Steinfiguren vor Haus
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Ratlose Gesichter: Wie geht es fünf Jahre nach dem Besitzerwechsel weiter mit dem Verdi-Areal am Kochelsee?

Vor fünf Jahren wurde das Verdi-Areal verkauft

Doch nur Spekulation? Es tut sich nichts mit dem Hotelgrundstück über dem Kochelsee

Seit bald zehn Jahren soll auf dem schön gelegenen Verdi-Areal über dem Kochelsee ein Hotel verwirklicht werden. Bisher vergeblich.

  • Seit fünf Jahren tut sich nichts auf dem Hotelgrundstück
  • Günther Beckstein: Wir hätten uns eine Kooperation gewünscht
  • Investoren war mit Planer bei der Gemeinde.

Kochel am See – Vier Jahre lang hat Bert Bleicher das schön gelegene Verdi-Areal am Kochelsee besessen. Als er es Ende 2015 an den Straubinger Unternehmer Thomas Gerl verkaufte, ohne die versprochenen Hotelpläne umgesetzt zu haben, sprach die Gemeinde Kochel davon, „dass wir viel Zeit verloren haben“. Fünf Jahre gehört inzwischen Käufer Gerl mit Partner Christian Ruhdorfer das 1,4 Hektar große Areal. Darauf angesprochen kommt ein etwa gequältes Lachen von Bürgermeister Thomas Holz. Er verstehe es selbst nicht. „An welchem See in Oberbayern gibt es einen Platz für ein Hotel, das einen Blick auf Berge und See hat?“

Gerl selbst ist trotz mehrfacher Nachfrage nicht erreichbar. Der Tölzer Kurier hätte gerne die Frage gestellt, ob auch er das Grundstück 2015 nur als Spekulationsobjekt erworben hat. Gemunkelt wird von einem Kaufpreis von rund vier Millionen Euro. Bleicher zahlte seinerzeit angeblich 2,4 Millionen Euro.

Treffen der Investoren mit dem Bürgermeister

Immerhin: Nach fünf Jahren, in denen die Immobilie, für die eine Tourismusnutzung im Bebauungsplan festgeschrieben ist, im Dornröschenschlaf vor sich hindämmert, trafen sich Gerl und Ruhdorfer vor kurzem mit Bürgermeister Holz. Was letzteren „ein bisschen hoffnungsvoll“ stimmt, war die Tatsache, dass sie einen – genauer wurde Holz nicht – „namhaften“ Planer dabei hatten, der nun frühere Skizzen über- und ausarbeiten soll und einen „recht guten Eindruck“ hinterließ. Wenn diese Pläne fertig sind, soll es ein nächstes Treffen geben. Ein konkreter Termin sei nicht vereinbart.

„Weg von der Spekulation“, „keine Zweitwohnungsresidenz“, das war die Linie, die die Kochler SPD schon im Wahlkampf für das Verdi-Grundstück vertreten hat. Sprecher Klaus Barthel kann sich auch jetzt noch vorstellen, dass der Standort für Bildungsarbeit genutzt wird. Seminare und Tourismus, das sei auch im öffentlichen Interesse.

Auch Thomas Holz (CSU) erinnert daran, dass das frühere Verdi-Bildungshaus den Ort enorm belebt hat. Ihm geht es aber auch um die benachbarte Kristall-Therme Trimini, für die ein Hotel direkt nebenan „ideal“ wäre. In Erding habe der Badbetreiber auch ein Hotel direkt neben dem Bad gebaut. Der Bürgermeister fragt sich deshalb, warum die Verdi-Eigentümer nicht den touristischen Schwung der Therme mitnehmen und „auf der Welle mitsurfen“.

Günther Beckstein: Gespräch wegen Kooperation geführt

Der ehemalige Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzende der Kristall AG, Günther Beckstein berichtet auf Anfrage, dass er schon vor drei, vier Jahren mit Gerl gesprochen habe. Er habe eine Nutzung des Wellnessbereichs für die Hotelgäste angeboten. Das habe Gerl „interessiert zur Kenntnis genommen“. Aber es sei nichts daraus gefolgt. Davon abgesehen: Ein Hotel neben der Therme, sagt Beckstein, wäre natürlich gut. „Dann müssten Übernachtungsgäste nicht erst ins Auto steigen.“

Wie lange will die Gemeinde noch zuschauen? „Solche Projekte können nur miteinander, nicht gegeneinander realisiert werden“, antwortet Holz. Der 44-Jährige schränkt aber ein, dass nach fünf Jahren „die Geduld zu Ende geht“. Und wenn nichts vorwärts geht? „Dann müssen wir sehen, wie man eine Lösung findet oder den Status quo auflöst.“

Zwei Fragen am Rande: Für einen Hotelneubau wären im Bebauungsplan Änderung der Baukörper für bessere Wirtschaftswege nötig. Ist da schon was seitens der Gemeinde passiert? „Nein“, sagt Holz, „da ist vorher auf jeden Fall ein städtebaulicher Vertrag nötig“, um alle Abmachungen zu fixieren. Und: Denkt die Gemeinde eigentlich noch an eine eigene Gastronomie am Seeufer? „Darüber denken wir nach wie vor nach“, sagt Holz. Man habe trotz Corona gesehen, dass eine Gastronomie am Seeufer dringend benötigt würde. Von Christoph Schnitzer

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