Um seine Miete ist ein Kochler von einem Betrüger geprellt worden.
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Um seine Miete ist ein Kochler von einem Betrüger geprellt worden.

Amtsgericht Wolfratshausen

Betrüger bringt Kochler Vermieter um 8000 Euro – kuriose Ausrede

  • vonRudi Stallein
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Ein klassischer Betrüger schuldet einem Vermieter aus Kochel fast 8000 Euro Miete. Er wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Kochel am See/Wolfratshausen – Der Vermieter war sich sicher: „Mit dem Einkommen, kann er die Miete bezahlen“, schildert er seinen Eindruck, nachdem er die Selbstauskunft des Mietinteressenten erhalten hatte. 2800 Euro netto, als Angestellter beim japanischen Generalkonsulat in München. Also überließ er dem Mann (54) die 80 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung in Kochel am See. Einzug war am 20. Januar 2019, doch die Miete blieb aus. Die erhielt der Vermieter (52) erst, als er nach intensiven Recherchen beim Jobcenter landete – wo sein „gut situierter“ Mieter Arbeitslosengeld II bezog. Nun wurde der Servicetechniker vom Amtsgericht Wolfratshausen wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Angeklagter wurde schon 17mal verurteilt

Das Gericht war überzeugt, dass er Angeklagte, von dessen 17 bisherigen Verurteilungen bereits etliche wegen Betrugsdelikten erfolgten, auch dieses Mal in voller Absicht gehandelt hatte. „Er ist der klassische Betrüger, anders kann man es nicht sagen“, so die Einschätzung des Vorsitzenden Richters Helmut Berger.

Zum Zeitpunkt, als der Mann, der von seiner Verpflichtung zum persönlichen Erscheinen zur Verhandlung entbunden worden war, den Mietvertrag unterzeichnete, jobbte er bei einer Fahrschule im Landkreis. „Für 155 Euro im Monat“, wie der Vermieter bei seinem Bemühen, einen Arbeitgeber aufzutreiben, bei dem er die Miete pfänden könne, herausgefunden hatte. Auch beim japanischen Generalkonsulat hatte der Mann tatsächlich mal gearbeitet, im Oktober 2010 für drei Wochen und von September 2011 bis Mitte Januar 2012.

Einen Teil des Mietrückstands aus dem der Anklage zugrunde liegenden Zeitraum von Januar 2019 bis Ende Januar 2020 hat der Vermieter inzwischen durch die regelmäßigen Zahlungen des Jobcenters, denen der Beschuldigte anfangs seine Mietschulden verschwiegen hatte, erhalten. Offen ist noch ein Betrag von 7850 Euro. Mit einer Räumungsklage ist der Wohnungseigentümer bislang nur zum Teil erfolgreich. Nach einem Beschluss des Amtsgerichts muss der Mann zwar ausziehen, bislang tut er das jedoch nicht.

Verwirrtheit wegen Dauermedikation: Richter nicht überzeugt

In der Verhandlung am Zivilgericht kam der Angeklagte mit einer außergewöhnlichen Begründung davon. Wegen einer schweren Krebserkrankung nehme sein Mandant an einer medizinischen Studie mit einem speziellen Medikamentenmix teil, erläuterte der Verteidiger. Eine Dauermedikation könne als Nebenwirkung zu Verwirrtheit und Gedächtnisverlust führen. Beim Abschluss des Mietvertrags sei er in einem Zustand gewesen, in der eine freie Willensbildung ausgeschlossen gewesen sei. „Kurz gesagt: Er war balla-balla“, erklärte der Rechtsanwalt und beantragte, seinen Mandanten freizusprechen.

Anzeichen von Verwirrtheit oder Vergesslichkeit waren in den vergangenen eindreiviertel Jahren weder dem Vermieter noch dem Sachbearbeiter des Jobcenters bei dem Mann aufgefallen. „Es ist grandios, auf was für Ideen er immer wieder kommt, um sich herauszuwinden“, sagte Richter Berger in seiner Urteilsbegründung. Er sei überzeugt, dass der Angeklagte in keiner Weise bei Mietvertragsabschluss beeinträchtigt gewesen sei. Die Gefängnisstrafe von einem Jahr setzte Berger für drei Jahre zur Bewährung aus. Zudem ordnete er die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 7850 Euro zu Gunsten des Vermieters an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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