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Beim Rundgang durch die Montagehalle (v. li.): Dorst-Aufsichtsratsvorsitzender Hubert H. Löcherer, US-Diplomat Kent Logsdon, Bürgermeister Thomas Holz, Generalkonsulin Jennifer Gavito und Produktionsleiter Josef Spensberger. 

„Angst liegt in der Luft“

US-Vertreter nimmt in Kochel Sorgen von Dorst entgegen

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Er hätte sicher auch gern mit Präsident Donald Trump persönlich ein paar Takte über die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen gesprochen. Immerhin traf Dorst-Chef Hubert H. Löcherer am Mittwoch den höchsten US-Vertreter in Deutschland, Kent Logsdon.

Kochel am See – Offene Worte fand am Mittwoch Hubert H. Löcherer, Aufsichtsratsvorsitzender der Firma Dorst Technologies, beim Besuch einer hochrangigen amerikanischen Delegation. Er machte deutlich, welche Sorgen ihn als Chef eines mittelständischen deutschen Unternehmens seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump plagen. Und seine Gäste, Kent Logsdon, der aktuell die Funktion des US-Botschafters ausfüllt, sowie Münchens US-Generalkonsulin Jennifer Gavito, hörten aufmerksam zu.

Logsdon und Gavito waren vormittags in Garmisch-Partenkirchen, wo US-Verteidigungsminister James Mattis sich mit seiner deutschen Amtskollegin Ursula von der Leyen traf. Auf dem Rückweg machten die Generalkonsulin und der Diplomat Station in Kochel. „Ich wollte die Gelegenheit nutzen, ein mittelständisches Unternehmen zu besuchen, das auch Verbindungen in die USA hat“, begründete Logsdon den Abstecher. „Und es freut mich persönlich besonders, dass Dorst einen Standort in Pennsylvania hat, wo ich herstamme.“

Logsdon fungiert offiziell als „Chargé d’Affaires“ oder „Geschäftsträger ad interim“. Nach dem Abzug des ehemaligen Botschafters John B. Emerson ist noch kein Nachfolger bestellt. Bis dahin übernimmt Logsdon die Aufgaben des Botschafters.

Einen so wichtigen Ansprechpartner im Haus zu haben: Diese Gelegenheit nutzte Dorst-Chef Löcherer, um einiges loszuwerden, was ihm im Magen liegt. Dabei stellte er zunächst klar: Auch wenn sich seit dem Besuch einer Gruppe von Kongressabgeordneten bei Dorst vor zwei Jahren „die Dinge geändert“ hätten: „Die deutsch-amerikanische Freundschaft ist natürlich nach wie vor die gleiche, und so soll das auch bleiben.“ Allerdings hielt der Aufsichtsratsvorsitzende nicht damit hinterm Berg, dass „auch bei Dorst Technologies eine gewisse Angst in der Luft liegt, seit der amerikanische Präsident die Handelsbeziehungen mit Deutschland attackiert und von unfairem Handel gesprochen hat“. Wenn, wie Trumps Äußerungen befürchten lassen, tatsächlich neue Handelsgrenzen und Zölle eingeführt würden, sei das ein großes Problem für Dorst, denn für das Kochler Unternehmen sei das USA-Geschäft von „enormer Bedeutung“, so Löcherer. Er legte aber auch dar, dass neue Handelsbarrieren „zuallererst die amerikanische Auto- und Zulieferindustrie in ihrem Lebensnerv treffen würde“. Denn: „Vergleichbare Fertigungsssysteme, wie sie Dorst liefert, sind in den USA nicht verfügbar.“

Logsdon erklärte, er habe Verständnis für Löcherers Sorgen, relativierte aber auch: „Wir befinden uns in einer Übergangsphase. Wir haben jetzt eine neue Regierung, und es wird mehrere Monate bis ein Jahr dauern, bis wir wissen, wie ihre Politik konkret aussieht.“ Die Basis seien in jedem Fall „breite und tiefe deutsch-amerikanische Beziehungen“.

Für Löcherer bleibt nach dem Treffen die, wie er selbst scherzhaft sagte, „sicher blauäugige Hoffnung, dass der amerikanische Präsident die Berichte des Botschafters liest und dadurch ein differenzierteres Bild von den Handelbeziehungen bekommt“.

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