+
Friedhelm Oriwol zusammen mit seiner Frau vor dem Museum.

Friedhelm Oriwol erweitert Sammlung

Maltzahn-Werke finden  neuen Platz im Walchensee-Museum

Ihr Leben war voller Tragik. Vielleicht hat Charlotte Freiin von Maltzahn deshalb gemalt wie eine Besessene. Aus ihrem Nachlass hat die Friedhelm-Oriwol-Stiftung nun rund 300 Werke erstanden. 

Walchensee/Benediktbeuern Ihre Bilder wirken wie Spiegel ihrer Seele und ihres unglücklichen Lebens: Die vielen von Charlotte Freiin von Maltzahn porträtierten Frauen und Männer schauen ernst, oft fast depressiv. Die Blumen ihrer Stillleben lassen allesamt die Köpfe hängen. Ihre Bleistiftzeichnungen sind voller Düsternis und ihre Landschaftsbilder erdig und schwer in ihrer Farbigkeit.

Doch wer durch die Räume und Gänge des kleinen Museums in Urfeld am Walchensee geht und die Ölgemälde, Linolschnitte oder Bleistiftzeichnungen von Charlotte Freiin von Maltzahn betrachtet, dem wird auch das Talent der Künstlerin nicht verborgen bleiben, die laut Friedhelm Oriwol, dem Leiter des Walchensee-Museums, auch Beziehungen zu den Frauen des „Blauen Reiters“ pflegte. 1881 wurde sie in Kiel als Tochter eines hohen Konteradmirals geboren. Der Vater sah es äußerst ungern, dass seine Tochter einen schier unbändigen Drang zur Malerei verspürte, erläutert Oriwol. Dennoch habe die junge Frau Malerei studiert. Sie unternahm Studienreisen nach Paris oder nach Schweden und besuchte – wie Gabriele Münter und Käthe Kollwitz – die Damenakademie des Künstlerinnenvereins München. Unheimlich viel habe Charlotte Maltzahn in nur wenigen Jahren gemalt, sagt Oriwol. Dabei habe es ihr der Vater strikt verboten, ihre Bilder zu verkaufen.

Ein Akt von Charlotte Maltzahn. Wie die meisten Werke der Künstlerin ist es nicht signiert und ohne Titel.

1914 – aus Wut über den Beginn des Krieges und zermürbt vom Verbot ihres Vaters sowie unglücklichen Liebesbeziehungen, wie Oriwol vermutet – habe sie dann aufgehört zu malen. „Sie hat nie wieder gemalt und ihre Pinsel weggeworfen“, sagt Oriwol, der dem Besucher während einer Führung viel über die Künstlerin erzählen kann.

Rund 300 ihrer Werke hat der Museumsgründer nun der Enkelin von Charlotte Maltzahn abgekauft und teilweise bereits aufbereiten lassen. Die Bilder seien auf einem Dachboden in Benediktbeuern gelagert gewesen, berichtet Oriwol. In dem Klosterdorf lebte Charlotte von Maltzahn die letzten 25 Jahre ihres Lebens bis zu ihrem Tod 1975 im Alter von 93 Jahren. In einem Teil des Walchensee-Museums werden derzeit rund 20 Prozent dieser neu erstandenen Werke gezeigt. Im Laufe der Zeit sollen auch die übrigen Bilder der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Lesen Sie auch: Bürgermeister in Sorge: Im Herbst rollt Umleitungs-Verkehr über den Kesselberg

Ergänzt wird die Ausstellung durch viele persönliche Stücke der Künstlerin, darunter etwa Tagebücher, Malutensilien und alte private Fotografien. Werke und persönliche Gegenstände zusammen ermöglichen dem Besucher einen tiefen Blick in das tragische Leben einer begabten Künstlerin im frühen 20. Jahrhundert und erzählen von Schaffensdrang, Schicksalsschlägen und enttäuschter Liebe.

Die Ausstellung ist noch bis einschließlich Sonntag, 29. September, zu sehen. Das Museum ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 10.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. (Franziska Seliger)

Lesen Sie auch: 120 Jahre alter Kinderwagen: Besonderes Geschenk für das Tölzer Stadtmuseum

Lesen Sie auch: Kloster-Sanierung in Benediktbeuern: Start wird 2020 sein

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine klare Präferenz an SPD-Basis
Wer wird künftig die SPD führen? Bis Mitte Oktober ist die Basis der Sozialdemokraten zur Online-Abstimmung aufgerufen. Die Landkreis-Genossen halten sich bedeckt, was …
Keine klare Präferenz an SPD-Basis
Senioren löchern Tätowiererin
Wie kommt ein Tattoo unter die Haut? Und tut das eigentlich weh? Diese und viele weitere Fragen hatten die Teilnehmer am Seniorencafé in Lenggries an Tätowiererin …
Senioren löchern Tätowiererin
Wenn Kühe ihre Memoiren schreiben
Eine besondere Geschichte: Der Lenggrieser Georg Willibald erzählt mit 20 Sprechern die Geschichte von „Braunellä und Brauneigä“.
Wenn Kühe ihre Memoiren schreiben
Unterricht, der Leben retten kann
Unterrichtsstunde mal ganz anders: Die Tölzer Polizei erklärte jetzt Fünftklässlern die Gefahren des toten Winkels und warnten eindringlich vor einem großen Fehler am …
Unterricht, der Leben retten kann

Kommentare