Demonstration gegen Verkehrschaos in Grainau.
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„Ausbremst is!“ Unter dem gleichen Motto wie vergangenen Samstag in Grainau wollen am 22. August die Kochler auf die Straße gehen.

Wöchentliches Verkehrschaos

Demo in Kochel: Nicht gegen Ausflügler, nur gegen den Stau

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Eine „verkehrsentspannende Lösung" wünschen sich die Kochler für ihren Ort. Am 22. August wollen sie dafür auf die Straße gehen.

  • Der Ausflugsverkehr in Kochel und am Walchensee nimmt dramatische Dimensionen an.
  • Einheimische fordern von der Politik eine Lösung des Problems.
  • Für einen besser organisierten Tourismus gehen die Kochler demnächst auf die Straße.

Kochel am See – In Wallgau und Grainau haben die Demonstrationen unter dem Motto „Ausbremst is“ in diesem Sommer schon für viel mediales Aufsehen gesorgt. In Kürze reiht sich nun auch Kochel am See unter den Gemeinden ein, deren Bewohner gegen die immensen Belastungen durch den Ausflugsverkehr auf die Straße gehen. Hier hat Sebastian Salvamoser, Ortsvorsitzender der SPD, die Organisation der Demo in die Hand genommen. Im Vorfeld hat er eine Reihe von konkreten lokalen Forderungen formuliert.

„Wir demonstrieren ausdrücklich nicht gegen Ausflüger*innen und Urlauber*innen allgemein“, hält der Veranstalter in einer Mitteilung fest. Auch den freien Zugang zur Natur und den Seen der Region sowie die Verdienstmöglichkeiten der Gaststätten, Geschäfte und Tourismusbetriebe wolle man nicht in Frage stellen. „Wir fordern einzig und allein einen qualitativeren, nachhaltigeren und kommunal besser organisierten Tourismus, der allen nutzt, und dass schnellstmöglich erste Schritte in diese Richtung unternommen werden.“

Welche Schritte das sein könnten, dazu hat Salvamoser klare Vorstellungen. Zu den Forderungen der Demonstration gehört ihm zufolge eine Verkehrslenkung schon ab der Autobahn A 95. Dort solle es elektronische Informationen über Parkplatzbelegung und Staus geben, gegebenenfalls mit Sperrungen und Blockabfertigung bei Überlastung.

Verkehrschaos, Müllberge und Lärmbelästigung: Am Samstag gingen mehrere hundert Bürger der Gemeinde Kochel am See auf die Straße, um im Rahmen der „Ausbremst is!“-Demo-Tour gegen den immensen Ausflugsverkehr in ihrer Heimat zu demonstrieren.

Mögliche Maßnahme: Reduktion von Lärm und Tempo

In Kochel selbst wünschen sich der SPD-Vorsitzende und seine Mitstreiter eine „verkehrsentspannende Lösung“ für die stauträchtige Kreuzung in der Ortsmitte, die sogenannte Blessingkurve. Dies könne ein Kreisverkehr sein oder auch eine Ampelanlage. Auf dem gesamten Verlauf der B 11 durch Kochel fordern die Demonstranten Maßnahmen, um Lärm und Tempo des Verkehrs zu reduzieren, beispielsweise Verkehrsinseln und Tempo 30. An gefährlichen Stellen, etwa am Franz-Marc-Museum, solle es sichere Fußgängerüberwege geben.

Auch Verbesserungen für Radfahrer stehen auf der Forderungsliste der Demo. Der Organisator regt markierte Schutzstreifen für Radler im gesamten Ortsgebiet an. Zudem schwebt ihm ein Ausbau der Alten Kesselbergstraße als Radweg Richtung Walchensee vor. Insgesamt brauche es „ein ortsweites Fahrradwegekonzept mit Einbahnstraßensystem und ausgewiesenen Routen“.

Ausweitung von Verkehrsflächen und mehr Freizeitangebote verschlimmert Situation

Daneben sei es nötig, die Angebote von Bus und Bahn auszubauen. Dazu gehören für Salvamoser Vorfahrtsregelungen für den Bus auf der B 11, ein Pendelbus am Walchensee-Südufer und ein Ortsbus zwischen Kochel und den Ortsteilen – und das alles „in einem einheitlichen, bezahlbaren Tarif im MVV“.

Kritik übt Salvamoser an den bisherigen Antworten der Politik auf die ständige Verkehrs-Überlastung des Orts. „Die schlichte Ausweitung von Verkehrsflächen, Parkmöglichkeiten und Freizeitangeboten haben die Situation eher noch verschlimmert“, meint er. „Die Grenze des Erträglichen ist überschritten.“ Und das gelte für die Anwohner genauso wie für die Erholungssuchenden.

Infos zur Demo

Die Demonstration am Samstag, 22. August, startet um 10 Uhr. Die Teilnehmer ziehen „auf den Spuren des Verkehrs durch den ganzen Ort“, so die Ankündigung. Das heißt, der Protestzug bewegt sich – vorbehaltlich etwaiger Auflagen der Behörden – vom Bahnhof beziehungsweise vom Trimini-Parkplatz aus auf der B 11 und der Staatsstraße 2062 über die Blessingkurve in Richtung Heimatbühne.

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