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Sind die Knöllchen zu billig? Laut Kochels Bürgermeister Thomas Holz „lachen sich viele Münchner ins Fäustchen“, wenn sie „nur“ 50 bis 60 Euro fürs Falschparken im Landschaftsschutzgebiet zahlen müssten.

Immer mehr Staus

Enormer Verkehr: Kochel fordert Hilfe

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Die Gemeinde Kochel leidet unter der zunehmenden Verkehrsbelastung. Das lange, sonnige Wochenende nach dem Feiertag Christi Himmelfahrt hat die Verantwortlichen aufgeschreckt.

Kochel am See/Walchensee/Jachenau Bürgermeister Thomas Holz schlug in der jüngsten Gemeinderatssitzung Alarm. „Wir sind mittlerweile eine der verkehrsintensivsten Gemeinden“, sagte er. An den genannten Tagen gab es demnach lange Staus an allen Ortseingängen. Viele Naherholer aus dem Raum München verlassen laut Holz mittlerweile bereits in Sindelsdorf die Garmischer Autobahn und fahren dann über Benediktbeuern nach Kochel und weiter an den Walchensee. So wollen sie dem Rückstau an der untergeordneten Einmündung am Schmied-von-Kochel-Platz aus dem Weg gehen. „Dieser Umfahrungsverkehr muss gestoppt werden“, sagte Holz.

Die Leidtragenden des zunehmenden Verkehrs seien die ortsansässigen Bürger, sagte der Rathauschef. „Von Kochel bis an den Walchensee braucht man an solchen Tagen mit dem Auto bis zu einer Stunde. Und zwischen Ried und Kochel ist es kein bisschen besser.“ Mancher überlege sich deshalb, wichtige Besorgungen auf Tage ohne Ausflugsverkehr zu verlegen.

Holz ärgert sich nicht nur über die langen Staus, sondern auch über die Parkmoral. „Ob in Zwergern am Walchensee oder an der Von-Felsen-Straße in der Nähe des Benediktbeurer Alpenwarmbads, da war an den schönen Tagen jeder Quadratmeter zugeparkt“, sagte er. Auf Rettungswege werde dabei keine Rücksicht genommen. „Wenn es auf der Halbinsel Zwergern gebrannt hätte, dann hätten wir nur vom Hubschrauber oder vom Ruderboot aus löschen können.“ Die Zufahrten wären unpassierbar gewesen.

Der Kochler Bürgermeister fordert zum einen einen „vernünftigen Bußgeldkatalog“. Wer sein Auto verbotener Weise im Landschaftsschutzgebiet abstelle, der müsse nur 50 oder 60 Euro zahlen. „Die Münchner lachen sich ins Fäustchen.“ So billig könne man sein Auto nicht einmal in einem Parkhaus in der Innenstadt abstellen.

Zum anderen fordert Holz Unterstützung bei der Verkehrsüberwachung. „An solchen Tagen brauchen wir Hilfe von der Polizei“, sagte er. Das könne aber weder die Polizeistation in Kochel noch die Inspektion in Bad Tölz leisten. Beide seien zu schwach besetzt. Seine Botschaft ans Innenministerium: „Es kann nicht sein, dass die Ballungszentren immer mehr wachsen, und uns lässt man auf dem Land mit dem Erholungsdruck allein.“

Auch der Walchenseer Gemeinderat Isidor Gerg fühlt die Gemeinde „von der Polizei im Stich gelassen“. Trotz des Nachtparkverbots stünden an schönen Tagen mehr als zehn Wohnmobile am Walchensee, ohne dass dies geahndet würde. Wichtige Zufahrten würden obendrein zugeparkt. „Da kommt nicht einmal mehr die Wasserwacht mit der Tauchergruppe an den See.“ Gemeinderat Eduard Pfleger regte an, die „aufwendig abgrenzten Parkplätze“ am ehemaligen Hotel Fischer am See in Urfeld für die Allgemeinheit zu öffnen. „Vielleicht lassen die Besitzer da mit sich reden.“

Rücksichtsloses Verhalten der Ausflügler hat Josef Seestaller an besagtem „Katastrophen-Wochenende“ beobachtet. „Ein Motorradfahrer hat glatt die Kelle überfahren, mit der eine Polizistin ihn aufhalten wollte“, sagte er.

Bürgermeister Thomas Holz will nun in enger Abstimmung mit der Gemeinde Jachenau bei allen zuständigen Behörden auf die Missstände hinweisen und um Abhilfe bitten.

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