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Vier Pferde in Herbstfarben: Große Landschaft I von Franz Marc.

Franz-Marc-Museum

Kochler Kunst-Krimi

Das Kochler Franz-Marc-Museum präsentiert seinen jüngsten Erwerb: „Große Landschaft I“. Die Forschungsarbeit zu dem Bild  liest sich wie ein Kunst-Krimi. 

Kochel am See  „Große Landschaft I“ heißt das neu erworbene Bild des Museums. Die vier Pferde auf dem Ölgemälde von Franz Marc aus dem Jahr 1910 leuchten wie orangefarbenes Herbstlaub in der hellgrünen Landschaft.

Der neuen Ausstellung rund um das Bild  ging eine spannende Forschungsarbeit voraus, deren Ergebnisse staunen lassen und die Franz-Marc-Forschung um wichtige Bausteine bereichern. Im Februar 2016 stand das Gemälde (1,10 mal 2,11 Meter) zur Auktion bei Sothebys. Doch es fand keinen neuen Besitzer. Die Interessenten schreckte eine Wortwahl Maria Marcs in einem Brief, wonach ihr Mann eine große Landschaft mit Pferden „zerschnitten“ habe. Nur ein Teil eines Bildes war es wohl nicht wert, einen Millionenbetrag zu investieren.

Aber die Franz-Marc-Stiftung schlug im September 2016 zu. „Mit Fragen und Recherchen rund um das Gemälde begann ein Kunst-Krimi“, so Museumsleiterin Cathrin Klingsöhr-Leroy.

Im Münchner Doerner-Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlung begannen die Untersuchungen. Die Restauratorin des Franz-Marc-Museums, Annegret Phillips, erinnerte sich an einen Gemäldestreifen Marcs in der Stuttgarter Staatsgalerie, wo sie früher gearbeitet hatte. Ergebnis: Beide Bildteile passten zusammen. Im Institut wurde den Bildern eine beinahe doppelt so große Vorskizze untergelegt, die nur noch als Schwarz-Weiß-Aufnahme erhalten ist, das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Marc hatte die große Landschaft noch weiter beschnitten, horizontal am oberen Rand. Aber zwei Mitarbeiterinnen des Doerner-Instituts wussten von einer „Voralpenlandschaft“ in Marcs Werkverzeichnis. Und sie passt sich mühelos rechts oben ins ursprüngliche Gesamtbild ein. Nebeneinander gehängt würde aufgrund der unterschiedlichen Farbschwerpunkte schwerlich eine direkte Beziehung hergestellt werden. Beide abgetrennten Leinwandteile sind aus Stuttgart und aus den USA aus Privatbesitz nach Kochel geholt worden. In einem Nebenraum ist die wissenschaftliche Arbeit dokumentiert.

Klingsöhr-Leroy betont, dass mit diesen Beweisen ein zentraler Baustein in der Entwicklungsgeschichte des Malers gefunden wurde. Seine Pferde zeigen, dass er auf dem Weg war, die naturalistische Darstellung zu überwinden. Er entwickelte seine berühmten abstrakten Darstellungen von Harmonie zwischen Tieren und Natur. Cathrin Klingsöhr-Leroy zeigt im Vorraum Marcs Tierdarstellungen, die bereits genau komponiert sind. Marc griff zu radikalen Schritten wie dem Zerschneiden seiner Gemälde, um die Abstraktion zu erhöhen und eine neue Wirkung der Komposition zu erzielen.

Eine parallel laufende Ausstellung widmet sich im Kochler Museum der Hinterglasmalerei. Dafür tritt Marcs „Landschaft mit Tieren und Regenbogen“ ebenso in den Mittelpunkt wie Gabriele Münters Gemälde „Mann im Sessel“ von 1913. Sie malte Paul Klee bei einem Besuch in ihrer Münchner Wohnung. Der Hintergrund zeigt zahlreiche Votivbilder der Volkskunst, die die Wand zieren. Der Untertitel fasst die Bandbreite zusammen: „Zwischen Volkskunst und Avantgarde“.

Ebenso interessant ist direkt daneben zu entdecken, dass Franz Marc Webmuster entwarf: abstrakte und vereinfachte Darstellungen von Bär, Hase oder Fuchs. Der Bogen zur „Großen Landschaft“ wird geschlossen. 

Ausstellungs-Info: Zwei anscheinend unterschiedliche, aber doch zusammenhängende Ausstellungen sind ab Sonntag, 15. Oktober, im Franz-Marc-Museum in Kochel zu sehen: „Franz Marc: Wie sieht ein Pferd die Welt?“ und „Hinterglasmalerei. Zwischen Volkskunst und Avantgarde“. Beide Ausstellungen dauern bis 18. Februar 2018. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, April bis Oktober von 10 bis 18 Uhr, November bis März von 10 bis 17 UhrBirgit Botzenhart

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