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Freizügiger Tanz: Chantal (Evi Schuldlos) zeigt vor Metzgermeister Fleischberger (Hans Rauch, li.) und dessen Spezln Graffiti (Peter Heimbeck) und Fatzo (Ralf Beer) ihre Künste. Zuhälter Berti (Stefan Oppowa, re.) beobachtet alles.

Ein Hauch Rotlichtmilieu in der Heimatbühne

Es ist eine Geschichte, wie man sie häufig in der Zeitung lesen kann: Von einem, der alles hat, aber noch mehr haben will und zum Schluss ganz tief fällt: die Tragikomödie „Sein letzter Freund“, mit der der Kochler Theaterverein am Samstag Premiere in der Heimatbühne feierte.

Kochel am See – Aber in dem Dreiakter um den Metzgermeister Fleischberger, der sich von Betrügern aus dem Rotlichtmilieu hereinlegen lässt, geht es auch um Fragen, die jeden Menschen hin und wieder umtreiben: Ist das alles, was mein Leben mir bietet? Soll ich ausbrechen aus meiner bürgerlichen Existenz? Und: Welchen Preis dürfen Lebensträume haben?

Der erste Akt schleppte sich anfangs noch etwas dahin, was selbstverständlich auch der Textvorlage von Autor Franz Deiml anzukreiden ist. Aber auch manche Darsteller wirkten zu Anfang etwas steif und unsicher, kleine Versprecher schlichen sich ein. Doch im Verlauf des zweiten Akts nahm das Stück stetig Fahrt auf, und fanden die Darsteller zunehmend in ihre Rollen. Eine starke Leistung zeigte dabei vor allem Hans Rauch in der Rolle des liebestollen Metzgermeisters, der ohne Rücksicht auf Firma und Familie aus seinem alten Leben ausbrechen will. Spätestens, als er am Ende des Stückes zerschmettert am Wirtshaustisch vor den Trümmern seines Lebens sitzt, hätte man im gut gefüllten Saal die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können, so still war es – der Höhepunkt des Spannungsbogens.

Dass gute Schauspieler ohne Scheu die Anforderungen ihrer Rolle annehmen, beweist in dieser Inszenierung Evi Schuldlos, die als leichtes Mädchen Chantal auch vor einem freizügigen Tanz auf der Bühne nicht zurückschreckt. Ein Hauch Rotlichtmilieu in Kochel. Nach dem etwas holprigen Anfang zeigten sich die Theaterer insgesamt gewohnt souverän. Der Spaß, der Inszenierung zu folgen, stieg stetig, obwohl man schon am Anfang erahnen konnte, dass der Weg, den der Metzgermeister da eingeschlagen hat, in sein Verderben führen musste.

Aber da wäre ja bis zum Schluss die Frage: Wer bleibt ihm denn als letzter Freund, wie es der Titel verspricht? Und ist das wirklich ein Freund? Diese Fragen werden hier freilich nicht beantwortet. Dafür muss man sich das Stück schon selber anschauen. Es lohnt sich. Franziska Seliger

Spieltermine

Weitere Aufführungen von „Sein letzter Freund“ am Sonntag, 26. November, 17 Uhr; Sonntag, 10. Dezember, 17 Uhr; Samstag, 16. Dezember, 20 Uhr; Freitag, 29. Dezember, 20 Uhr, sowie Sonntag, 7. Januar, 17 Uhr jeweils in der Heimatbühne. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Kochler Tourist-Info Telefon 0 88 51/338, sowie ab einer Stunde vor Spielbeginn an der Abendkasse. Preis: 10 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder bis 14 Jahre.

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