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Das Franz-Marc-Museum hoch über dem Kochelsee bekommt demnächst die zwei neuen Gemälde (links), mit denen Wilhelm Marc seine Söhne Franz und Paul in jungen Jahren porträtiert hat.

Kultur in Kochel 

Förderkreis kauft zwei Bilder von Marcs Vater

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Familienzusammenführung im Kochler Franz-Marc-Museum: Dem Franz-Marc-Förderkreis ist es gelungen, zwei Gemälde zu erwerben, die Franz Marcs Vater Wilhelm gemalt hat. Sie zeigen Franz und seinen Bruder Paul als Kinder und helfen, die Herkunft des berühmten Malers greifbarer zu machen.

Kochel am See Ein Bub im blauen Matrosenanzug, einen Strohhut auf dem Kopf und einen Wanderstock in der Hand: So hat Wilhelm Marc (1839 – 1907) seinen vierjährigen Sohn Paul im Sommer 1882 in Öl gemalt. Ein Jahr später, allerdings im Winter, fertigte der Vater dann ein Ölgemälde seines jüngeren Sohnes Franz an: Das Bild zeigt den etwa dreijährigen Buben in dunklem Wintermantel und mit Mütze auf dem Kopf.

Der junge Franz Marc im dunklen Wintermantel

Diese beiden etwa 30 mal 19 Zentimeter großen Werke, gemalt in Öl auf einer auf Pappe aufgezogenen Leinwand, hat der Franz-Marc-Förderkreis kürzlich für das Museum erworben, so Vereinsvorsitzender Dieter Kellein. Zum Kaufpreis will er nichts sagen. „Die Bilder befanden sich viele Jahre im Besitz von Helene Marc, der Frau von Paul Marc, die bis zu ihrem Tod 1964 in der Nähe von Starnberg lebte“, erzählt Kellein. Nach ihrem Tod seien die Bilder in Privatbesitz weiterverkauft worden. „Mehr oder weniger durch Zufall“, so Kellein, sei er beim Durchblättern eines Auktionskataloges vor einiger Zeit auf die Werke aufmerksam geworden. 

Eine Art Familiendokument kommt nach Kochel 

„Die beiden schönen Gemälde kommen nun in den Bestand des Marc-Museums nach Kochel, wohin sie als eine Art Familiendokument nach Überzeugung des Förderkreises auch gehören“, betont Kellein. „Denn sie zeigen, wo Franz Marc herkommt.“ Die bekannte Franz-Marc-Biografin Brigitte Roßbeck sagt, die Bilder „zeigen, dass das Malen als solches in der Familie Marc tradiert ist“. Wilhelm Marc, so erläutert Roßbeck, sei ein Maler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewesen und durchaus erfolgreich. „Er war in Künstlerkreisen etabliert und hoch angesehen.“ Seine Spezialität sei beschauliche Genremalerei gewesen in überwiegend kleinen und mittleren Formaten für eine bürgerliche Abnehmerschicht. An Aufträgen habe es nicht gemangelt. Oft gemalt habe er spätromantische Idyllen, alpenländisch-bäuerliche oder religiös-festliche Szenen. Laut Wikipedia wurde Wilhelm Marc sogar von König Ludwig II. beauftragt, Malereien für die Schlösser Linderhof und Herrenchiemsee zu schaffen. Seine Frau und seine Kinder habe er regelmäßig gemalt, so Roßbeck. „Der Vater war ein Bildungsbürger und ein stiller Mensch.“

Die Werke sind etwa 30 mal 19 Zentimeter groß 

Anders als sein Sohn Franz, sei Wilhelm Marc dem Naturalismus verpflichtet gewesen. Der Vater habe den Sohn zwar in seinem künstlerischen Streben unterstützt, sich mit seiner Meinung über die Kunst seines Sohnes aber zurückgehalten. „Dass er Maler werden wollte“, schreibt rückblickend Franz Marcs spätere Frau Maria, „war dem Vater keine reine Freude, denn er sah in dem, was Franz Marc gelegentlich gezeichnet und gemalt hat, keine besondere Begabung.“ Vater und Sohn seien in ihrem Malstil zwar „viel zu unterschiedlich“ gewesen, so Roßbeck, aber ihre Bindung zueinander sei eng gewesen. „Sein Vater war für Franz Marc ein wichtiger Mensch.“ 

Paul Marc mit Matrosenanzug und Strohhut. 

Als Wilhelm 1907 starb, habe er sein „Vorbild“ und die Familie ihren „Mittelpunkt“ verloren, schrieb Franz Marc 1910 an seine Mutter Sophie.Weil das Franz-Marc-Museum auf eine bestimmte Art zur Heimat von Franz Marc geworden sei, gehörten hier auch die zwei Bilder des Vaters hin, findet Kellein. Zwar sei das Museum derzeit wegen der Coronakrise geschlossen. „Sobald es wieder geöffnet ist“, sollen die Porträts laut Kellein aber öffentlich gezeigt werden.

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