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Freut sich über die neuen Möglichkeiten : Alois Grünwald (li.), Vorsitzender der Wasserwacht Walchensee, bei der Einweihung des neuen Anbaus an die Rettungsstation. 

Ehrenamtliche bekamen große Unterstützung aus dem Dorf

„Ein Schmuckkästchen“: Wasserwacht Walchensee weiht Anbau der Rettungsstation ein

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Großer Tag für die Walchenseer Wasserwacht: Nach 16 Monaten Bauzeit feierten die Lebensretter nun die Einweihung der erweiterten Rettungsstation.

Walchensee – Die Feier fand am Samstag statt. Auf den kirchlichen Segen mussten die Ehrenamtlichen leider verzichten, da der erkrankte Pater Walter Schmidt kurzfristig absagte. Der neue Gebäudeteil kostet knapp 50 000 Euro, rund 37 000 Euro wurden über Spenden abgedeckt.

Der 45 Quadratmeter große Anbau enthält zum einen einen Umkleideraum und zum anderen einen neuen Sanitätsraum. Ein Riesenfortschritt, stand die Sanitätsliege doch bisher neben der Brotzeitecke, die Neoprenanzüge und Tauchausrüstungen stapelten sich in der winzigen „Küche“.

Wasserwacht-Leiter Alois Grünwald hatte angesichts der Windböen, die am Samstag über den See pfiffen, sichtlich Probleme, sein Redemanuskript unter Kontrolle zu halten: „Eigentlich sollten wir von der Wasserwacht mit Wind umgehen können“, merkte er schmunzelnd an.

Die Stimmung bei der Einweihungsfeier war gut, was man während der Bauphase nicht immer behaupten konnte: „Meine Frau musste einiges aushalten, weil mir einiges aufs Gemüt geschlagen hat“, gab Grünwald in seiner Ansprache zu.

Helfen, wenn Menschen im Wasser oder an Land in Not sind: Die Wasserwacht Walchensee hat jedes Jahr in den Sommermonaten alle Hände voll zu tun. An dem beliebten, aber entlegenen See sind sie die schnellsten, wenn ein Unfall passiert ist. Die Arbeit der Ehrenamtlichen im Porträt.

Bereits im Jahr 2015 war der Wasserwacht klar geworden, dass es ohne Anbau nicht mehr geht. Die Gespräche mit dem Grundeigentümer, den Bayerischen Staatsforsten, seien problemlos über die Bühne gegangen. Da er in seinem Leben noch nie etwas mit Bauvorhaben zu tun hatte, ging Grünwald etwas blauäugig ins Genehmigungsverfahren: „Wir haben gedacht, das ist eine gmahde Wiesn“, sagte der Wasserwacht-Chef. „Das Vorhaben ist privilegiert, die Wasserwacht ist wichtig, und wir wollen den Menschen was Gutes tun.“ Dass fünf Quadratmeter des Anbaus auf einem Grundstück mit einer anderen Flurnummer liegen, hielt Grünwald für eine Belanglosigkeit. „Scheinbar war’s aber doch wichtig. Wir haben den Amtsschimmel getroffen und bekamen es mit einer sehr eifrigen Sachbearbeiterin im Landratsamt zu tun.“ Die Diskussionen drehten sich um die Erschließung, Stellplätze und abfließendes Regenwasser, Besuche beim Notar und beim Amtsgericht schienen notwendig. „Zwischenzeitlich haben wir schon gedacht, dass wir’s gar nicht mehr schaffen.“ Die Bayerischen Staatsforsten, Architekt Martin Boehm, das Vermessungsamt und der Landrat hätten dann jedoch vermittelt, und so sei ein Kompromiss zustande gekommen.

2017 erhielt die Wasserwacht die Baugenehmigung, im April 2018 begann der Aushub. „Dass sich die Bauarbeiten etwas hingezogen haben, lag daran, dass wir möglichst viel selbst machen wollten, um Geld zu sparen“, sagte Grünwald, der die Leistung der Mitglieder und der Walchenseer Handwerker hervorhob: „Sie sind uns beim Preis sehr entgegengekommen – gleich, ob es um die Bodenplatte, das Dachdecken, die Wände oder die Elektrik ging. Einige haben uns das Material zum Einkaufspreis gegeben und nichts für die Arbeitsleistung verlangt.“ Grünwald wertet dies als Zeichen, „dass wir im Dorf akzeptiert werden und dass man unsere Arbeit als nicht ganz unwichtig einstuft“.

Florian Bürding, Vorsitzender der Kreis-Wasserwacht, hob die besondere Bedeutung der Walchenseer Ortsgruppe hervor. So habe es im Jahr 2017 landkreisweit 350 Hilfeleistungs-Einsätze gegeben, von denen die Walchenseer 133 übernahmen. Ähnlich sah es bei den Bootseinsätzen aus. Insgesamt gab es im Landkreis 350, darunter 166 am Walchensee. Zusammengerechnet waren die Walchenseer – auch umbaubedingt – im vergangenen Jahr 1551 Stunden im Einsatz. Damit ging fast die Hälfte der Arbeitsstunden auf ihr Konto. Die Leistung ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es im Landkreis rund 700 aktive Wasserwacht-Mitglieder gibt, von denen nur 19 – plus drei Anwärter – aus Walchensee kommen. Bürding: „Die Zahlen zeigen, zu welchen Leistungen die Wasserwacht fähig ist, wenn alle zusammenhalten.“

Martin Uerkvitz, stellvertretender Vorsitzender des Rot-Kreuz-Kreisverbands, bezeichnete die neue Rettungsstation als „Schmuckkästchen“ und sprach von einer „finanziellen Meisterleistung“ der Ortsgruppe. Gemeinderat Reinhard Dollrieß überreichte der Wasserwacht einen Scheck und 1000 Dias aus dem Bestand von Willy Mayer, der die Walchenseer Wasserwacht gegründet und 40 Jahre lang geleitet hat.

Einen weiteren Scheck gab’s von Ulrich Begemann. Der Vorsitzende der Segelfreunde Walchensee sagte, es sei ihm ein „persönliches Bedürfnis“ der Wasserwacht zu gratulieren: „Ich weiß, was für ein gutes Gefühl es ist, wenn man weiß, dass einer an Land sitzt, der einem im Notfall helfen kann.“

Tragische Unglücke in den vergangenen Jahren: Wiener (34) stirbt beim Tauchen am Walchensee und Großeinsatz am Walchensee: Taucherin (51) ertrunken

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