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Klaus Barthel Bewerber um den Vorsitz der bayerischen SPD.

Interview

„Alle stehen für gelebte Sozialdemokratie“

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Sechs Bewerber gibt es um den Vorsitz der bayerischen SPD. Einer daovn ist der Kochler Klaus Barthel. Er erlebt derzeit einen Wahlkampf der etwas anderen Art.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Ein Kochler möchte Vorsitzender der Bayern-SPD werden: Klaus Barthel (61), noch Bundestagsabgeordneter, ist einer von sechs Bewerbern. Bis 11. Mai haben die Parteimitglieder Zeit, in einer Mitgliederbefragung ihre Meinung kundzutun. Die Wahl ist für den Parteitag am 20./21. Mai in Schweinfurt vorgesehen. Seit einiger Zeit stellen sich Barthel und seine fünf Mitbewerber – die prominentesten sind Generalsekretärin Natascha Kohnen und Landtagsabgeordneter Florian von Brunn – auf Konferenzen in allen Regierungsbezirken vor. Der Wahlkampfmarathon der etwas anderen Art endet am Freitag in Landau an der Isar (Niederbayern).

-Herr Barthel, Sie lernen zurzeit eine neue Form von Wahlkampf kennen. Wie ergeht es Ihnen dabei?

Klaus Barthel: Die Veranstaltungen sind vom Format her was ganz Neues, keine klassischen Podiumsdiskussionen, sondern mit strikten Redezeiten und vielen Nachfragemöglichkeiten. Es geht dabei sehr lebhaft zu und macht Spaß.

-Welches Gefühl nehmen Sie von den Veranstaltungen mit: Wie stehen Ihre Chancen?

Klaus Barthel: Nach denen zu urteilen, die bei den Veranstaltungen da sind, habe ich ein sehr gutes Gefühl. Aber mir ist auch klar, dass wir dort nur einen Teil der Mitglieder erreichen. Bei den kleineren Veranstaltungen sind vielleicht 100 bis 150 Zuhörer da, bei den großen in Nürnberg und Münchne waren es 250 und 350. Die Grundstimmung ist immer positiv, der Beifall verteilt sich eigentlich auf alle gleich, in der Regel hat keiner eine Fankurve.

-Wie finden Sie die Situation, dass sich gleich sechs Kandidaten der Parteibasis präsentieren?

Klaus Barthel: Der erste Gewinner ist dabei die Bayern-SPD insgesamt. Alle sechs Kandidaten stehen für gelebte Soziademokratie. Im Publikum sieht man einerseits bekannte Gesichter, andererseits auch viele, die man aus der alltäglichen Parteiarbeit noch nicht so kennt. Wir haben ja auch viele neue Mitglieder.

-Was ist Ihr Hauptargument, warum gerade Sie Vorsitzender werden sollten?

Klaus Barthel: Neben meinen Zielen und Ideen geht es auch um die Frage, wer durch seine persönliche Biografie die Sozialdemokratie vertritt.

-Da verweisen Sie auf ihren Hintergrund als Gewerkschaftssekretär. . .

Klaus Barthel: Ja, und darauf, wofür ich seit Jahren als Bundestagsabgeordneter und in der Partei gekämpft habe – nicht immer zur Freude der Oberen.

-Zu welchen Themen fühlen Ihnen die Genossen besonders auf den Zahn?

Klaus Barthel: Es ist ja so, dass Fragen schriftlich eingereicht und dann ausgelost werden. Es geht um viel Verschiedenes: sozialpolitische Fragen, Arbeitsmarktpolitik, G8/G9 oder auch Regionales. Ein großes Thema ist: Wie können wir die weißen Flecken auf der SPD-Landkarte schließen, wie kommen wir an jüngere Leute ran?

-Solche „weißen Flecken“, in denen die SPD keinen Ortsverein mehr hat, gibt es ja zunehmend auch bei uns im Landkreis.

Klaus Barthel: Im ganzen Landkreis ist es nicht so, aber in einigen kleineren Gemeinden schon. Der Dreh- und Angelpunkt ist, dass man diejenigen Mitglieder und Sympathisanten der SPD, die da sind, ermutigt und befähigt, dass sie wieder die Ortsvereins-Arbeit machen. Die Erfahrung zeigt: Wo sich jemand engagiert, kommen auch andere dazu.

-Haben Sie das Gefühl, dass Sie bei Ihrer Kandidatur Rückendeckung aus dem Heimat-Kreisverband bekommen?

Klaus Barthel: Immerhin hat mich ja der Kreisverband vorgeschlagen. Ich bekomme also durchaus gute Unterstützung – die mir natürlich wenig hilft, wenn ich in Regensburg bin.

-Vergangenes Jahr haben Sie bekannt gegeben, dass Sie nicht mehr für den Bundestag kandieren – aus „persönlichen Gründen“, wie Sie sagten. Diese „persönlichen Gründe“ gelten aber nicht für die Übernahme des ebenfalls zeitaufwändigen Amts als Landesvorsitzender?

Klaus Barthel: Als ich die Entscheidung traf, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren, war noch gar nicht absehbar, dass der Landesvorsitz übehaupt zur Debatte steht. Dass ich nicht mehr im Bundestag sein werde, hätte aber gerade den Vorteil, dass ich mehr Zeit für Bayern hätte. Und es wäre gut, wenn der Vorsitzende diesen Job nicht nur nebenbei zu einem anderen Amt machen würde.

- Meine Frage zielte auch darauf ab, ob Ihr Rückzug aus dem Bundestag nicht auch andere Gründe hat.

Klaus Barthel: Nein. Mir macht die Arbeit im Bundestag nach wie vor Spaß, ich empfinde da keinerlei Verdruss oder Resignation. Aber irgendwann aufzuhören und Platz zu machen, gehört auch zu der Frage, wie man den Nachwuchs motivieren kann.

Diskussion

Die Arbeitsgemeinschaft „60 plus“ der Kreis-SPD lädt für Montag, 10. April, alle Parteimitglieder zu einer Diskussion über die Wahl des Landesvorsitzenden ein. Beginn im Restaurant am Bibisee in Wiesen ist um 19 Uhr.

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