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Christa Föllmer am Eingang zur Anastasia-Kapelle. 

Als evangelische Mesnerin im Altjocher „Kapellchen“

Kochel am See - Manchmal sind es die verborgenen Taten und die kleinen Bauten, die sich lohnen, einmal genauer betrachtet zu werden. So wie bei der Anastasia-Kapelle in Altjoch und ihrer langjährigen Mesnerin Christa Föllmer – dabei ist Letztere noch nicht einmal katholisch.

Eine Kapelle in Altjoch? Ja, die gibt es – und zwar schon seit anno 1793. Damals wurde das winzige Kirchlein nahe am See vom Bauer Matthias Jocher (Jocher-Bauer) erbaut. Wenn überhaupt, fällt vielen die Kapelle heute nur auf, wenn sie daran vorbei radln oder wandern. Dabei verfügt sie im Innern über einen wertvollen Altar aus dem 17. Jahrhundert, der sogar unter Denkmalschutz steht.

Und natürlich hielten die Menschen aus Altjoch früher hier auch Gottesdienste oder Taufen ab, wie sich Altbürgermeister Werner Englert erinnert. Um die Gläubigen nach dem Zweiten Weltkrieg aufnehmen zu können, sei sie Ende der 1940er-Jahre sogar um etwa die Hälfte erweitert worden.

Wegen des Priestermangels gibt es nun aber schon lange keine Gottesdienste mehr in der Kapelle. Stand sie früher auf Privatgrund, ist sie heute dank einer Schenkung im Eigentum der Gemeinde, die das baufällige und verwahrloste Kirchlein mithilfe vieler Spender vor über 20 Jahren restaurieren ließ.

Und damit beginnt die Geschichte von Christa Föllmer. Denn seit der Sanierung war die heute 82-Jährige ehrenamtlich als Mesnerin in der Kapelle tätig. „Meine Aufgabe war es, die Kapelle der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.“ Damals, vor 20 Jahren, war Föllmer bereits Witwe. Das Hotel ihres Mannes war an ihre Tochter übergeben. „Ich hatte also Zeit und habe mir gedacht: Da tust du was Gutes.“

Jeden Tag in diesen knapp 20 Jahren lief die Seniorin den kurzen Weg von ihrem Haus hinunter zur Kapelle. Öffnete und schloss das Gitter, kehrte Laub aus dem Gotteshaus, putzte es, sorgte für Blumenschmuck und nahm im Winter auch mal die Schaufel zur Hand, um den gepflasterten Platz vor der Kapelle vom Schnee zu befreien.

Bis heute finden in der Kapelle jährlich ein Erntedankfest sowie eine Maiandacht statt, erzählt Föllmer. Auch Rosenkränze werden gebetet und bei Kapellenfahrten wird Station gemacht. Kürzlich sei sogar eine Protestantin in der Anastasia-Kapelle zum katholischen Glauben übergetreten. Für die Blumendeko, die Tischdecken und überhaupt ein reibungsloses Fest hat Christa Föllmer gesorgt. „Ich habe das Kapellchen sehr geliebt“, sagt Föllmer, die gerade ihr Mesner-Amt an Nachfolgerin Johanna Richter übergeben hat (wir haben berichtet).

Gesundheitlich sei es einfach nicht mehr gegangen. Übrigens waren ihre Anfänge als Mesnerin durchaus nicht ganz unproblematisch. Geboren in Masuren, ist Föllmer nämlich Protestantin. Und ein solcher „ehemaliger preußischer Flüchtling“ soll sich um eine katholische Kirche in Bayern kümmern? „Das sorgte schon für Klatsch und Tratsch“, sagt Föllmer. Sie muss bei der Erinnerung lächeln. „Um die Gemüter zu beschwichtigen, bin ich dann damals dem Katholischen Frauenbund beigetreten.“

Protestantin ist sie aber geblieben – und zwar eine „tiefgläubige“, wie sie sagt. Eine Kirche zum Beten braucht sie deswegen noch lange nicht. Ihr „Kapellchen“ reicht ihr vollkommen, um hier „Zwiesprache mit Gott“ zu halten. Franziska Seliger

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