Jakob Dondl, Rektor der Franz-Marc-Grundschule, wird von Hubert Löcherer als „idealer Projektleiter vor Ort“ und „hoch engagiert“ gelobt.
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Jakob Dondl, Rektor der Franz-Marc-Grundschule, wird von Hubert Löcherer als „idealer Projektleiter vor Ort“ und „hoch engagiert“ gelobt.

Dorst-Löcherer-Stiftung

Digitaler Unterricht: In Kochel gibt es ein Modellprojekt

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Kochel am See – Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, wie dringlich die Digitalisierung der Schulen ist – aber auch, dass es bei diesem Thema vielerorts noch hapert. In Kochel gibt es dazu jetzt ein Modellprojekt.

Es ist ein hochaktuelles Thema, dessen sich die Dorst-Löcherer-Stiftung angenommen hat: Sie initiierte in Kochel das Modellprojekt „Digitale Grundschule“. Dieser Tage brachte sie es in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Schulleitung weitgehend zum Abschluss.

Die gemeinnützige Dorst-Löcherer-Stiftung hat sich die Förderung von Kunst und Kultur, der Kinder und Jugendhilfe sowie der Bildung, Erziehung, des Sports, des Naturschutzes und der Rettungsdienste – vorrangig in Kochel am See – auf die Fahnen geschrieben. Seit 2019 ist die Stiftung alleinige Gesellschafterin des Unternehmens Dorst Technologies.

Digitaler Unterricht in 3. und 4. Klasse soll möglich sein

Wie der Vorsitzende Hubert Löcherer mitteilt, hat die Stiftung gemeinsam mit der Gemeinde einen sechsstelligen Euro-Betrag in die Hand genommen. Damit solle in einem ersten Schritt den dritten und vierten Klassen digitaler Unterricht ermöglicht werden.

„Jede Menge Voraussetzungen waren zu schaffen“, berichtet Löcherer. „Die gesamte Infrastruktur hat gefehlt, der Glasfaseranschluss war zu installieren, genauso wie die notwendigen WLan-Accesspunkte und das interne Netzwerk samt Verkabelung.“ Die Stiftung habe außerdem für alle Schüler der betroffenen Klassen „funktionsstarke Tablets“ sowie für den Unterricht „modernste Touchscreens“ zur Verfügung gestellt. Damit seien die Voraussetzungen für den normalen Schulbetrieb genauso wie für Distanzunterricht geschaffen worden. „Darüber hinaus hat die Stiftung spezielles Mobiliar bereitgestellt, das Individual- und Gruppenunterricht ermöglicht.“ Dabei sei man auf die Wünsche der Schulleitung und der Lehrkräfte eingegangen.

Dorst-Löcherer-Stiftung will ein zeichen setzen

„Digitalität und digitale Prozesse sind aus unserem Leben, beruflich und privat, nicht mehr wegzudenken“, erklärt Löcherer die Motivation zu dem Projekt. Weil das digitale Zeitalter die Welt grundlegend und schnell verändere, müssten die Schulen „so früh wie nur möglich in die Thematik einsteigen“ – und zwar schon in der Grundschule. Dabei gehe es nicht nur um die Zukunftschancen jedes Einzelnen, sondern um die Leistungskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.

Aus diesem Grunde habe die Dorst-Löcherer-Stiftung ein Zeichen setzen wollen und das Modellprojekt angeregt. Sowohl bei der Gemeinde als auch bei der Schulleitung und dem Lehrerkollegium sei man auf offene Ohren und großes Interesse gestoßen. Den Rektor Jakob Dondl bezeichnet Löcherer als „idealen Projektleiter vor Ort“ und „hoch engagiert“. Auch Bürgermeister Thomas Holz habe sich sehr aufgeschlossen gezeigt, die Gemeinde als Schulträger habe breite Unterstützung geleistet.

Insgesamt sei an der Grundschule Kochel „ein gewisser Spirit für Veränderung zu spüren“ gewesen – „ganz im Gegensatz zu dem, was sich sonst vielerorts zeigt“, wie der Stiftungsvorsitzende anmerkt. Für ihn sei es „kaum nachvollziehbar, dass die Ausstattung der Schulen in Sachen Digitalisierung bis heute in der Regel völlig unbefriedigend ist“. Löcherer kritisiert: „Jede Menge Bürokratie behindert in der Regel schnelle Fortschritte. Aber auch untätige Gemeinden, wenig interessierte Lehrkräfte, und sogar ablehnende Elternbeiräte sind genauso an der Tagesordnung wie fehlende Infrastruktur, die praktische Betreuung eines digitalen Schulbetriebes und einiges mehr.“

Hubert Löcherer

Ganz anders sehe es an der Grundschule Kochel aus. Hier freut sich Löcherer, „dass in einer wahrlich schwierigen Zeit, in der der Schulbetrieb nur teilweise und notdürftig aufrechterhalten werden konnte, das Projekt nie zum Stillstand gekommen ist“. So sei „etwas entstanden, was viele andere Schulen bisher noch nicht auf die Reihe bekommen haben und insbesondere bei Grundschulen noch weitgehend Fehlanzeige ist.

Vorsitzender übt Kritik an Bildungspolitik

Nicht zuletzt führt Löcherer ins Feld, dass von politischer Seite zwar Mittel zur Verfügung stünden, „aber ansonsten Koordination und Gestaltungswille weitgehend fehlen“, auch wenn „gerade der bayerische Kultusminister immer wieder wortstark Alibipositionen vertritt“.

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