Immer wieder ein Ärgernis: Überquellende Mülleimer am Walchensee, hier an der B 11. Auch große Gegenstände wie etwa Mikrowellen wurden schon hingeworfen.
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Immer wieder ein Ärgernis: Überquellende Mülleimer am Walchensee, hier an der B 11. Auch große Gegenstände wie etwa Mikrowellen wurden schon hingeworfen.

Gemeinderat Kochel bleibt Linie des Landratsamts treu

Es bleibt dabei: Keine weiteren Mülleimer am Walchensee

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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Der Kochler Gemeinderat hat über die Müll-Situation am Walchensee diskutiert. Die Gemeinde will keine weiteren Behältnisse aufstellen. Tourismus-Experten sollen nun abwägen, welche Auswirkungen es hätte, wenn man Ekel-Bilder in sozialen Medien verbreitet.

Kochel am See / Walchensee – Bilder von überquellenden Mülleimern beziehungsweise Abfallberge an Hundetoiletten hatten unlängst wieder für Negativ-Schlagzeilen vom Walchensee gesorgt. Zudem beklagten sich Anwohner über Fäkalien von Campern nahe am Kindergarten. Das Thema stand nun auf der Tagesordnung des Kochler Gemeinderats am Dienstag.

Bürgermeister Thomas Holz (CSU) berichtete eingangs über die Vorfälle in jüngster Zeit und kritisierte die diversen Hinterlassenschaften. „Ich verstehe nicht, wie man so verantwortungslos handeln kann. Man zerstört damit die schöne Landschaft, die man eben noch genossen hat.“ Holz dankte den Mitarbeitern des Bauhofs sowie den Rangern für die tägliche Beseitigung.

Er habe, sagte der Bürgermeister, Verständnis für die Forderung, dass man mehr Mülleimer aufstelle. Dass am See keine Behältnisse stünden, gehe zurück auf eine Vereinbarung mit dem Landratsamt. Er habe deshalb aktuell die Untere Naturschutzbehörde um eine Stellungnahme gebeten. Diese lag nun in der Sitzung den Räten und der Presse vor. Man habe, schreibt Sachgebietsleiter Franz Steger, vor weit über 20 Jahren entschieden, die Abfallbehälter in den Erholungsgebieten abzubauen. Gleichzeitig wurden in Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt in Weilheim auch die Abfalltonnen an den Parkbuchten der Kreis- und Bundesstraßen im Landkreis entfernt. Die Aktion sei seinerzeit von einer Pressekampagne begleitet worden. Unter dem Motto „Gut erholt – und Ihr Abfall?“ habe man Schilder mit Karikaturen aufgestellt, die Menschen auf einer Picknickdecke inmitten von Abfällen zeigten.

Landratsamt: „Körbe ziehen nur weiteren Müll an“

Von dieser Vorgehensweise, schreibt Steger, möchte die Untere Naturschutzbehörde nicht abweichen, „auch wenn bei manchen Erholungssuchenden der Erziehungseffekt noch nicht eingetreten ist“: „Erfahrungsgemäß werden vereinzelte noch aufgestellte Papierkörbe für allerhand Müll missbraucht, quellen über und ziehen nur weiteren Müll an.“ In der laufenden Kampagne „Naturschutz beginnt mit Dir“ greife man das Thema Müll deshalb besonders auf, so Steger weiter.

Zudem kümmere sich das Landratsamt um die Beseitigung der Abfälle. So hätten beispielsweise die Ranger immer Säcke dabei. Der gesammelte Müll lande in Containern, die versteckt aufgestellt, versperrt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich seien, schreibt Steger. Die Entsorgungskosten werden aus dem Naturschutzbudget beziehungsweise aus den Mitteln für wilde Müllablagerungen im Bereich Abfallrecht übernommen.

Zum Schluss heißt es in dem Schreiben: „Wir sehen uns in der Verantwortung der mit dem Forst und den Gemeinden zum Walchensee getroffenen Vereinbarungen und stimmen uns gerne über eine Anpassung der Anzahl der aufzustellenden Müllcontainer und weiterer Maßnahmen mit Ihnen ab.“ Dazu sollte man aber auch noch eine Stellungnahme des AWU (Abfallwirtschaftsunternehmen des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen) einholen.

Hundetoiletten sollen kleinere Einwurf-Behälter bekommen

Seit der Demontage der Behälter sei der Müll weniger geworden, berichtete Holz. Das konnte man in den vergangenen Jahren beobachten. Überlegenswert sei, ob man die damals aufgestellten Schilder mit der Karikatur erneuern sollte. „Teils sind sie nicht mehr lesbar.“ Heutzutage könnte man den Text „schmissiger machen“. Außerdem, so Holz weiter, müsse man „alle Kanäle“ nutzen, um die Gäste zu sensibilisieren. „Kann man diese Müll-Bilder nicht auch im Netz zeigen“, fragte Markus Greiner (Junge Liste). Holz will die Idee weitergeben. „Ich bin kein Marketing-Spezialist“, sagte der Bürgermeister und verglich die Idee mit Schock-Bildern auf Zigarettenschachteln. „Ob das im touristischen Bereich auch funktioniert, weiß ich nicht.“

Weil in Walchensee auch große Hundetoiletten als Mülleimer missbraucht wurden, wird die Gemeinde nun kleinere Behältnisse anbringen, durch deren Öffnung nur Beutel mit Hundekot passen, sagte Holz auf Nachfrage von Frank Sommerschuh (FW).

Klaus Barthel (SPD) spektisch

Reinhard Dollrieß (FW), ebenfalls aus Walchensee, wollte wissen, wie die Gemeinde die Wildbiesler-Situation am Spielplatz lösen werde. Holz versprach dazu Informationen in nichtöffentlicher Sitzung.

Letztlich folgten fast alle Gemeinderäte dem Vorschlag des Bürgermeisters, die „Linie des Landratamts nicht zu verlassen“ (Holz). Dagegen stimmte Klaus Barthel „Das wird auf Dauer nicht greifen“, sagte der SPD-Politiker. Die Gemeinde bewirtschafte die Parkplätze und verlange Gebühren. „Dann erwarten die Ausflügler auch Mülleimer.“

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