig. Die Kontrollen und anderen Sicherheitsmaßnahmen, wie beispielsweise der Unterbodenschutz an den Leitplanken, haben die tödlichen Unfälle deutlich reduziert. Nach wie vor sei die Gefahr dennoch hoch. „Man darf nicht vergessen, dass jeder fünfte Verkehrstote ein Motorradfahrer ist“, fügt er mit ernster Miene hinzu.

„Absolut angemessen“ findet Paul Goetsch die Maßnahmen der Polizei.
„Absolut angemessen“ findet Paul Goetsch die Maßnahmen der Polizei. © Arndt Pröhl.

Dann saust schon eine sportliche Ducati den Beamten entgegen. Gold sagt: „Man erkennt sehr schnell, dass das jemand ist, der gerne schnell fährt und die Kurven auskostet.“ Das verrät ihm sein Kennerblick auf die Reifen. „Es ist zwar noch im Rahmen, aber die Reifen sind wirklich bald fällig“, ermahnt er den Tiroler Paul Goetsch. Er ist sowohl aus Österreich als auch Deutschland die Kontrollen gewohnt. „Aber das ist auch richtig so, es gibt eben auch unter den Motorrad-Fahrern schwarze Schafe“, sagt er. „Und da es immer mehr Motorräder gibt, verstehe ich, dass auch mehr kontrolliert wird.“ Er stehe in diesem Punkt auf der Seite der Beamten.

Pro Kontrolle werden zwischen 30 und 50 Biker überprüft. Die meisten Auffälligkeiten finden die Beamten laut Gold an den Auspuffanlagen, dB-Reglern, Kennzeichen und Reifen.

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