Drei Retter betteten die „Verletzte“ (liegend, im schwarzen Neoprenanzug) vom Eisrettungsschlitten (rechts im Bild) auf eine spezielle Trage mit einer Wärmepackung um und brachten sie dann ans Ufer.
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Drei Retter betteten die „Verletzte“ (liegend, im schwarzen Neoprenanzug) vom Eisrettungsschlitten (rechts im Bild) auf eine spezielle Trage mit einer Wärmepackung um und brachten sie dann ans Ufer.

Unfall simuliert

Erste Hilfe im Eiswasser: Einsatzgruppe der Wasserwacht übt im Kochelsee

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Schnelleinsatzgruppe West der Wasserwacht im Landkreis hatte am Sonntag die seltene Gelegenheit, eine Eisrettung auf dem Kochelsee zu üben. Bürger sollten die Eisflächen derzeit jedoch nicht betreten, warnen die Ehrenamtlichen – die Gefahr sei groß.

Kochel am See/Schlehdorf – Es kommt nicht jeden Winter vor, dass die klimatischen Bedingungen es zulassen, eine Eisrettung zu üben. Die Mitglieder der Schnelleinsatzgruppe (SEG) West der Wasserwacht im Landkreis – sie rekrutiert sich aus Aktiven der Kochler Wasserretter – nutzte am Sonntag kurzfristig die Gunst der Stunde, um in der Schlehdorfer Bucht einen Notfall zu simulieren. Auch der viele Schnee kam den acht Ehrenamtlichen gerade recht, berichtet SEG-Leiter Philipp Schubart.

Eine junge Frau spielte die Patientin und begab sich, bekleidet mit zwei Lagen Neoprenanzug, aufs Eis. Zudem war sie mit einem Seil gesichert. An einer dünnen Stelle ließ sie sich ins Wasser gleiten. Am Ufer verfolgte auch ein Rettungstaucher der Wasserwacht die Übung. „Für den Fall, dass wirklich etwas schiefgeht, wollten wir ihn unbedingt dabei haben“, sagt Schubart.

Als die junge Frau im Wasser war, musste alles ganz schnell gehen: Die Retter bliesen einen Eisrettungsschlitten auf, „der für Laien wie eine große Luftmatratze mit zwei Hörnern aussieht“, sagt Schubart. Auch der Schlitten wurde vom Ufer mit einer Leine gesichert. Ein Retter wagte sich liegend zu der „Patientin“ aufs Eis und zog sie auf den Schlitten, dann wurden sie beide von der Bruchstelle weggezogen. „Sollte das Eis nochmal nachgeben, befinden sich beide Personen auf der Luftmatratze“, erklärt Schubart. Das Ziehen vom Ufer aus sei sehr anstrengend, vor allem bei vielem Schnee. Bevor es ans Ufer ging, bettete man die „Verletzte“ auf eine spezielle Trage mit einer Wärmepackung. Auf festem Grund übte man dann noch die medizinischen Maßnahmen.

„Im Ernstfall zählt bei Eisunfällen jede Sekunde“, sagt Schubart. Er zollt dem Team großen Respekt, dass alles einwandfrei klappte. Die Ehrenamtlichen hatten auch Zeit, zu üben, wie sie sich selbst aus dem Wasser retten können.

Verhalten im Notfall: Tipps der Wasserwacht für Passanten 
Wer Zeuge wird, dass ein Mensch im Eis einbricht, sollte sofort den Notruf 112 wählen, sagt Philipp Schubart, Einsatzleiter der SEG West. Dann muss man vor Ort sorgfältig abwägen, was man macht, um sich nicht selbst in Gefahr zu begeben. Grundsätzlich sollte man sich als Ersthelfer immer liegend beziehungsweise kriechend (also nicht aufrecht gehend) aufs Eis begeben, weil man so das Gewicht besser verteilt. Gelegentlich sieht man an Seen im Winter Leitern. Sie dienen dazu, bei einem Notfall zum Hilfebedürftigen geschoben zu werden, damit dieser sich daran festhalten kann. Gleiches kann man je nach Situation auch mit einem dicken Stecken oder Ast machen, sogar eine Jacke könnte hilfreich sein.
Eines ist wichtig: „Man sollte einem Hilfsbedürftigen niemals selbst die Hand reichen“, sagt Schubart. „Denn Menschen in Panik haben ungeahnte Kräfte und können einen Helfer mit ins Wasser ziehen.“
Wer gerne auf Natureis geht, dem rät Schubart zur Anschaffung eines „Eispiksers“, erhältlich in Sportfachgeschäften. Man kann das kleine Utensil, bestehend aus zwei Griffen an einer Schnur, problemlos in der Jackentasche tragen. Im Notfall rammt man einen oder beide Pikser, aus denen dann ein Dorn hervorspringt, ins Eis. „So hat man mehr Grip, um sich hochzuziehen.“ Wer eingebrochen ist, sollte versuchen, sich an der Bruchkante wieder aufs Eis zu ziehen. Wichtig sei auch, immer den selben Weg einzuschlagen, auf dem man gekommen sei: „Da weiß man ja schon, dass es getragen hat.“

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