Jetzt ist es amtlich: Bei der Übergabe der Anerkennungsurkunde im Kultusministerium (v. li.) Ministerialdirigent Walter Gremm, Schulrat Jürgen Heiß, Elisabeth Kohl (Grundschule Wackersberg), der Walchenseer Schulleiter Bernhard Wirth und Ministerialrätin Maria Wilhelm.  

Projekt in Walchensee

Flexible Grundschule: Hier bleibt keiner mehr sitzen

Die Dorfschule Walchensee ist ab dem kommenden Schuljahr eine sogenannte „Flexible Grundschule“ – eine von dann dreien im Landkreis. Für die Schüler soll das nur Vorteile haben. Sitzenbleiben können Erst- und Zweitklässler nun nicht mehr.

Walchensee Ob ein Schüler drei Jahre für die ersten beiden Grundschulklassen braucht. Oder zwei Jahre. Oder vielleicht sogar nur eines: Das soll ab September egal sein. Dann sollen die Kinder in ihrem individuellen Tempo Lesen, Schreiben und Rechnen lernen können. Ganz nach dem Motto: „Nicht jedes Kind muss das Gleiche zur gleichen Zeit können“, wie der Walchenseer Schulleiter Bernhard Wirth betont. Seine Schule hatte sich im April bei der Regierung von Oberbayern um die Einführung dieses neuen Schulsystems beworben. Vor wenigen Tagen kam die Zusage – ebenso für die Grundschule Wackersberg, die sich auch beworben hatte.

Bereits vor einigen Jahren starteten die ersten Modellschulen mit dem Format „Flexible Grundschule“. Eine dieser Schulen war die Grundschule in Icking, wo das System nach wie vor angewendet wird, so Wirth. Mittlerweile, so schätzt der Schulleiter, gibt es bayernweit über 200 dieser Schulen. Im Landkreis werde neben Walchensee auch die Grundschule in Wackersberg im Herbst zu einer flexiblen Schule. Kernelement dieses Schultyps sind unter anderem jahrgangsgemischte Klassen. Also Kombiklassen, wie es sie in Walchensee mit den insgesamt 43 Schülern seit jeher gibt. Hier sollen sich die Kinder ab September noch stärker als bisher gegenseitig unterstützen. Die klare Klassenzuweisung eines Schülers wird entfallen. „Die Kinder können sich bewusst austauschen. Der Lehrer steht nicht mehr so stark im Mittelpunkt“, erklärt Wirth.

Der Frontalunterricht werde weiter aufgeweicht, d as individuelle Lernen dagegen intensiviert. Trotzdem sei ein guter Pädagoge für das Gelingen der „Flexiblen Grundschule“ unabdingbar. Denn nur durch seine geschickte Aufgabenstellung könne er gemeinsames Lernen erst ermöglichen. Deshalb werden die Walchenseer Pädagogen mit Fortbildungen für das neue System geschult. Auch die Tatsache, dass es in Walchensee seit dem Trägerwechsel vor rund zehn Jahren immer zwei Lehrer in einer Klasse gibt, sei für die Umsetzung der „Flexiblen Grundschule“ von großem Vorteil, sagt Wirth. „Das ist schon Luxus.“ Andere Grundschulen hätten den nicht.

Braucht ein Kind also künftig drei Jahre für die ersten beiden Klassen, wird ihm dieses zusätzliche Jahr nicht auf die Pflichtschulzeit angerechnet. In intensiven Beratungsgesprächen werde mit Eltern und Kind ganz individuell entschieden, wann ein Kind in die dritte Klasse wechseln kann. Franziska Seliger

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