Zohal Mohammadi (18)

Förderprogramm "Talent im Land Bayern"

Mit Fleiß einen großen Traum erfüllt

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Kochel am See - Es ist eine Erfolgsgeschichte: Zohal Mohammadi (18) wurde als einzige Schülerin im Landkreis in das Förderprogramm „Talent in Bayern“ aufgenommen.

Wer als jugendlicher Flüchtling nach Deutschland kommt, hat es nicht leicht. Vor allem die Sprache ist für viele eine große Herausforderung. Umso bemerkenswerter ist es, wenn man ohne vorherige Sprachkenntnisse und in einem fremden Schulsystem nach eineinhalb Jahren in Bayern den Quali mit 1,3 schafft – als eine der Schulbesten. Der 18-jährigen Zohal Mohammadi, einer in Kochel lebenden Afghanin, ist das im Juli 2015 gelungen. Jetzt wurde sie als einzige im Landkreis in das Förderprogramm „Talent im Land Bayern“ der Staatsregierung aufgenommen.

„Das ist großartig. Ich freue mich so sehr“, sagt die junge Frau. Im März gab es dazu einen Festakt in München, bei dem Zohal Mohammadi eine Urkunde überreicht wurde. Die Aufnahme in dieses Förderprogramm tut auch ihrer Seele gut. Die junge Frau lernt derzeit an der Tölzer Südschule für die Mittlere Reife, dann will sie das Abitur machen und studieren. „Am liebsten Jura.“

Das Projekt „Talent in Bayern“ ist ein besonderes Programm der bayerischen Staatsregierung in Zusammenarbeit mit der Robert- Bosch-Stiftung. Mit den Stipendien werden besonders begabte Schüler, häufig mit Migrationshintergrund, auf dem Weg zu Abitur oder Fachhochschulreife gezielt unterstützt. Es gab hunderte Bewerbungen. 70 Jugendliche wurden zum Vorstellungsgespräch eingeladen und 50 schließlich ausgewählt.

„Ich war sehr aufgeregt“, erzählt die 18-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch ihr Bruder Omran Mohammadi (16), der im vergangenen Sommer bester männlicher Absolvent an der Mittelschule in Benediktbeuern war, hatte sich für das Programm beworben, schied aber in der letzten Auswahlrunde aus. „Das war schade. Aber er freut sich für mich“, sagt die große Schwester.

Die Kochler Asylhelfer Elisabeth Voigt und Ralf Kriegel hatten die Geschwister auf das Programm aufmerksam gemacht, Lehrerin Nicole Bley aus Benediktbeuern schrieb ein Gutachten. „Ich habe mich sehr gefreut, dass sich alle so für mich und meinen Bruder eingesetzt haben“, sagt die 18-Jährige.

Die Auswahlkommission, bestehend aus Vertretern von Kultur, Hochschule und Wirtschaft, hat sie nicht nur mit ihren glänzenden Deutschkenntnissen überzeugt, sondern auch mit sozialem Engagement. Die junge Frau half, als sie Deutsch lernte, im Kochler Seniorenheim, verteilte Essen und nahm sich Zeit für Gespräche. „Das war sehr schön und eine gute Gelegenheit, die Sprache zu lernen. Auch die Senioren haben sich sehr gefreut.“ Jetzt hilft sie anderen Flüchtlingen, die noch nicht so gut Deutsch können, und dolmetscht zum Beispiel beim Arzt.

Die Familie gibt ihr Rückhalt. „Meine Eltern tun alles für uns, damit wir fünf Kinder eine gute Schulbildung bekommen.“ Die jüngeren Kinder besuchen die Grundschule in Kochel. Größter Wunsch der Familie ist eine passende Wohnung.

Als „Talent in Bayern“ erhält Zohal Mohammadi jeden Monat 100 Euro Taschengeld, das sie für Bücher oder ähnliches ausgeben kann. Zudem würde man sie mit Nachhilfe unterstützen, wenn sich in einem Fach die Noten verschlechtern. Aber die 18-Jährige fühlt sich auch auf dem Weg zur Mittleren Reife wohl. „Am liebsten mag ich Mathe, Deutsch und Geschichte.“ Vor Kurzem hat sie ein Praktikum bei der Benediktbeurer Sparkasse gemacht.

Im Mittelpunkt des Förderprogramms stehen aber Projekte, die die Schüler selbst wählen können. Die Palette ist groß und reicht von politischer Bildung bis zur Kultur. Zohal Mohammadi wird sich demnächst das Weltraum-Forschungszentrum ESA in Garching anschauen. Und bei Ausflügen nach Nürnberg oder Augsburg sollen die Teilnehmer andere bayerische Städte kennenlernen.

Auch der soziale Austausch ist wichtig. „Wir sind wie eine Familie.“ Beim Kennenlern-Wochenende in Füssen traf sie andere Flüchtlinge aus Afghanistan. „Einmal waren wir die ganze Nacht auf und haben nur geredet, was wir auf der Flucht erlebt haben.“

Zohal Mohammadis nächstes Ziel ist erstmal die Mittlere Reife. Im Sommer muss sie noch ein Praktikum absolvieren. Am liebsten möchte sie in den Alltag einer Anwaltskanzlei hineinschnuppern. Als Juristin zu arbeiten, ist ihr großer Wunsch. „Ich möchte mich gerne für Menschen einsetzen, denen Unrecht widerfahren ist.“

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