Schulalltag in Mae Luiza: Viele Kinder hätten überhaupt nicht die Möglichkeit, zu Hause zu lernen.
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Schulalltag in Mae Luiza: Viele Kinder hätten überhaupt nicht die Möglichkeit, zu Hause zu lernen.

Kochler Partnergemeinde in Brasilien

Ein Jahr ganz ohne Schule und eine schwere Explosion: Keine gute Nachricht aus Mae Luiza in Brasilien

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Kochler Sternsinger haben heuer Spenden von knapp 2700 Euro bekommen. Wie in jedem Jahr geht die Hälfte davon an das Patenschaftsprojekt Mae Luiza in Brasilien. Die Corona-Krise hat die Stadt schwer getroffen.

Kochel am See/Penzberg - In Mae Luiza werde das Geld dringend gebraucht, berichtet Gisela Matschl, die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins aus Penzberg. In Brasilien hat – wie üblich – am 1. Februar das neue Schuljahr begonnen. Allerdings: „Wegen Corona sind die Kinder und Jugendlichen dort ein Jahr lang gar nicht in die Schule gegangen.“ Matschl hat erst vor wenigen Tagen einen Brief erhalten, wie die Lage vor Ort aussieht. „Vieles kann man sich bei uns überhaupt nicht vorstellen“, sagt die Penzbergerin. Viele Brasilianer hätten nicht nur ihren Job verloren, sondern auch ihr Zuhause. Deshalb würden die Kinder „aufgeteilt“, sprich, man schaue, wer wo bei Verwandten und Freunden unterkommen und schlafen könne. „Manche haben die Stadt auch ganz verlassen, sind zurück ins Hinterland, wo die Kinder definitiv keine Bildungschancen mehr haben“, sagt Matschl.

Die Lehrer an der Nachhilfeschule Casa Crescer, die von dem Verein die Gehälter gezahlt bekommen, hätten nun in einer pädagogischen Konferenz überlegt, wie sie in den kommenden Monaten arbeiten und die Kinder wieder erreichen können. Denn in dem Armenviertel hat sich vieles grundlegend verändert. „Man musste sich heuer per Telefon in der Schule anmelden, aber nicht jeder hat dort ein Telefon“, berichtet Matschl. Einige Familien wurden also von den Lehrern zu Hause aufgesucht. Ein Homeschooling wie in Deutschland sei in Mae Luiza unvorstellbar. „Die breite Masse hat weder einen Computer noch einen Drucker.“

Die Freundschaft zwischen Penzberg und Mae Luiza in Brasilien ist eine Besondere. Sie hat die Jahrzehnte überdauert. Das 30-Jährige wurde entsprechend gefeiert.

Für Matschl ist es erschütternd, dass es der Staat unter Präsident Bolsonaro ein Jahr lang nicht geschafft habe, für die staatlichen Schulen ein Konzept zu erarbeiten, wie die Kinder und Jugendlichen wieder in den Unterricht gehen können. „Da besteht überhaupt kein Interesse“, sagt sie. Vor allem ältere Jugendliche aus den Armenvierteln (Favelas) würden auf die Schule vermutlich ganz verzichten und jetzt arbeiten, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Derzeit gebe es verschiedene Kampagnen in den Favelas, die sich an dem Aufruf zur Brüderlichkeit von Papst Franziskus orientieren würden. „Die Armen dürfen den Mut nicht verlieren und müssen um ihre Rechte kämpfen.“ Positiv sei immerhin, dass im Seniorenheim in Mae Luiza alle Menschen geimpft seien, berichtet Matschl. Und das örtliche Krankenhaus nehme auch Patienten aus Manaus auf. Wie überregional berichtet, ist dort ein Corona-Ausbruch besonders heftig. Doch auch in Mae Luiza sei jetzt eine zweite Welle angekommen. „Unsere Helfer berichten, dass jetzt mehr Jugendliche betroffen sind.“

Wenige Tage, nachdem Matschl über den schwierigen Schulstart informiert worden war, erreichte sie die nächste Hiobsbotschaft aus Mae Luiza: Eine schwere Gasexplosion hat fünf Häuser zerstört, dabei wurden vier Menschen getötet. Auch eine Mitarbeiterin des Altenheimes war unter den Todesopfern.  

Spenden: Das Sternsingergeld darf nicht für die Familien verwendet werden, die jetzt bei der Explosion ihr Zuhause verloren haben. Wer diesen Menschen helfen möchte, kann auf das Spendenkonto „Partnerschaft Mae Luiza/Natal e.V.“ bei den Vereinigten Sparkassen Weilheim (IBAN: DE 52 7035 1030 0000 7098 32) mit dem Betreff „Gasexplosion“ einzahlen. Auf der Internetseite http://maeluiza-penzberg.de gibt es weitere Informationen.

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