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Bundeswehr-Übung am Kochelsee

Wasserspringen: Nervenkitzel und Nostalgie

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Einmal aus 500 Metern Höhe in den Kochelsee springen: In diesen Genuss kamen die Fallschirmjäger der Bundeswehr dieser Tage. Wirkliche Routine war die Notfall-Übung aber für keinen der Soldaten.

Kochel am See – Es gibt ein erstes und ein letztes Mal: So ist das oft im Leben. In beiden Fällen steckt viel Emotion – Nervenkitzel oder Nostalgie. In dieser Geschichte verkörpert Thomas von Jensen den Nervenkitzel, Sven Kühn eher die Nostalgie: Die beiden Bundeswehr-Soldaten sprangen aus der Heckklappe eines Flugzeugs in 500 Metern Höhe und landeten mit dem Fallschirm im Kochelsee. Von Jensen zum ersten, Kühn zum letzten Mal.

10.58 Uhr, Vormittag am Kochelseeufer in Altjoch: Thomas von Jensen kommt mit durchnässter Uniform und strahlendem Lächeln aus dem Wasser. „Absolut geil“ sagt der 33-Jährige auf die Frage „Wie war’s?“. Auch Kühn, 44, haben die Kameraden im Motorboot gerade eingesammelt. Wie es war? „Gar nicht so kalt wie angekündigt.“ Logisch, dass seine Antwort unspektakulärer klingt. Der Mann ist seit Jahren bei der Notfall-Übung der Fallschirmjäger am Kochelsee dabei. Auch im Sommer 2017 hat sich der Ausbildungsstützpunkt „Luftlande und Lufttransport in Altenstadt“ am Ufer in Altjoch eingerichtet. Rund 60 Springer sollen an zwei Tagen trainieren, wie man sich im Wasser aus einem Fallschirm befreit.

Am Ufer steht ein Kreuz für den Bundeswehr-Major, der 1994 hier bei einem Fallschirmsprung starb. Das Mahnmal ist das Einzige, was an diesem sonnigen Traumtag etwas nachdenklich stimmt. Oben an der Straße hat der Veteranenverein ein Zelt aufgestellt, es riecht nach Grillfleisch. Unten am Wasser berichtet Thomas von Jensen von seinem ersten Sprung: „Am Ende ist es wie von einem Drei-Meter-Brett im Schwimmbad – und dann auch noch in diesem Malediven-Panorama.“ Na gut, es habe auch ein kleines Problem gegeben. Ein Karabiner, den von Jensen vor dem Aufprall lösen muss, klemmte. Aber die Kollegen im Motorboot reagierten schnell und zogen ihn an Bord. Für jeden Springer ist ein Boot im See.

Von Jensen ist seit zwölf Jahren beim Militär, er wollte schon 2016 zum ersten Mal ins Wasser springen. „Da ist ein Lehrgang dazwischengekommen“, sagt er. Sven Kühn gibt jetzt quasi nur noch Lehrgänge. Er wird nach Freiburg zur Karriereberatung versetzt. „Heim zur Familie, ich habe fünf Kinder“, erzählt er mit breitem Lächeln. „Das war ein würdiger Abschlusssprung.“ Doch auch für den erfahrenen Springer war heute etwas ungewohnt: die PZL-M28. Das polnische Flugzeug spuckt die Soldaten über dem See aus. „Eine Sardinenbüchse“, sagt von Jensen. Drin sitzen nur 14 Springer, in der Transall nahmen im vergangenen Jahr 70 Platz. Ein Vorteil der Sardinenbüchse: Die Fallschirmjäger dürfen sich aus dem Heck fallen lassen. „Ein weicher Abgang, du kriegst die Geschwindigkeit nicht so mit“, erklärt von Jensen.

Und dann schweben sie dort oben, zu fünft bilden die olivfarbenen Schirme eine Treppe in der Luft. Ursula (65) und Stefan Bergmann (71) sitzen mit ihrem vierjährigen Enkel Xaver im Gras und staunen. Eigentlich hatten sie gehofft, dass in Altjoch wie 2015 ein Hubschrauber startet. „Das wollten wir dem Xaver zeigen“, sagt seine Oma. Der Opa ist auch so fasziniert. Er sagt: „Das war ich auch schon 1965, als ich noch bei den Gebirgsjägern war.“

Wasserspringen der Bundeswehr

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