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Handarbeit: In Kräfte zehrender Arbeit wurden mehrere Lagen alter Fußboden aus dem Stallgebäude abgetragen, bis die unterste Bodenschicht zum Vorschein kam (im Vordergrund). Ob sie aus dem 17. Jahrhundert stammt oder gar noch älter ist, wollen (v. li.) Michael Holzer, Max Leutenbauer und Erich Wolf mit weiteren Untersuchungen klären.  

Schusterhaus-Sanierung 

Ein Kleinod mitten in Kochel

Zugegeben: Von außen betrachtet sieht man noch nicht viel. Ehrlich gesagt fast gar nichts. Tatsächlich aber schreiten die Sanierungsarbeiten am Kochler Schusterhauses kontinuierlich voran. Es soll ein kleines Museum werden.

Kochel am See „Schrottimmobilie“ – dieses Wort, das kürzlich in einem Leserbrief in unserer Zeitung in Zusammenhang mit den Immobilienkäufen der Gemeinde gefallen ist, hat Max Leutenbauer und die Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte im Zweiseenland sehr verärgert. Der Vorsitzende räumt zwar ein, dass man von außen noch keine großartigen Veränderungen am Schusterhaus erkennen könne. Dennoch sei im Laufe der letzten eineinhalb Jahre einiges geschehen.

Beispielsweise sei das komplette Anwesen entrümpelt und sämtliche dabei gefundenen Dokumente und Rechnungen gesichtet worden. „In dem Haus wurde nie etwas weggeworfen. Wir haben beispielsweise die Rechnung vom Firmanzug des letzten Schusters gefunden“, erzählt Leutenbauer. All diese Schriftstücke werden nun von Vereinsmitgliedern fachgerecht archiviert und gescannt, um später im geplanten Museum ausgestellt zu werden. Des Weiteren, so Leutenbauer, seien Tenne und Dachboden mit einem Saugbagger gereinigt sowie einige Rückbauten vorgenommen worden.

Viel Zeit hat Vereinsmitglied Erich Wolf außerdem im Hauptstaatsarchiv in München verbracht. Seiner akribischen Recherche ist es zu verdanken, dass die Geschichte des Schusteranwesens mittlerweile bis etwa 1581 zurückverfolgt werden konnte. Der erste Schuster bezog es nach Wolfs Recherchen um 1622. Bis 2010 wurde es seitdem kontinuierlich von Schustern bewohnt. Heimatgeschichtlich und baugeschichtlich steht für Leutenbauer angesichts dieser Rechercheergebnisse fest, dass es sich bei dem Schusterhäusl um ein „wertvolles Kleinod“ statt um eine „Schrottimmobilie“ handelt.

Dessen Geschichte soll nun mittels Expertenanalysen noch genauer analysiert und vielleicht weiter zurückverfolgt werden, um so in den Genuss zusätzlicher Fördergelder für das Projekt „Museum“ zu kommen. Erste Förderanträge – etwa für eine Befunduntersuchung des Mauerwerks – sind bereits gestellt.

„Das ist eine Schau“, freute sich Bürgermeister Thomas Holz über diesen baugeschichtlichen Schatz in seinem Ort, den man sonst längst nur mehr in Freilichtmuseen findet. So eine wertvolle Immobilie im Dorf zu erhalten, sieht er als Aufgabe einer Gemeinde an.

„So ein Gebäude macht Heimatgeschichte erlebbar“, findet auch der Kochler Architekt Michael Holzer, der das Haus vermessen und die benötigte Genehmigungsplanung für Sanierung und Nutzungsänderung erstellt und eingereicht hat. Bis zum Sommer, so hoffen die Vereinsmitglieder, die viel ehrenamtliche Hilfe von ortsansässigen Betrieben erhalten, könnte das Landratsamt die Pläne genehmigen. Das Denkmalamt sei auf jeden Fall schon einmal „sehr angetan von dem Projekt“, so Leutenbauer.

Über die Kosten zu seiner Umsetzung möchte er derzeit noch nichts sagen. Noch in diesem Jahr sei aber ein Tag der offenen Tür geplant, bei dem der Öffentlichkeit das Projekt samt Kosten vorgestellt werden soll. Mit den Sanierungsarbeiten soll idealerweise auch heuer noch begonnen werden.

Franziska Seliger

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