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Familie Nazimi darf nicht abgeschoben werden. Um die afghanischen Flüchtlinge kümmern sich die Helfer (v. li.) Elisabeth Pfeifle-Bedacht, Margret Boedeker-Kellein, Hannelore Daffner, Barbara Samm, Eva Ranz, Elisabeth Voigt, Hubertus Klingebiel, Simone Stingl, Iris Kessler und Richard Wiederkehr. Zur Familie Nazimi gehören (v. li.) Munir und Sunita mit Hasti (eineinhalb Jahre) sowie die Kinder Sahil (9), Noor (7) und Hegran (4).

Abschiebung nach Ungarn ausgesetzt

Etappensieg für Familie Nazimi

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Aufatmen bei Familie Nazimi in Kochel: Die Afghanen werden nicht nach Ungarn abgeschoben. Jetzt hoffen sie, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können.

Kochel am See– Die geplante Abschiebung hatte im Frühjahr für große Bestürzung gesorgt. Denn Familie Nazimi, die seit 2013 im Loisachtal lebt und vier Kinder hat, ist in Kochel sehr gut integriert. Vater Munir (33) hat einen Arbeitsplatz im Seniorenheim und engagiert sich im Helferkreis Asyl. Bevor die Familie aus Afghanistan nach Kochel kam, hatte sie einen Asylantrag in Ungarn gestellt und versuchte, dort zu leben. Die Umstände ließen das jedoch nicht zu, und schließlich lehnten die ungarischen Behörden ihren Asylantrag ab. Die Familie reiste daraufhin weiter nach Deutschland.

Dass die deutschen Behörden sie wieder nach Ungarn abschieben wollen, traf Familie Nazimi deshalb wie ein Blitz aus heiterem Himmel. In Kochel erfuhr sie jedoch große Unterstützung. Der Helferkreis Asyl, die Mitarbeiter und die Geschäftsführung des Seniorenheims Seehof sowie Schulkinder und Freunde schrieben Briefe an Behörden (wir berichteten). Und all das hat nun dazu beigetragen, dass Vater Munir Nazimi Ende April die Mitteilung bekommen hat. Die anderen Familienmitglieder erfuhren erst vor wenigen Tagen, dass die Abschiebung nach Ungarn ausgesetzt ist. „Wir sind sehr, sehr erleichtert“, sagt Munir Nazimi.

Wie Asylhelferin Elisabeth Voigt berichtet, hat der Richter in seiner Urteilsbegründung darauf Bezug genommen, wie gut die Familie in Kochel integriert ist, und wie sie sich selbst für das gute Miteinander einsetzt. „Unsere Briefe wurden zwar nicht explizit erwähnt, aber die Argumente wurden wahrgenommen“, freut sich Voigt. Der Richter begutachtete auch, welche schlimmen Erfahrungen Familie Nazimi in Ungarn machte, und wie dort Flüchtlinge im Allgemeinen behandelt werden. Auch deshalb hält er eine Abschiebung für menschenunwürdig.

Trotzdem: Für Familie Nazimi ist das endgültige Ziel, nämlich dauerhaft in Deutschland leben zu dürfen, noch nicht erreicht. Denn das sogenannte Hauptsacheverfahren steht noch aus. Wann hier eine Entscheidung fällt, ist völlig offen. Die Rechtsanwältin der Nazimis ist allerdings optimistisch, dass die Familie ein Bleiberecht erhält.

„Ja, wir haben Hoffnung, dass wir nicht nach Afghanistan abgeschoben werden“, sagt Munir Nazimi. Er möchte sich bei allen bedanken, die seiner Familie in den vergangenen Wochen zur Seite gestanden sind. „Wir sind so dankbar für die Unterstützung.“ Großen Rückhalt gab auch der Arbeitgeber, die „Innere Mission München“, die das Seniorenheim in Kochel betreibt. „Ich kann nicht oft genug allen Menschen danke sagen“, sagt der Afghane. Auch den vier Kindern und Mama Sunita gehe es jetzt psychisch wieder besser.

Derzeit muss die Familie einmal im Monat nach München fahren, um sich ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern zu lassen. Drei Stunden Wartezeit seien trotz Termin im Amt üblich, berichtet Asylhelferin Voigt frustriert. Die Nazimis lassen sich trotzdem nicht entmutigen: „Wir hoffen so sehr, dass wir dauerhaft bleiben können.“

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