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Glasfaserausbau: Kochel wirft Firma raus

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Von: Christiane Mühlbauer

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Anders als erwartet, hatte die beauftragte Firma in Kochel nicht mit dem Glasfaserausbau begonnen. Hunderte Kunden haben schon Verträge: Was nun?
Anders als erwartet, hatte die beauftragte Firma in Kochel nicht mit dem Glasfaserausbau begonnen. Hunderte Kunden haben schon Verträge: Was nun? © DPA

Weil die zuständige Firma den Glasfaserausbau im Kochler Gemeindegebiet nicht umsetzen kann, zieht man im Rathaus nun die Reißleine. In Kürze wird der Auftrag an die Telekom vergeben.

Kochel am See – Das Thema sorgte in der jüngsten Kochler Gemeinderatssitzung am Dienstag für lebhafte Wortmeldungen. Zum Hintergrund: Im Mai 2022 hatte die Gemeinde die Firma „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) beauftragt, die digitale Infrastruktur im gesamten Gemeindegebiet weiter auszubauen (wir berichteten). Vorangegangen war eine Auswertung durch die „Breitbandberatung Bayern GmbH“. Zwei Angebote lagen damals bei der Gemeinde auf dem Tisch, eines von UGG und eines von der Telekom. Das Angebot von UGG war damals das bessere. Die Firma sicherte zu, dass man noch in 2022 mit den Arbeiten beginnen könne und in 2023 fertig werde, berichtete Bürgermeister Thomas Holz (CSU). Die Telekom hätte frühestens 2025 mit den Arbeiten beginnen können und bot zudem einen geringeren Ausbauumfang an.

Kochel nimmt für leistungsstarkes Glasfasernetz Förderprogramm des Freistaats in Anspruch

In der gesamten Gemeinde gibt es bereits seit 2018/19 hochleistungsfähige Breitbandnetze mit Übertragungsraten von mindestens 50 MBit/s. Kochel nimmt nun ein Förderprogramm des Freistaats in Anspruch, um an das leistungsstarke FTTH-Glasfasernetz angeschlossen zu werden, und zwar in allen Ortsteilen.

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Für Ausbau „einige Gegebenheiten in Kochel nicht vollumfänglich berücksichtigt worden“

Allerdings begann die Firma UGG nicht mit den Arbeiten. „Deshalb haben wir dann im Sommer mal nachgefragt“, schilderte Holz die Entwicklung. Die Firma habe zugesichert, den Auftrag ausführen zu wollen, aber offensichtlich seien „einige Gegebenheiten in Kochel nicht vollumfänglich berücksichtigt worden“, sagte Holz, ohne Details zu nennen. Bei einer nicht öffentlichen Sitzung im Dezember schilderte dann Jörn Schoof, Geschäftsführer für den Vertrieb (Chief Customer Officer, CCO) die Probleme. Sein Vorschlag war, so Holz, die Gemeinde nur teilweise auszubauen. „Darauf lassen wir uns aber nicht ein“, sagte Holz.

Firma hätte mit Herausforderungen zu kämpfen

Deshalb setzte er der Firma bis Ende Februar eine Frist. Selbst am Stichtag habe er um Antwort bitten müssen, schilderte Holz das Vorgehen und meinte: „Es ärgert mich wirklich massiv.“ Die Firma antwortete, sie würde gerne das Projekt fortsetzen, hätte aber mit Herausforderungen zu kämpfen.

Vertrag soll nun mit der Telekom geschlossen werden

Nun hat die Gemeinde Kochel genug. „Wir zweifeln an der Umsetzung“, sagte Holz. Zwischenzeitlich hatte er Kontakt mit der Telekom aufgenommen. „Die Verhandlungen waren erfreulich.“ Denn die Telekom legte nun ein besseres Angebot als damals vor. „Sie können verbindlich ab 2024 ausbauen“, sagte Holz, und zwar im ganzen Gemeindegebiet. Die Datenpakete beider Firmen seien identisch. Die Gemeinderäte erteilten Holz nun den Auftrag, den Vertrag mit der Telekom zu unterschreiben.

Im Gemeinderat regte sich Unmut über UGG

Auch im Gremium des Gemeinderats regte sich Unmut über die Firma UGG. „Was passiert denn mit den Leuten, die schon Verträge unterschrieben haben“, wollte Rosi Marksteiner („Mitte“) wissen. Klaus Barthel (SPD) berichtete, es würden schon Rechnungen und auch Mahnungen verschickt, „bis zur Androhung der Vollstreckung“. Klaus Barthel rügte die Firma für in seinen Augen „unverschämte Versprechen“. Aber auch an der „Breitbandberatung Bayern GmbH“ ließ er kein gutes Haar: „Die haben uns damals ein Ohr abgekaut, wie gut UGG sei.“

Die Räte hoffen nun, dass mit der Telekom alles klappt. Holz sieht auch noch einen weiteren Vorteil: Viele Kochler seien Telekom-Kunden, „und vor allem die Älteren haben sich schon gemeldet und gesagt, ihnen wäre es lieber, wenn die Verträge bei der Telekom bleiben könnten“.

UGG möchte „nach wie vor das Projekt weiterverfolgen“

Auf Anfrage unserer Zeitung nahm UGG am Donnerstag Stellung. „Wir möchten nach wie vor das Projekt weiterverfolgen“, sagte Geschäftsführer Jörn Schoof. Das Projekt in Kochel solle ein „Leuchtturmprojekt“ für die Region werden. Auch mit den Gemeinden Großweil und Ohlstadt befinde man sich in Gesprächen über den Glasfaserausbau.

Es gab Probleme hinsichtlich der Anbindung von Walchensee

Was Kochel anbelangt, gab es bei der Planung Probleme hinsichtlich der Anbindung von Walchensee, so Schoof weiter. Zudem habe die Deutsche Telekom die Infrastruktur nicht zur Verfügung gestellt, „obwohl wir sie nutzen dürfen“. Schoof will nun nochmal das Gespräch mit Holz suchen.

Kunden sollen sich bei Fragen an Hotlines von O2 oder UGG wenden

Schoof zufolge wurden in den vergangenen Monaten in der Gemeinde Kochel einige hundert Kunden gewonnen, und zwar in Zusammenarbeit mit O2. Rechnungen werden erst versendet, wenn die Portierung erfolgt sei, also das „echte Anschalten“. Er könne aber nicht ausschließen, dass „etwas schief gelaufen sei“. „Wir werden dem nachgehen“, sagte Schoof. Kunden sollten sich bei Fragen an die Hotlines von O2 oder von UGG wenden.

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