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Eine Reiterin führt ihr Pferd an der Liegewiese in den Kochelsee – sehr zum Unmut der anderen Badegäste.

Gemeinde und Landratsamt appellieren

Badegäste stinksauer: Reiter gehen mit Pferden im Kochelsee baden

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Weil Reiter mit ihren Pferden im Kochelsee baden, sind einige Bürger empört. Gemeinde und Landratsamt appellieren an die Vernunft.

Kochel am See – Ein erfrischender Anblick war das nicht: Eine Kurier-Leserin aus Kochel schickte der Redaktion vor ein paar Tagen ein Video, auf dem zu sehen ist, wie sich eine Reiterin samt Pferd im See abkühlt und dann am Liegeplatz neben spielenden Kindern wieder aus dem Wasser steigt. „Schlimm genug, dass das Hundebadeverbot am See missachtet wird“, echauffiert sich die Leserin und fragt: „Braucht man jetzt auch noch ein Schild ,Pferde-Badeverbot‘?“ Sie schildert, dass ihr beim Schwimmen schon Pferdeäpfel entgegengekommen seien. „Einmal konnte man zwei Tage nicht ins Wasser, weil die ganze Bucht voll war.“ Die Frau berichtet zudem von Hundebesitzern, die ihren Tieren nahe den Badeplätzen „den Hintern auswaschen“. Die Kochlerin ärgert sich: „Das muss doch nicht sein, an einem öffentlichen Badestrand.“

Lesen Sie auch: Ärger wegen Pferdeäpfeln: Lenggrieserin hat geniale Idee

Auch Bürgermeister Thomas Holz, der das Video kennt, ist davon nicht begeistert. Am Kochelsee ist explizit nur verboten, dass an Liegewiesen Hunde baden. „Es ist bedauerlich, dass sich manche Leute einfach nicht daran halten“, sagt der Bürgermeister. Allerdings sei es ein Problem, das Verbot zu überwachen. Er appelliert an alle Tierbesitzer, Rücksicht auf die Badegäste zu nehmen und Tiere nur an abgelegenen Plätzen ins Wasser zu lassen.

Es geht um die Sicherheit - und um Fäkalien

Das Verbot habe hygienische Gründe, erklärt Holz. „Man weiß nie, was die Tiere für Ungeziefer mit sich tragen.“ Auch die Fäkalien seien natürlich ein großes Problem, außerdem gehe es um die Sicherheit. Holz ruft deshalb alle Pferdebesitzer auf, vernünftig zu sein. „Es ist nicht vorhersehbar, was alles passieren kann, wenn ein Pferd durch irgendwas unter Wasser plötzlich Panik bekommt.“

Besonders eklig ging es kürzlich auch in einem Freibad in Sudheim zu: Ein Gast kotete ins Becken - mit sehr ärgerlichen Folgen.

Auch am Walchensee kommt es immer wieder zu Konflikten. Anders als am Kochelsee gibt es hier eine Verordnung. Sie stammt aus dem Jahr 1982. Darin steht, dass es verboten ist, „Tiere aller Art im See schwimmen zu lassen, zu reinigen oder zu tränken“. Man darf sich selbst und Gegenstände im See auch nicht mit „Seife oder ähnlichen Reinigungsmitteln“ waschen, heißt es. Zudem gibt es Auflagen für Bootsfahrer. Verboten sind zum Beispiel Kajütboote (geschlossene Boote). Der See darf nur mit offenen Booten befahren werden. Bei Zuwiderhandlung droht eine Strafe von bis zu 5000 Euro.

Auch vom Walchensee kommen Beschwerden, dass Menschen sich nicht an die Regeln halten. Sowohl im Landratsamt als auch bei der Gemeinde weiß man davon. „Das Problem ist jedoch immer die Überwachung“, sagt Landratsamt-Sprecherin Sabine Schmid. Wie Bürgermeister Holz appelliert sie, Rücksicht auf andere Badegäste zu nehmen.

Eine ähnliche Verbotssatzung auch für den Kochelsee zu erlassen, hält Holz für wenig sinnvoll. „Papier ist geduldig“, sagt der Bürgermeister. „Das Wichtigste ist halt die gegenseitige Rücksichtnahme“, sagt Holz, meint aber auch: „Ein paar schwarze Schafe wird es leider immer geben.“

In Fürth spielte ein Pferd die Hauptrolle bei einem bewegenden Abschied: Eine Frau, die im Sterben lag, wünschte sich ein letztes Mal Besuch von ihrem Pflegepferd.

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