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Eine Kaffeefahrt nach Kochel hat ein Nachspiel vor Gericht.

Berufungsverhandlung am Landgericht

Erinnerungslücken nach Kaffeefahrt

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Kochel am See/München - Drei Männer betrügen ein Ehepaar aus Geretsried auf einer Kaffeefahrt und werden verurteilt. Die Strafe wollen sie nicht hinnehmen - ebenso wenig wie die Staatsanwaltschaft.

Vor einem Jahr war der Amtsrichter hart ins Gericht gegangen mit drei Männern aus Norddeutschland, die auf einer Kaffeefahrt nach Kochel ein Ehepaar betrogen hatten. Er schickte alle drei ins Gefängnis, weil sie dem Paar (76 und 74 Jahre alt) aus Geretsried sündhaft teure Mineralsteinmatten angedreht hatten. „Hier kommen nur Haftstrafen in Betracht“, sagte der Richter. Doch die Männer haben Berufung gegen das Urteil eingelegt und kämpfen nun vor dem Landgericht München I um Bewährung. Auch die Staatsanwältin ist unzufrieden: Sie will höhere Strafen.

Die Angeklagten wurden im Oktober 2015 gleich wegen dreier Vergehen verurteilt: gewerbs- und bandenmäßiger Betrug, strafbare Werbung und Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz. Ein arbeitsloser Mann (56) aus Bremen soll demnach für ein Jahr und zwei Monate in Haft. Ein Kraftfahrer (32) aus Quakenbrück muss für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Und ein weiterer arbeitsloser Mann (44) aus Bremen, als einziger nicht vorbestraft, bekam vom Amtsrichter eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Das Trio hatte am 11. Februar 2014 eine Kaffeefahrt in eine Wirtschaft nach Kochel organisiert, an der auch die Geretsrieder teilnahmen. Gelockt wurden sie mit Frühstück und falschen Gewinnversprechen wie einem Fernseher und einem prall gefüllten Geschenkkorb.

Bei der Kaffeefahrt gab es dann Metalltöpfe und Heil-salbe als Geschenke – die man aber nur behalten dürfe, wenn man die angepriesenen Mineralsteinmatten kaufen würde, die angeblich nur 2200 statt 4000 Euro kosten würden. Die Matten wurden als wahre Wundermittel gepriesen: Sie würden unter anderem gegen Migräne und Rückenschmerzen helfen und das Immunsystem stärken. Die Geretsriederin versprach sich vor allem Hilfe gegen ihre einschlafenden Hände und Füße. Doch weder dieses noch das zweite Versprechen des Trios wurden eingelöst: Das Ehepaar sollte sein Geld mitsamt Bonus zurückbekommen, wenn es auf einer weiteren Kaffeefahrt als zufriedene Kunden auftreten würde. Doch dazu kam es nie.

Die Tat an sich geben alle drei Angeklagten zu, nur bei der Art der Tatbeteiligung machen sie widersprüchliche Angaben. Nach einer vorläufigen Einschätzung teilte das Gericht gestern mit, dass es sich bei dem 32- und 44-Jährigen Bewährungsstrafen vorstellen könnte. Bei dem 56-Jährigen wollte es aber noch keine Einschätzung abgeben, weil von ihm noch relativ wenig Angaben vorlagen. Er gab an, nur Fahrer gewesen zu sein.

Um die Sache noch einmal näher aufzuklären, müssen nun mehrere Zeugen gehört werden. Als Erstes sagten der angeheuerte Busfahrer (77) der Kaffeefahrt sowie der ehemalige Wirt der Gaststätte in Kochel aus. Der Busfahrer konnte sich an keinen der Männer, der Wirt nur an den 32-Jährigen erinnern.

Der Prozess dauert an.

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