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Mit bis zu sieben Hubschraubern wurde der Waldbrand bekämpft. Das Wasser kam aus Kochel- und Walchensee.

Bilanz

Als der Berg brannte: Ein Jahr nach dem Großeinsatz am Jochberg

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400 Einsatzkräfte, eine halbe Million Euro Kosten und ein Schaden, der immer noch nicht beziffert werden kann: Der Waldbrand in der Neujahrsnacht vor einem Jahr am Graseck/Jochberg war der größte Feuerwehreinsatz im Landkreis seit Langem. Eine Bilanz.

Kochel am See – Zwei Wanderer (32 und 36 Jahre alt) aus München waren am Silvesterabend am Graseck aufgestiegen, um das Feuerwerk im Loisachtal zu beobachten. Als sie im Bereich des Gamsköpfls ein Lagerfeuer entzündeten, gerieten die Flammen auf dem strohtrockenen Untergrund schnell außer Kontrolle. Beim Versuch zu löschen, stürzte einer der beiden ab und verletzte sich schwer. Als die Bergwacht vor Ort eintraf, hatte sich der Brand bereits ausgebreitet.

Gegen 1.30 Uhr war Kreisbrandrat Karl Murböck vor Ort. Gegen 3 Uhr wurde mit Landrat Josef Niedermaier beschlossen, den Katastrophenfall auszurufen. Die Organisation eines Großeinsatzes, der fast drei Tage dauern sollte, lief an. „Es ist sehr gut gelaufen“, sagt Murböck im Rückblick. „Klotzen, nicht kleckern – es hat sich bewährt, dass wir gleich in die Vollen gegangen sind.“ Die Nachtstunden wurden genutzt, um den massiven Löscheinsatz aus der Luft zu organisieren. „Deshalb war bei Tagesanbruch alles vorbereitet“, sagt Murböck. Mehrere Hubschrauber begannen mit den Löscharbeiten, sobald es hell genug war. Entgegen kam den Einsatzkräften das Wetter: „Dass es zu schneien angefangen hat, war natürlich gut.“

Rund eine halbe Million Euro kostete der Löscheinsatz. Geld, das sich der Landkreis von der Haftpflichtversicherung der beiden Wanderer wiederholte. Die beiden Männer sind mittlerweile auch wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt worden: 9000 beziehungsweise 6750 Euro müssen die beiden Münchner bezahlen.

Das Medieninteresse an dem Waldbrand war enorm: Deutschlandweit wurde darüber berichtet. Ein Interesse, das Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs, immer noch etwas erstaunt. Denn natürlich sei ein Brand im Bergwald immer schlimm. Das Feuer am Graseck sei aber nicht vergleichbar mit Brandkatastrophen wie heuer in Portugal oder Kalifornien. „Gott sei Dank“, sagt Plochmann. „Es hat sich hier natürlich auch gezeigt, dass das Einsatzsystem bei uns sehr professionell ist. Die Feuerwehr hat dafür gesorgt, dass sich der Brand nicht weiter ausbreiten konnte.“

Das Medieninteresse war enorm. Bürgermeister Thomas Holz, Landrat Josef Niedermaier sowie Kreisbrandrat und Örtlicher Einsatzleiter Karl Murböck (v. .li.) bei einer Pressekonferenz am Kochler Feuerwehrhaus.

Spuren haben die Flammen im Schutzwald hoch über Kochel am See natürlich dennoch hinterlassen. 18 Hektar des Tölzer Forstbetriebs sind betroffen. Dort stehen unter anderem bis zu 300 Jahre alte Kiefern. Die Staatsforsten hatten einen Gutachter damit beauftragt, die Schadenssumme – es geht um mehrere 100 000 Euro – zu beziffern. Geltend macht der Forstbetrieb den Schaden im Moment aber noch nicht. „Das wäre einfach nicht seriös“, sagt Plochmann. Er will eine zweite Vegetationsperiode abwarten, um zu sehen, wie sich die geschädigten Bäume tatsächlich entwickeln. Denn schon heuer habe sich gezeigt, „dass Bäume, die auf den ersten Blick aussahen, als wären sie abgestorben, wieder ausgetrieben haben.“ Tatsächlich sei das bei einem „erfreulich großen Teil“ der Fall gewesen. „Das hat uns schon positiv überrascht“, sagt Plochmann.

Allerdings sei er „kein Prophet“ und könne nicht sagen, ob sich die Bäume wirklich erholt haben. Die Schädigung durch den Brand mache die Bäume anfälliger für sogenannte Sekundärschädlinge wie Borkenkäfer oder Pilze. Auch ein trockener Sommer könnte dafür sorgen, dass der Baum noch abstirbt. „Deshalb wollen wir eine zweite Vegetationsperiode abwarten. So sind wir auch mit der Versicherung verblieben.“ Dann werde sich der Gutachter erneut ein Bild machen.

Waldbrand am Jochberg: Bilder vom Rettungseinsatz

Plochmann geht aber weiterhin davon aus, dass Nachpflanzungen nötig sind, um die Schutzfunktion des Walds wiederherzustellen. „Im Frühjahr werden wir daher damit beginnen, das Steigsystem zu ertüchtigen.“ Das sei für die späteren Pflanzarbeiten notwendig.

Dass es die braucht, glaubt auch Christian Webert, Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Holzkirchen. Er und seine Mitarbeiter stehen den Privatwaldbesitzern, die ebenfalls von dem Brand betroffen waren, mit Rat und Tat zur Seite. „Wir tun alles, um sie zu unterstützen. Die Waldbesitzer werden sich auch an das Gutachten der Staatsforsten mit dranhängen“, sagt er. Mehrfach sei man heuer in der Fläche gewesen, um die Entwicklung zu begutachten. „Es ist viel Wurzelraum verbrannt. Die geschwächten Bäume sind leichte Beute für Schädlinge.“ Daher müsse man das Ganze einen weiteren Sommer beobachten, sagt auch Webert. Erst dann könne man eine Schadenssumme beziffern.

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