Die Kochler Firma Dorst Technologies hat einen Ableger in Bethlehem an der Ostküste der USA:

Interview mit Hubert H. Löcherer

Dorst-Chef: „Trump schadet den USA massiv“

Die Kochler Firma Dorst ist seit Jahrzehnten international tätig und hat Niederlassungen in den USA und China. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier findet der Aufsichtsratsvorsitzende Hubert H. Löcherer deutliche Worte zu den politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen in den Vereinigten Staaten.

Waren Sie – als Firmenchef und auch persönlich – erschrocken, als das Wahlergebnis in den USA feststand?

Das Wahlergebnis pro Trump war wie ein Hammerschlag. Nicht nur bei mir. Unsere amerikanischen Freunde und Partner waren ausnahmslos genauso entsetzt. Die Vereinigten Staaten sind für Dorst Technologies mit einem Umsatzvolumen von über 15 Millionen Euro ein wichtiger Markt und das eigene Tochterunternehmen Dorst America in Bethlehem/Pennsylvania unterstützt die Kochler Zentrale in den USA, aber auch weltweit mit Vertriebs- und Serviceleistungen. Umso mehr sind die Mitarbeiter hier wie dort besorgt, wie sich nun die Zukunft nach dem Wahlsieg von Trump darstellen wird.

Das Unternehmen Dorst Technologies hat ein Werk in Bethlehem/Pennsylvania, muss sich also von den Drohungen von Präsident Trump, Importzölle einführen zu wollen, nicht eingeschüchtert fühlen. Oder doch?

Das Thema zukünftige Exporte in die USA sehe ich mit einer gewissen Gelassenheit. Zu den Produkten, die wir in die USA liefern, gibt es dort keine Alternativen. Und genau diese Produkte werden von der heimischen Industrie gebraucht, die Trump ja fördern will. Ohne Hightech aus Deutschland würde in Amerika manches nicht funktionieren. Das wird auch Präsident Donald Trump schnell lernen müssen.

Was sagen Sie als Befürworter des TTIP-Handesabkommens zum neuen Isolationismus der USA und dem Aufbau von Handelschranken?

Die USA brauchen Europa und die Welt. Der Aufbau von Handelsschranken ist töricht, der Schuss geht langfristig nach hinten los. Trump schadet den USA massiv.

Für US-Präsident Trump, so scheint es, ist alles Handel und Geschäft. Sie sind aus der Wirtschaft: Wie begegnet man ihm, um auf Augenhöhe zu sein?

Trump versteht nur seine Sprache. Die Welt muss ihm mit deutlichen Worten und harten Verhandlungen auf Augenhöhe begegnen.

Muss man nur pessimistisch sehen oder gibt es auch Grund zur Zuversicht? Immerhin scheint es so zu sein, dass Europa sich auf seine Kompetenzen besinnt und ein „Wir-Gefühl“ entsteht.

Im Augenblick ringt noch alles um Fassung angesichts der verbalen Angriffe von Trump, seiner rücksichtslosen Haltung und seiner riskanten Entscheidungen. Es bleibt nur zu hoffen, dass Europa jetzt zusammensteht, gemeinsame Antworten formuliert und deutlich macht, dass Amerika nicht alleine auf der Welt ist. Fast überall auf der Welt wird schon Widerstand sichtbar, was sich daraus entwickelt, weiß niemand. Es hat schon sicherere Zeiten gegeben.

Die Fragen stellte Christoph Schnitzer

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