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Viele freiwillige Helfer haben mitangepackt, um die alte, seit 25 Jahren nicht mehr funktionstüchtige Orgel aus der evangelischen Kirche in Kochel auszubauen.

Evangelische Kirche Kochel

Alte Pfeifen raus – neue Orgel rein

In einem gemeinsamen Kraftakt haben ehrenamtliche Helfer die alte Orgel von der Empore der evangelischen Kirche in Kochel ausgebaut. Nun wird alles hergerichtet, damit das neue Instrument aufgestellt werden kann.

Kochel am See – Mehrere Jahre stand die alte Orgel unbenutzt oben auf der Empore des kleinen Gotteshauses. Gebaut hatte sie ein frei schaffender Orgelbauer. „Sie funktionierte von 1951 bis 1992, ging dann kaputt, wurde zugehängt und durch ein elektronisches Instrument ersetzt“, erläutert Pfarrer Matthias Binder.

Doch 2013 gab die elektrische Orgel den Geist auf – ausgerechnet während des Heiligabend-Gottesdienstes. Seitdem behilft sich die Kirchengemeinde mit einer kleinen Truhenorgel. Ein Gutachten beschied der Orgel auf der Empore irreparable Schäden, und so begann eine Spendenaktion mit dem Ziel, ein neues Musikinstrument anzuschaffen. Kosten: rund 120 000 Euro. „Das Geld dafür haben wir fast beisammen“, so Binder.

Nun ist also der richtige Zeitpunkt gekommen, um mit Hilfe von Gemeindemitgliedern die kaputte Orgel auszubauen. „Teilweise haben wir sie sorgfältig zerlegt, teilweise mit Hammer und Säge“, berichtet der Pfarrer. Einiges habe man in Quarzbichl entsorgt. Anderes habe ein Schreiner übernommen, und auch die neue Orgel werde mit Teilen der alten ergänzt. „Und die Pfeifen werden wir auf dem Kochler Adventsmarkt verkaufen.“ Interessant seien sie etwa für Fanclubs oder als Anschauungsobjekte im Bereich der Musikpädagogik. „Man kann richtig auf ihnen pfeifen. Beim Abbau haben wir regelrechte Konzerte damit veranstaltet“, erzählt Binder lachend.

Der Erlös werde in den Kauf der neuen Orgel fließen. Diese werde derzeit von der Münchner Firma Führer gebaut. „Im Laufe des Novembers wird sie bei uns eingebaut“, so Binder. Die Installation werde rund drei Wochen dauern. „Die Kirche bleibt aber die ganze Zeit geöffnet.“ Auch das neue Instrument werde seinen Platz auf der Empore haben, allerdings nicht mehr direkt an der Wand, weshalb der Platz für die Gläubigen oben weniger werden wird. „Die großen Pfeifen passen wegen des Gewölbes dort nicht mehr hin“, so Binder. Deshalb sitze der Organist künftig direkt an der Brüstung. „Das ermöglicht einen besseren Kontakt zur Gemeinde.“

Derzeit ist die Kochler Kunstmalerin Andrea Pohl-Pantele dabei, die historischen Wandmalereien zu restaurieren, die bisher von der alten Orgel verdeckt wurden, künftig aber zu sehen sind. Für diese Arbeiten sowie für notwendige elektrische Sanierungsmaßnamen werden noch Spendengelder benötigt.

Binder ist davon überzeugt, dass die neue Orgel der Kirche und ihrer Gemeinde „sehr gut tun wird“. „Sie wird einen kräftigen Klang bringen, aber auch zarte Töne, die unserer Kirche angemessen sind.“ Das werde die Gottesdienste und die Konzerte enorm aufwerten.

Pfeifen kaufen

Wer eine Orgelpfeife kaufen möchte, kann das entweder auf dem Adventsmarkt oder ab sofort beim evangelischen Pfarrheim. Die Pfeifen kosten zwischen einem und 30 Euro. Spender können sich ebenfalls direkt ans Pfarramt wenden. Die Einweihung der neuen Orgel erfolgt am 1. Adventssontag, 3. Dezember, um 9.30 Uhr während des Gottesdienstes. Zur Einweihung wird die Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler erwartet.

(FRANZISKA SELIGER)

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