+
Zahlreiche Bäume im Staatswald, viele bis zu 250 Jahre alt, sind nach dem Waldbrand am Graseck abgestorben oder stark geschädigt.

Feuer am Graseck/Jochberg

Nach Waldbrand: „Die Schäden sind beträchtlich“

  • schließen

Wie viel Wald dem Brand am Graseck/Jochberg in der Neujahrsnacht zum Opfer gefallen ist, steht immer noch nicht ganz fest. Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs, sagt aber: „Die Schäden sind beträchtlich.“ Derzeit wird ein Gutachten erstellt.

Kochel am See/Bad Tölz – Rudolf Plochmann blickt auf das hochauflösende Foto auf seinem Bildschirm. Langsam zoomt er auf den Hang. Baum für Baum kann er so anschauen. Viele sind rostbraun verfärbt. „Die sind abgestorben“, sagt der Leiter des Tölzer Forstbetriebs. Bei anderen Bäumen gibt es nur im unteren Teil eine Verfärbung. „Hier ist die Frage: Schaffen sie es oder sterben sie ab, wenn es einen heißen Sommer gibt?“

Die Fotos hat vor wenigen Wochen Jörg Bodenbender im Auftrag der Staatsforsten von einem Flugzeug aus gemacht. „Wir schauen uns das Ganze natürlich auch vom Boden aus an, aber aus der Luft kann man es besser erkennen“, sagt Plochmann. Wie groß das Ausmaß des Schadens ist, werde man ganz genau vermutlich erst nach der Vegetationsperiode sagen könne, erklärt der Forstexperte. „Aber die Schäden sind beträchtlich. Schon jetzt ist ein erheblicher Teil der Bäume abgestorben.“ Besonders bitter: Viele der Kiefern, die am Steilhang stehen und ein Raub der Flammen wurden, sind bis zu 250 Jahre alt.

Schadenersatzansprüche an Verursacher

Der Forstbetrieb hat einen Sachverständigen beauftragt, der ein Gutachten erstellt. Dieses wird die Grundlage für die Schadenersatzansprüche sein, die an die beiden mutmaßlichen Verursacher gestellt werden. Eine Zahl will Plochmann nicht nennen.  Das Gutachten soll „in Kürze vorliegen“. Die Haftpflichtversicherung von einem der beiden Verursacher hatte bereits die Kosten für den dreitägigen Löscheinsatz in Höhe von 490 000 Euro übernommen.

Wie berichtet waren zwei Münchner Wanderer am Silvesterabend am Graseck aufgestiegen. Dort entzündeten sie den Ermittlungen zur Folge ein Lagerfeuer, das auf dem strohtrockenen Untergrund schnell außer Kontrolle geriet. Beim Löschversuch, stürzte einer der beiden ab und verletzte sich schwer. Am Ende brannte es auf rund 100 Hektar Fläche. Etwa die Hälfte davon ist Staatswald. „Stark betroffen sind etwa 17 Hektar“, erklärt Plochmann.

Der Wald hat in diesem Bereich eine wichtige Schutzfunktion. Die Wurzeln der Bäume halten die ohnehin eher dürftige Humusschicht fest. Deren Erhalt ist wichtig, schließlich „nimmt Waldboden bei Starkregen das Wasser wie ein Schwamm auf“. Wird der Boden weggeschwemmt, weil die Bäume nicht mehr da sind, rauscht das Wasser samt Schlamm und Geröll durch den Heckenbach-Graben gen Tal – „und landet auf der Kesselbergstraße“, sagt Plochmann.

Noch heuer sollen tote Bäume gefällt werden. Die Stämme bleiben quer zum Hang liegen. In deren Schutz könnten im kommenden Jahr die neuen Bäume gepflanzt werden. Außerdem verrotten die Stämme über die Jahre zu Humus und bilden ein Keimbett für Naturverjüngung. Die geplante Aufforstung ist an dieser Stelle allerdings sehr schwierig.  Das Gelände ist schwer zugänglich und extrem steil. „Wir werden die Arbeiter an vielen Stellen mit Seilen sichern müssen, weil die Gefahr auszurutschen und abzustürzen einfach zu groß ist“, sagt Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann. 

Aufforsten mit Mulis?

Überlegen müsse man auch, wie man die Pflanzen überhaupt ins Gelände bekommt. Klar ist: Die Aktion ist nur im Sommer möglich. Das heißt aber auch, dass die Bäumchen bewässert werden müssen. Zwei Ideen gibt es bislang. Nummer eins: An der nahen Kotalm werden Wassertanks aufgestellt. Von dort werden die Pflanzen mit Mulis ins Gelände gebracht. „Dafür müssten wir einen Steig etwas verbreitern“, sagt Plochmann. Bei Idee zwei müsste irgendwo im Gelände ein Landeplatz für einen Hubschrauber geschaffen werden. „Dann fliegen wir Wasser und die Pflanzen hoch. Das ist aber sehr aufwändig.“ Dass es die Jungpflanzen wirklich schaffen, ist auch alles andere als sicher. „Es gibt für sie vielerlei Gefahren“, sagt Plochmann. Dazu gehören Steinschlag, Schneeschub oder auch Wildverbiss. Und nicht zuletzt handelt es sich hier um einen Südhang, an dem die zarten Wurzeln der Pflänzchen schnell vertrocknen können.

Waldbrand am Jochberg: Bilder vom Rettungseinsatz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zigaretten im Wert von 12.000 Euro gestohlen
Zigaretten im Wert von 12.000 Euro stahlen Unbekannte aus einem Tölzer Verbrauchermarkt. Die Polizei glaubt, dass sich die Täter mit dem Alarmsystem auskannten.
Zigaretten im Wert von 12.000 Euro gestohlen
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Donnerstagabend
Tölzer Friedenssäule nun auf der Fraueninsel
Tölzer Friedenssäule nun auf der Fraueninsel

Kommentare