Insgesamt 16 Freiwillige gingen, aufgeteilt in drei Gruppen, auf verschiedenen Routen zum Herzogstandhaus und sammelten unterwegs Müll.
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Insgesamt 16 Freiwillige gingen, aufgeteilt in drei Gruppen, auf verschiedenen Routen zum Herzogstandhaus und sammelten unterwegs Müll.

Wanderer loben Aktion

Eklige Hinterlassenschaften am Berg: Freiwillige sammeln Müll am Herzogstand

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Wer auf den Berg geht, will in der Regel die Natur genießen. Doch vergangene Woche machten sich mehrere Freiwillige auf, um am Herzogstand und am Heimgarten Müll zu sammeln.

  • 16 Freiwillige sammelten über zehn Säcke Müll
  • Sie fanden vor allem Hygieneartikel, aber auch zersplittertes Glas
  • Organisiert wurde die Aktion vom Bergmagazin „Alpin“

Kochel am See – Die Aktion wurde vom Bergmagazins „Alpin“ veranstaltet (wir berichteten). 16 Freiwillige, aufgeteilt in drei Gruppen, beteiligten sich an der Aktion. „Wir konnten nicht so recht abschätzen, wie viel Müll wir finden werden. Aber letztlich hat uns das Ausmaß dann doch überrascht“, berichtet Redakteur und Tourenbegleiter Andreas Erkens. Zwölf bis vierzehn Säcke mit einem Fassungsvermögen von 60 Litern seien voll geworden.

Das meiste seien „Hygieneartikel“ gewesen, beschreibt Erkens diplomatisch die Funde. Im Klartext: Vor allem Taschentücher, die vielfach nach einem Toilettengang im Gebüsch benutzt wurden, wurden aufgelesen. „Das waren zirka 80 Prozent der Gesamtmenge.“ Die Wengisten würden wissen, dass Taschentücher heutzutage extrem langsam verrotten. „Wenn es schon sein muss, wäre es sinnvoller, hierfür dünnes Toilettenpapier zu verwenden“, sagt Erkens. Gefunden wurden aber auch Damenbinden und Tampons sowie Dosen, Flaschen und sogar Einmachgläser. Im Bereich des Herzogstandhauses entdeckte man zudem noch Metallteile, alte Rohre sowie Ton- und Glasflaschen. „In diesem Bereich wir noch länger sammeln können, aber schließlich bestand die Gefahr, dass unsere Säcke reißen.“ Gefunden wurden auch alte T-Shirts, Mützen, Socken und sogar eine Unterhose. Auch ein paar Bergschuhe, an denen sich die Sohle gelöst hatte, fand man im Gebüsch. „Das war sogar recht nahe bei der Talstation der Bahn“, sagt Erkens. „Es wäre ein leichtes gewesen, die Schuhe zum nächsten Mülleimer zu bringen.“

Man muss die Bergsteiger noch mehr sensibilisieren

Die Sammler, ausgestattet mit orangefarbenen Säcken, wurden unterwegs immer wieder von Wanderern angesprochen und gelobt. „Jeder hat natürlich beteuert, dass er nie was wegschmeißt“, berichtet Erkens. „Aber letztlich haben wir alle schon das Gefühl, dass man die Bergsteiger noch viel mehr sensibilisieren muss, ihren Müll wieder mit ins Tal zu nehmen.“

Die Gruppen waren auf unterschiedlichen Wegen zum Herzogstandhaus gegangen: über den Heimgarten, über den Reitweg sowie über den Südwandsteig. „Schon nach einer halben Stunde war der erste Sack voll“, berichtet Erkens. Besonders schön war, unterwegs einen älteren Herrn zu treffen, der auf eigene Faust Müll sammelte. Diesen Sack nahm ihm die Gruppe dann ab.

Zum Abschluss gibt es für alle eine Brotzeit

Die Teilnehmer stammten sowohl aus der Region als auch aus der weiteren Umgebung. „Die Motivation war groß“, freut sich Erkens. Die Aktion war schon vor längerer Zeit geplant, musste wegen der Corona-Entwicklung dann jedoch in den Herbst verschoben werden. Anlass dafür war die Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit. „Wir wollten selbst mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Erkens. Man suchte einen Berg, der vor den Toren Münchens liegt, der touristischem Druck standhalten muss und auf den eine Bahn führt. Für das Magazin „Alpin“ war es die erste Aktion dieser Art, weitere sollen folgen, allerdings in anderen Regionen. In der November-Ausgabe wird im Heft ausführlich darüber berichtet.

Die Aktion war mit der Kochler Tourismusverwaltung abgesprochen, die allen Helfern auf dem Herzogstandhaus eine Brotzeit spendierte. Anschließend ging es mit der Bahn ins Tal. Um die Müllsäcke kümmert sich jetzt Kochler Bauhof.  

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