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Verhaltensauffällige Kinder sollen von einer Fachkraft für Jugendsoziala rbeit betreut werden. 

Gemeinderat

„Feuerwehr“ an der Grundschule

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An der Kochler Grundschule soll es ab Herbst einen Jugend-Sozialarbeiter in Teilzeit geben. Die Vergangenheit hat gezeigt: Viele Schüler brauchen zusätzliche Hilfe in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

Kochel am See – Die Gemeinde Kochel macht sich für die Einführung einer halben Jugendsozialarbeit-Stelle an der Kochler Grundschule stark. Mit einem einstimmigen Beschluss hat der Gemeinderat den Weg dafür geebnet. Das Projekt soll zu Beginn des Schuljahrs 2017/2018 starten.

Bereits im Februar dieses Jahres hatte sich der Gemeinderat mit dem Thema Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) befasst. Danach gab es eine Reihe von Gesprächen mit den jeweiligen Fachleuten, berichtete der Bürgermeister in der Sitzung. „Wir waren überrascht und erschüttert über die Fälle, die man uns geschildert hat“, sagte Thomas Holz. Deshalb habe man sich Gedanken gemacht, „wie man das eine oder andere an der Schule verbessern kann“. Über Einzelfälle könne zwar nicht gesprochen werden, aber allen Beteiligten sei sehr bald klar gewesen, dass es Schüler gebe, „die mehr Betreuung brauchen als andere“. Ausschlaggebend sei der hohe Anteil von Migranten und Asylbewerber-Kindern.

Die JaS soll sozial benachteiligte junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und fördern. Dadurch sollen deren Chancen auf Teilhabe und eine eigenverantwortliche sowie gemeinschaftsfähige Lebensgestaltung verbessert werden, heißt es im Antrag.

Der Kochler Schulleiter Jakob Dondl sieht den Jugendsozialarbeiter als Feuerwehr. „Wenn nach der Pause nichts mehr weitergeht, weil zuvor gestritten wurde, dann dauert es bis die Gemüter runtergekühlt sind“, sagte Dondl. In dieser Schlichtungszeit müssten die unbeteiligten Schüler warten, und der Unterricht bleibe auf der Strecke. Hier erhoffe er sich Unterstützung von der neuen Fachkraft. Sie könne zudem langfristige Projekte umsetzen wie ein Anti-Gewalt-Training oder einen Kurs zum Aufbau des Selbstbewusstseins.

Rede und Antwort stand in der Gemeinderatssitzung auch Verena Peck vom Tölzer Landratsamt. Als zuständige Fachkraft vom Amt für Jugend und Familie stellte sie die Jugendsozialarbeit an Schulen vor. Das Hauptaugenmerk liege auf der „niederschwelligen Beratung“. Der Sozialarbeiter müsse schauen, die Schulfamilie wieder auf Kurs zu bringen – „noch bevor es anfängt zu brennen“. Warum sich die Kochler noch gedulden müssen, begründete Peck mit dem langwierigen Genehmigungsverfahren: Der Antrag geht nun an den Jugendhilfe-Ausschuss. Danach befassen sich Kreisausschuss und Kreistag damit, ehe die Sache an die Regierung von Oberbayern weitergeleitet wird. Deshalb sei kein vorzeitiger Beginn möglich, wie ihn Gemeinderätin Monika Hoffmann-Sailer nachdrücklich gefordert hatte.

Die jährlichen Kosten in Höhe von rund 40 000 Euro werden laut Peck auf mehrere Schultern verteilt. Jeweils 8180 Euro zahlen die Regierung von Oberbayern und und der Landkreis. Weitere 3200 Euro übernimmt der noch zu bestimmende Träger. Der Löwenanteil mit 20 000 Euro entfällt auf die Gemeinde Kochel. „Trotz der hohen Kosten ist die Stelle notwendig und richtig“, versicherte Bürgermeister Holz.. Denn: „Kinder sind unsere Zukunft.“ Die JaS-Stelle könne verhindern, dass das eine oder andere Kind in Schwierigkeiten komme. Deshalb werde man eine unbefristete Förderung beantragen.

Im Antrag der Gemeinde Kochel heißt es auch, man werde nach vier Jahren „die Notwendigkeit dieser Stelle in einem offenen und detaillierten Prozess überprüfen“. Darüber herrschte ebenfalls Einigkeit im Gemeinderat: Nach vier Jahren verlasse eine Schüler-Generation die Franz-Marc-Schule. Da sei es sinnvoll, eine erste vorläufige Bilanz der die Jugendsozialarbeit zu ziehen.

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