Auf dem Friedhofsparkplatz in Kochel stehen immer wieder Wohnmobile. Nun fanden Bauhof-Mitarbeiter an einem kleinen Seiteneingang auch noch Kothaufen.
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Auf dem Friedhofsparkplatz in Kochel stehen immer wieder Wohnmobile. Nun fanden Bauhof-Mitarbeiter an einem kleinen Seiteneingang auch noch Kothaufen.

Beim Reinigen entdeckt

Waren es die Ausflügler? Eklige Aktion an Friedhof in Kochel sorgt für Ärger

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Unbekannte haben in Kochel ihre Notdurft ausgerechnet am Eingang zum Friedhof verrichtet. Bürgermeister Thomas Holz ist empört, über diese „Pietätlosigkeit“.

Kochel am See – Was unliebsame Hinterlassenschaften angeht, die nach starken Ausflugswochenenden die Natur verschandeln, ist der Kochler Bürgermeister Thomas Holz einiges an Kummer gewöhnt. Doch was ihm jetzt Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofs berichteten, macht ihn fassungslos: Offensichtlich haben Unbekannte ihr großes Geschäft nicht nur mitten in der Gemeinde verrichtet – sondern auch noch ausgerechnet an einem Seiteneingang zum neuen Kochler Friedhof am Reisenfeldweg.

Die Bauhof-Mitarbeiter hätten menschliche Fäkalien mitsamt benutztem Klopapier bei Reinigungsarbeiten vorgefunden, sagt Holz, dem schier der Kragen platzt. „Das ist eine derartige Pietätlosigkeit und Rücksichtslosigkeit, das spottet jeder Beschreibung.“ Man müsse sich nur mal vorstellen, wie Menschen, die das Grab ihrer Angehörigen besuchen wollen, es empfinden, am Friedhofseingang solche Dreckhaufen vorzufinden.

Auf dem Parkplatz des Friedhofs in Kochel stehen immer wieder Wohnmobile

Holz stellt einen Zusammenhang mit der Beobachtung her, dass auf dem Friedhofsparkplatz immer wieder Wohnmobile stehen. Holz zieht allein schon in Zweifel, ob das der passende Ort für eine Übernachtung ist. Nach dem Fund der Exkremente sieht er nun aber endgültig Handlungsbedarf. „Wir werden irgendetwas machen müssen“, sagt er und stellt zur Diskussion, ob am Friedhof grundsätzlich ein Nachtparkverbot erlassen werden sollte. Zudem sieht er den Vorfall als weiteres Indiz dafür, dass es in der Gemeinde an Wohnmobil-Stellplätzen fehle. Wie berichtet plant die Gemeinde einen solchen am Kochelseeufer – und hat dafür jüngst vom Bund Naturschutz Kritik einstecken müssen.

Aber ist es eigentlich prinzipiell erlaubt, auf einem Friedhofsparkplatz im Wohnmobil zu übernachten? Grundsätzlich schon, erklärt dazu der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner auf Anfrage des Tölzer Kurier. „Es spricht nichts dagegen, dass Wohnmobilfahrer zur Herstellung ihrer Fahrtüchtigkeit in ihrem Fahrzeug schlafen.“ Das sei auch auf öffentlichen Parkplätzen gestattet. Dabei sei es freilich vom Campen im engeren Sinne zu unterscheiden.

Ordnungswidrigkeit in Kochel: Kot am Friedhofs-Eingang

Anders verhält es sich mit dem Verrichten der Notdurft am Friedhofseingang. Wären die Kothaufen auf dem Friedhof selbst gefunden worden, „dann wäre der Verdacht auf Störung der Totenruhe zu prüfen“, sagt Kufner. Außerhalb des Friedhofs handle es sich um einen Verstoß gegen das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz und somit um eine Ordnungswidrigkeit. In der Praxis aber sei wohl kaum ein Verursacher ausfindig zu machen. „Ohne eine konkrete Zeugenbeobachtung ist das schwierig.“

Genau deshalb warnt Kufner vor voreiligen Schlüssen. Es sei ja keineswegs ausgemacht, ob die Hinterlassenschaften wirklich von Wohnmobilisten stammen. Er gibt zu bedenken, dass es in den Wohnmobilen ja eigene Toiletten gebe. Traurig fände es Kufner, wenn der Vorfall Wohnmobilisten allgemein in Misskredit brächte. Deren Zahl steige zwar, und es sei auch richtig, dass es für sie in der Region zu wenige Stellplätze gebe. Beschwerden über hinterlassene Fäkalien sind Kufner aus dem Inspektionsbereich jedoch nicht vermehrt bekannt.

In Kochel herrschten am Wochenende „Zustände wie am Ballermann“

Für Bürgermeister Holz hingegen besteht ein klarer Zusammenhang zwischen dem Ekel-Fund am Friedhof und dem starken Ausflügler-Ansturm über Fronleichnam und das Wochenende. Ihm sei berichtet worden, dass an den Seeufern teils „Zustände wie am Ballermann“ geherrscht hätten, weil sich Menschen zum lautstarken Feiern versammelt hätten. Ihren Müll hätten sie „bewusst unter die Stauden getreten“. Gerade für die Anwohner sei die Lage mitunter unerträglich. „Es kann doch nicht sein, dass man sich als Einheimischer wünscht, dass am Wochenende möglichst schlechtes Wetter ist.“

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