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Seit 20 Jahren helfen Freiwillige am Walchensee

Forst-Projekt: Kein Schweigen im Walde

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Seit 20 Jahren kommen jedes Jahr Freiwillige an den Walchensee, um sich beim Bergwaldprojekt zu engagieren. Sie pflanzen und pflegen den Wald und lernen das Ökosystem kennen. Fachleute vom Forstbetrieb Bad Tölz stehen ihnen dabei zur Seite. Die Nachfrage, sich zu beteiligen, ist ungebrochen hoch.

Walchensee – Es nieselt, manchmal zieht auch ein richtiger Landregen auf. Doch das Werkzeug wird auch dann nur kurz beiseite gelegt, denn der Hochsitz soll zügig fertig werden. „Klar ist es bei Dauerregen nicht so schön“, sagt Matthäus Holleschovsky. „Aber eigentlich macht es nichts aus. Es ist einfach erholsam, auch wenn man viel arbeitet.“

Der 30-Jährige ist einer von 40 Freiwilligen, die sich, eingeteilt in zwei Gruppen, noch bis zum 22. Juli beim Bergwaldprojekt am Walchensee engagieren. Derzeit sind es Mitarbeiter des Projekts selbst, also ausgebildete Förster und Gruppenleiter, die an verschiedenen Stellen arbeiten. „Man kommt dahin, wo man sonst nicht hinkommt“, erklärt Holleschovsky seine Motivation. Die Arbeit für den Wald hat ihn schon mehrfach an den Walchensee, aber auch in den Harz, auf Rügen und in die Rhön geführt. „Dabei lernt man Deutschland kennen. Das ist schön.“

Am Bergwaldprojekt beteiligen sich Freiwillige aller Couleur, Schüler, Familien und mittlerweile auch Unternehmen mit Mitarbeiterteams. „Das Projekt wurde 1987 in einer Küche in Hamburg von einem ehemaligen Greenpeace-Mitarbeiter gegründet“, erzählt Peter Naumann, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Anfangs war die Skepsis in Deutschland jedoch groß („Die Laien machen doch alles kaputt!“), und erst nach Erfolgen in der Schweiz wurde man auch hierzulande hellhörig. 1997 wurde die Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Bad Tölz begonnen.

Seither haben in 44 Projektwochen 600 Teilnehmer in rund 21 000 Arbeitsstunden am Fahren-, Gries-, Simet- und Altlachberg gearbeitet. Die Freiwilligen pflanzen zum Beispiel junge Bäume nach, pflegen Steige und Biotope. Angeleitet werden sie von Projektförstern und dem Walchenseer Revierleiter Karlheinz Wohlmann. Die Arbeit in der Natur ist für viele eine große Befriedigung – und nicht selten kommt es vor, dass jemand sich danach beruflich verändert, berichten die Projekt-Verantwortlichen. „Man lernt das Ökosystem Wald kennen und beginnt, dabei auch den eigenen Lebensstil zu hinterfragen“, sagt Naumann. Es habe auch schon Firmengruppen gegeben, die nach der Projektwoche mehr Umweltschutz-Engagement von ihrem Unternehmen forderten.

Im Mittelpunkt steht nicht nur die körperliche Arbeit, sondern auch das Lernen über die Natur. Etwa, dass Weißtannen Pfahlwurzler sind, die Stürmen gut standhalten, und zusammen mit Fichten, Buchen und Bergahorn einen optimalen Mischwald bilden, der das Klima stabilisiert, Schutz vor Hochwasser, Lawinen, Erosion und Steinschlag bietet. Und Schafwollwachs schützt Jungpflanzen vor Verbiss.

„Durch die Arbeit im Wald erwächst tieferes Verständnis für die Natur, und die Teilnehmer sind wichtige Multiplikatoren für die Arbeit der Bayerischen Staatsforsten“, sagt der Tölzer Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann. Durch Projekte wie dieses konnte der Wald am Walchensee verjüngt werden.

Mittlerweile gibt es in Deutschland 51 Orte, an denen diese Projektarbeit geleistet wird – von der Ostsee bis zu den Alpen. „Die Nachfrage von Freiwilligen ist ungebrochen“, sagt Geschäftsführer Stephen Wehner. Die Idee macht mittlerweile auch in anderen Ländern Schule.

Weitere Infos im Internet auf www.bergwaldprojekt.de

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