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Heuer waren am Kesselberg bislang keine tödlichen Motorradunfälle zu beklagen.

Verkehrsbilanz am Kesselberg 

Außer einem Reh kein Todesopfer

Die Statistik sagt in etwa dasselbe: Es gab in diesem Jahr nicht mehr Motorrad-Unfälle am Kesselberg als im vergangenen. Trotzdem behält die Polizei die Strecke aufmerksam im Blick.

Kochel am See– 21 Unfälle mit Motorradfahrern gab es in diesem Jahr vom 1. Januar bis Anfang November – die gleiche Zahl wie 2016. Acht Personen wurden schwer (2016: 9), fünf leicht verletzt (2016: 9). Das gibt Steffen Wiedemann, Leiter der Polizeinspektion Kochel am See, auf Anfrage bekannt.

In diesem Jahr waren allerdings zwei Unfälle dabei, „die auch mit einem anderen Fahrzeug passieren hätten können“: Ein Motorradfahrer kollidierte mit einem Reh, einer fuhr beim Abbiegen aus dem Parkplatz mit einem anderen Zweiradler zusammen. „Außer dem Reh gab es in diesem Jahr keine Todesopfer am Kesselberg“, so Wiedemann.

Insgesamt entstand bei den Unfällen ein Sachschaden in Höhe von 111 000 Euro. „Diese Größenordnung ist schnell erreicht“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Motorräder mit einem Wert von 30 000 Euro seien keine Seltenheit. „5000 bis 8000 Euro Schaden sind da schnell vorhanden, wenn es verkratzt ist und die Gabel verbogen.“

„Nahezu in allen Fällen war der Verursacher der Motorradfahrer“ – ein Sonderfall am Kesselberg, denn auf anderen Straßen halten sich Verursacher und Geschädigter eher die Waage. Die Verstöße am Kesselberg seien mit empfindlichen Bußgeldern geahndet worden, so der Kochler Polizei-Chef.

Die Hauptursache war nach erster Einschätzung bei den meisten Unfällen nicht angepasste Geschwindigkeit, aber auch allgemein riskante Manöver und Disziplinlosigkeit. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf Anfrage sagt, ist der typische Unfallverursacher am Kesselberg zwischen 18 und 34 Jahren alt und männlich. Auch seien eine Reihe von Fahranfängern mit für sie typischen Fehlern dabei gewesen, sagt Wiedemann. Es gebe leider eine Szene, „die sehen Verkehrsregeln eher als Empfehlung an“. Darunter seien auch hemmungslose Raser, „die die öffentliche Straße mit einer Rennstrecke verwechseln“. Gerade bei Überholverstößen oder technischen Mängeln gebe es hier Wiederholungstäter.

Die zur zusätzlichen Sicherheit eingebauten Mittelleitschwellen „zeigen nach unserem Eindruck durchaus Wirkung“, sagt Wiedemann. Man sei vorsichtig optimistisch und könne sich grundsätzlich eine Erweiterung dieser Maßnahme vorstellen. „Nach unserer Einschätzung haben riskante Überholmanöver im Bereich der Leitschwellen abgenommen.“

Demnächst werde er sich mit dem Leiter der Kontrollgruppe Motorrad zusammensetzen, sagt Wiedemann. Dann steht auch eine genaue Auswertung bezüglich der Unfallörtlichkeiten an. Aus dem Gefühl heraus kann Wiedemann jedoch sagen, dass der Mittelbereich den Unfallschwerpunkt bildet. Dort soll unter Umständen dann baulich und mit Kontrollen gehandelt werden.

Grundsätzlich sei wichtig, festzustellen, sagt Jürgen Thalmeier vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd, „dass nicht jeder Motorradfahrer, der am Kesselberg fährt, ein Raser oder Selbstdarsteller ist“. Die sogenannten „Kesselbergheizer“ seien nur ein geringer Teil der Verkehrsteilnehmer. Bei Kontrollen würden sich meist die verschiedenen Typen zeigen. Raser „zeigen sich bei Kontrollen meist uneinsichtig und vermeiden jedes Wort zu viel gegenüber der Polizei“. Vernünftige Gespräche seien kaum möglich. „Hier hilft leider nur Verkehrserziehung durch konsequente Ahndung“, so Thalmeier.

Ganz im Gegensatz zu den Tourenfahrern. Bei diesen sei, so der Polizeisprecher, „bei einer Kontrolle der Redefluss selten zu stoppen“. Ganz nebenbei erfahre der Kontrollbeamte so auch die Historie des Bikes und die bereits damit bereisten Ziele.

Von Melina Staar

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