Olympiade 1972 München: Ludwig Kellner flog auch die beiden früheren Olympia-Helden Emil Zatopek (re.) und Jesse Owens (Mitte).
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Olympiade 1972 München: Ludwig Kellner flog auch die beiden früheren Olympia-Helden Emil Zatopek (re.) und Jesse Owens (Mitte).

Erinnerungen an Ludwig Kellner

Pionier der Flugrettung wurde vor 100 Jahren geboren

Ludwig Kellner war einer der berühmtesten deutschen Hubschrauber-Piloten seiner Zeit. Am Sonntag, 6. Juni, hätte der Kochler seinen 100. Geburtstag gefeiert. Er flog gefährliche Einsätze und traf berühmte Persönlichkeiten.

Waghalsig: Der Helikopter, von Ludwig Kellner gesteuert, setzt mit einem Rad auf dem Felsen auf.

Kochel am See – Die Anekdote hat Ludwig Kellner noch zu Lebzeiten gerne erzählt: Wie er als Bub auf dem Radweg zwischen Boschhof/Königsdorf, wo er geboren wurde, und Seeshaupt einen Propeller in einem Baum hängen sah. „Ich habe mich immer gefragt: Wie kann damit eine Maschine fliegen?“ Er sollte es herausfinden. Kellner hatte eigentlich eine Polizeiausbildung absolviert und sich 1957 für eine Ausbildung als Heeresflieger beworben. Als Pilot machte er dann Karriere. Er war der erste Pilot, der Menschen aus Bergnot mit einem Stahlseil rettete. Bei den ersten Versuchen, so erinnerte er sich 2009, sei eine Puppe am Hubschrauber gehangen. Ein ehrgeiziger Kamerad habe es dann unbedingt ausprobieren wollen und sei – etwa 60 Meter unter dem Hubschrauber – in Richtung Berg mitgeflogen. Die Maschine habe sich deutlich schlechter steuern lassen, dazu sei der Wind gekommen: Sehr schwierig. Alles habe Gott sei Dank geklappt. Wiederholen wollte der Kamerad die Aktion dann trotzdem nicht mehr.

Ludwig Kellner suchte zwei Tage lang nach drei vermissten Bergsteigern

Eines der waghalsigen Flugmanöver, bei denen Ludwig Kellner am Steuer einer 1500 PS starken Vertol H 21 eine etwa 1000 Kilo schwere Dornier 27 durch die Lüfte schleppt.

Einer der gefährlichsten Einsätze Kellners ereignete sich im März 1961, als der Kochler zwei Tage lang bei zum Teil starkem Schneefall und hoher Lawinengefahr im Gebiet der Watzmann-Ostwand nach drei vermissten Bergsteigern suchte. Die Bild-Zeitung sprach von einem „tollkühnen Rettungsversuch“ und titelte schließlich: „Der Retter kehrt allein zurück.“ Gefunden wurden nur ein Rucksack und ein Skistock. Das Alpinisten-Trio konnte erst viel später tot geborgen werden.

Mit Handschlag bedankte sich der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt bei Pilot Ludwig Kellner, der mit seinem Sikorsky-Helikopter die nach der Hamburger Flutkatastrophe 1962 auf ihren Dächern ausharrenden Bewohner mit Lebensmitteln versorgt hatte. Ein Jahr später transportierte er Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß und setzte ihn auf dessen ausdrücklichen Wunsch mitten in der Nacht nahe Passau ab. Vier Polizeiwagen mussten auf Kellners Anweisung hin mit ihren Scheinwerfern einen Landeplatz markieren. Marianne Strauß bedankte sich später mit einem Kistl Bier für das durchaus gewagte (und eigentlich verbotene) nächtliche Landemanöver.

Straße an Heeresflughafen Bückeburg nach ihm benannt

Kellners Ruf als Pilot wuchs, als er einen Nato-weiten Wettbewerb für Hubschrauberpiloten gewann. 1972 durfte er bei den Olympischen Spielen die Sporthelden der Vergangenheit, Emil Zatopek und Jesse Owens, fliegen.

Ludwig Kellner wurde vor 100 Jahren geboren.

Nach mehr als 4000 Flugstunden endete 1973 die Laufbahn Kellners als Pilot und Ausbilder. Ein Bundeswehr-Hubschrauber brachte den frischgebackenen Pensionär, nach dem am Heeresflughafen Bückeburg sogar eine Straße benannt worden war, zurück nach Kochel zu seiner Frau Marianne. Der Heli landete – ein kleines Dankeschön an den Flugpionier – direkt hinter seinem Haus. Im hohen Alter von 90 Jahren starb Ludwig Kellner im Januar 2011.

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