Amtsgericht Wolfratshausen
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Ein ehemaliges Paar sah sich vor dem Amtsgericht Wolfratshausen wieder.

„Wie kannst du nur so lügen?“

Anschuldigungen der Ex-Freundin: Amtsgericht spricht Kochler frei

  • vonRudi Stallein
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Ein Nachspiel vor Gericht hatte jetzt die Beziehung eines Paars aus Kochel. Die Frau warf ihrem Ex-Partner vor, sie geschlagen und beleidigt zu haben.

Kochel am See – Dem Angeklagten fällt nichts mehr ein, als der Richter ihm die Chance einräumt, Fragen an die Zeugin zu richten. Der Mann stammelt nur: „Ich bin fassungslos, wie man so lügen kann.“ Er soll die drei Meter von ihm entfernt in der Mitte des Gerichtssaals sitzende Frau, die gerade einen Schwall von Anschuldigungen gegen ihn losgelassen hat, beleidigt und geschlagen haben. Wenige Minuten, nachdem die Zeugin den Saal verlassen hat, wird der 51-Jährige freigesprochen.

Am 25. November vorigen Jahres wurde die Polizei zur Adresse des Angeklagten in Kochel gerufen. Ein Nachbar hatte aus der Wohnung Schreie gehört, weshalb auch gleich der Rettungsdienst alarmiert worden war. Auf massives Klopfen hin habe der Beschuldigte geöffnet, berichtete ein Beamter vor Gericht. Der Mann habe „eine ganz schöne Fahne“ gehabt. Die Frau habe sich im Wohnzimmer aufgehalten und sei „ziemlich aufgebracht“ gewesen. „Sie beschuldigte ihn, er sei ein eifersüchtiger Kontrollfreak“, so der Polizist. An dem Tag habe sie einen Freund getroffen, danach sei es zum Streit gekommen. Der Mann habe sie geschlagen und sie nicht aus der Wohnung gelassen. Laut Anklageschrift soll der Kochler seine damalige Lebensgefährtin an jenem Tag als Schlampe beleidigt und mit der flachen Hand auf die Lippe geschlagen haben.

„Ich habe der Frau nie irgendwas getan“

Der ehemalige Eisenbahner widersprach den Vorwürfen vehement. „Ich habe sie nicht ein einziges Mal beleidigt“, erklärte er vor Gericht. Er habe sie verwöhnt, sie bekocht, geputzt etcetera – was sie mit der Zeit genervt habe, weil er sie nichts habe machen lassen. „Aber ich habe der Frau nie irgendwas getan“, betonte der Mann. Allerdings räumte er ein, dass es an dem Tag einen Disput gegeben habe. Die Frau habe den Hund eines Nachbarn ausgeführt und sei danach nicht gleich heimgekommen, berichtete er. Deshalb habe er hinterhertelefoniert, wo sie bleibe.

Die Frau (44), die zum Tatzeitpunkt nach eigener Aussage seit etwa drei Monaten mit dem Angeklagten zusammen war und seit vier, fünf Wochen bei ihm wohnte, setzte in ihrer Zeugenaussage noch eins drauf. „Er hat mich zu Boden gestoßen und dreimal über den Boden hin- und hergeschleift“, erklärte sie und wedelte dazu mit dem Arm. Als der Mann schräg gegenüber anfing, sich aufzuregen und „wie kannst du so lügen?“ dazwischenrief, bekräftigte die Zeugin: „Das habe ich mir nicht eingebildet.“ Dass er ihr in der Früh aber das Wort „Schlampe“ (so hatte sie es bei der Polizei angegeben) hinterhergerufen haben soll, daran erinnerte sie sich nicht. Damit war die Beleidigung für den Angeklagten vom Tisch.

Widersprüchliche Aussagen der Frau reichen nicht für ein Urteil aus

Blieb noch der Vorwurf der Körperverletzung. Doch nachdem Richter und Staatsanwältin sich noch einmal das „Beweisfoto“ angeschaut hatten, war auch dieser Vorwurf nur schwer zu halten. „Wenn du was auf den Mund kriegst, dann schaut es anders aus“, merkte Richter Helmut Berger an. Die Lippe auf dem Bild wies keinerlei Schwellung oder sonstige Verletzung auf. Wie die Staatsanwältin war auch er zwar der Meinung, „dass da was vorgefallen ist“. Dennoch wurde der Mann freigesprochen. Die von einigem Belastungseifer getragenen und zudem widersprüchlichen Aussagen der Frau seien „zu wenig, um ihn verurteilen zu können“, so Berger in der Urteilsbegründung.

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