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Der Hecht ist ein standorttreuer Fisch. Er versteckt sich zwischen Wasserpflanzen und wartet dort auf seine Beute, um blitzschnell vorzustoßen.

Fischerei am Walchensee

Der Hecht schwimmt in der Grauzone

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Am Walchensee hat wieder die Angelsaison begonnen. Derzeit gibt es allerdings Diskussionen über den Hecht: Hat er dort Schonzeit bis 15. April oder nicht? Der Bezirk Oberbayern wird das prüfen.

Walchensee– Der Walchensee ist bei Fischern eines der beliebtesten Gewässer in der ganzen Region. Am 1. März startete die Saison.Unter Wasser tummeln sich unter anderem Seeforellen, Saiblinge, Renken, Barsche und eben der Hecht. Für diesen gilt laut Gesetz vom 15. Februar bis 15. April landesweit eine Schonzeit – also eine Fangbeschränkung, um die Population nachhaltig zu schützen und zu stärken. Ausgenommen sind nur Salmonidengewässer.

Als sich vor ein paar Tagen auf Walchensees Facebook-Seite ein stolzer Angler mit einem großen Hecht präsentierte, kam es zum Streit mit anderen Internetnutzern – und dieser Streit ging sogar soweit, dass ein Mann aus dem Raum Starnberg, der sich für den Schutz des Hechts engagiert, beschimpft wurde. Ausgehend davon, erreichte die Diskussion über den Schutz-Status des Hechts am Walchensee auch Ämter und Behörden.

Der Bezirk Oberbayern wird nun tätig werden und sich mit der Fischereigenossenschaft Walchensee das Gewässer anschauen. „Momentan befinden wir uns rechtlich in einer Grauzone“, sagt Ulrich Wunner, Fachberater Fischerei beim Bezirk Oberbayern und meint zu dem Streit salomonisch: „Beide Seiten haben derzeit irgendwo recht.“

In einem sogenannten Salmonidengewässer leben hauptsächlich Seeforellen und Seesaiblinge, erklärt Wunner. Hier genießt der Hecht keine Schonzeit. Der Walchensee wurde früher so eingestuft, aber die Frage ist jetzt, ob das noch zutreffend ist. Wunner bezweifelt das. „Es ist davon auszugehen, dass sich durch die Klimaerwärmung andere Fischarten im See ausgebreitet haben.“

Die Schonzeit für einen Fisch richtet sich nach der Laichzeit, erklärt Thomas Funke, Pressesprecher des Landesfischereiverbands Bayern (LFV). Der Hecht lebt bevorzugt in Ufergebieten langsam fließender oder stehender Gewässer. Er ist ein standorttreuer Einzelgänger und wartet meist regungslos zwischen Wasserpflanzen auf seine vorbeischwimmende Beute, die er durch blitzschnelles Vorstoßen packt, erklärt der LFV in seinem Fisch-Lexikon. Ein Hecht frisst andere Fische, Frösche, kleine Säugetiere und durchaus auch junge Wasservögel.

Erwischt ein Angler in der Schonzeit nun trotzdem einen Hecht, muss er ihn wieder „abhaken und im Wasser einsetzen“, erklärt Pressesprecher Funke in der Fachsprache. Ein Angler könne „nie ausschließen“, mal einen Fisch, der sich in der Schonzeit befindet, am Haken zu haben. Wichtig sei dann jedoch der richtige Umgang. Fischt jemand trotz Schonzeit bewusst den Hecht, droht ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro.

Die Fischereigenossenschaft Walchensee kontrolliert nach eigenen Angaben in regelmäßigen Abständen mit drei Aufsehern, ob sich die Fischer und Hobby-Angler auf dem See an die Auflagen halten.

Mit einer Besichtigung vor Ort soll nun in den kommenden zwei Wochen geklärt werden, auf welcher Rechtsgrundlage – also Salmonidengewässer oder nicht – der See einzustufen ist, sagt Fischerei-Fachberater Wunner. Dies werde dann auch der Öffentlichkeit mitgeteilt und auf den Erlaubnisscheinen fürs Fischen vermerkt. „Die Angler müssen Rechtssicherheit haben“, sagt Wunner.

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