Kerngesunder Mittelständler: Als Stiftung soll der langfristige Bestand von „Dorst Technologies“ gesichert werden. Das Foto zeigt den Unternehmenssitz in Kochel unterhalb des Kiensteins und Jochbergs.

Aus Kochler Unternehmen wird Stiftung

Firma Dorst: Erfolgsstory mit Zukunft

Die Kochler Firma Dorst Technologies ist einer der größten Arbeitgeber im Landkreis. Um langfristig den Bestand des Unternehmens zu sichern, soll es in eine Stiftung umgewandelt werden.

Kochel am See – „Hier entsteht Zukunft“, prangt stolz auf der Titelseite des Firmenprospekts von „Dorst Technologies“. Das Kochler Unternehmen gehört zu den führenden internationalen Anbietern von Maschinen und Anlagen keramischer und metallurgischer Produkte.

Dorst arbeitet aber nicht nur an der Zukunft, sondern hat nun auch eine. Die langjährige Firmenführung um den Aufsichtsratsvorsitzenden Hubert H. Löcherer und Hauptgesellschafter Manfred Dorst wollen das Unternehmen in eine gemeinnützige Dorst-Löcherer-Stiftung umwandeln. Löcherer im Gespräch mit dem Tölzer Kurier: „Wir arbeiten an dieser Lösung und wollen sie 2018 umsetzen. Es geht um den langfristigen und gesicherten Fortbestand des Unternehmens, auch in den Generationen nach Manfred Dorst und mir. Eine Veräußerung wäre mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Der Erhalt der Arbeitsplätze und der Standorte hat bei unserer Entscheidung pro Stiftung oberste Priorität.“ Der Dorst-Chairman ist überzeugt, „dass ein bewährtes Management und erfolgreiche Führungskräfte auch in Stiftungsbesitz die Geschäfte wie heute fortführen.“

Soweit die Zukunft. Erfreuliches gibt es auch über das vergangene Jahr zu berichten. Ein zweistelliges Auftragsplus, wie es für die deutsche Maschinenbau-Branche 2017 ausgerufen wurde, mag Löcherer zwar nicht vermelden. Die Geschäfte liefen aber „wie schon 2016 ausgezeichnet“. Seit den mageren Jahren um 2008 herum habe man tatsächlich eine gewaltige Steigerung um 30 bis 40 Prozent erlebt. Löcherer, der sich vom Lehrling bis zum Chef heraufgearbeitet hat, macht die funktionierende Weltwirtschaft, das billige Öl und die anhaltend niedrigen Zinsen für die positive Konjunktur verantwortlich. Dorst hat neben seinem Hauptsitz in Kochel noch ein Werk in Kötzting sowie Standorte in Bethlehem-Allentown (USA) und Shanghai (China). Der im laufenden Geschäftsjahr auf rund 100 Millionen Dollar geschätzte Umsatz verteilt sich zu etwa 40 Prozent auf Asien mit den Schwerpunkten China, Japan, Taiwan und Korea, zu 20 Prozent auf die USA und weitere 40 auf Europa. 450 Mitarbeiter zählt der Betrieb, 70 davon sind Azubis.

Eine boomende Branche also. Ist die aktuelle Forderung der IG Metall im jüngsten Tarifkonflikt nach sechs Prozent mehr Lohn da nicht nachvollziehbar? Dass man mit so einer Zahl in die Verhandlungen einsteige, könne er durchaus verstehen, antwortet Löcherer lächelnd. Nur was sich die Gewerkschaft sonst noch habe einfallen lassen (etwa Wahloption auf Arbeitsreduzierung) schmecke den Metallern nicht. An der Tariffront hat Dorst freilich Ruhe. Es gibt laut Löcherer „einen funktionierenden Haustarifvertrag“, der noch bis 2019 gelte.

Etwa 30 Mitarbeiter zählt Dorst am US-Standort Bethlehem-Allentown in Pennsylvania, die sich hauptsächlich um Vertrieb und Service kümmern. Mit Interesse hat man gleichwohl in der Zentrale am Kochelsee von Donald Trumps Plänen zur Senkung der Unternehmenssteuern gehört. „Da würden wir wohl profitieren“, meint Löcherer. Aber ob man auf den „freundlich ausgedrückt, nicht kalkulierbaren US-Präsidenten“ wirklich eine langfristige Strategie aufbauen könne, daran zweifelt der Kochler Manager. „Wer weiß, was da kommt.“

Ihn ärgert auch, dass aufgrund von Trumps polternder Politik die Auflösung des Atom-Abkommens mit dem Iran im Raum steht und Europa unter Druck gesetzt wird. Der Iran war schon in früheren Jahrzehnten ein hochinteressanter Markt für den Kochler Maschinenbauer. Es sei aber ein Zukunftsmarkt „auf Sparflamme“, sagt Löcherer. Tatsache sei, dass sich wegen der unsicheren Lage kaum eine deutsche Bank traue, Iran-Geschäfte zu finanzieren. So gibt es zwar vereinzelte Aufträge für Dorst aus dem Iran. „Das funktioniert aber nur über Direktzahlung.“

Das Iran-Geschäft lebt ein bisschen von der Hoffnung. Andere Projekte sind konkreter und wichtiger. Beim Gespräch mit Hubert H. Löcherer ist im Büro auch ein Flip- Chart aufgestellt, auf dem ein „Masterplan von 2017 bis 2022“ die operativen Unternehmensziele auflistet. Ganz wichtig ist dem Chef das Zukunftsthema Digitalisierung und Vernetzung. Dafür habe er eigens eine Geschäftsleitungsposition im Unternehmen etabliert, die sich um das „Riesenthema IT und digitale Prozesse“ kümmert.

Die gesamte Fertigung bei Dorst sei inzwischen umgebaut und -gestellt. Drei Millionen Euro hat Dorst investiert und viele Kilometer Glasfaserkabel verlegt. Dorst hat sich auch um eine exklusive Glasfaserverbindung bemüht und diese auch von der Telekom bekommen. Christoph Schnitzer

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