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Bei der Lesung in der Heimatbühne (v. li.): Hans Liegsalz und Resi Riesch sowie Hellmuth Schönsteiner und Hans Rauch. Auf der Leinwand ein Dia von Franz Marc.  

Briefe von Franz Marc 

„Je gefahrvoller, desto schöner“

Kochel am See – Es sind beklemmende Zeitzeugenberichte: Aus den „Briefen aus dem Felde“ von Franz Marc und jungen Kochler Rekruten wurde in der "Heimatbühne" gelesen.

Franz Marc ist vielleicht der berühmteste Gefallene, den Kochel im Ersten Weltkrieg zu beklagen hatte – aber er war keinesfalls der einzige. Viele junge Burschen aus der Zweiseengemeinde sind in Marcs Todesjahr 1916 und ebenfalls in der Nähe von Verdun gefallen.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum Franz-Marc-Jahr erinnerte nun eine Veranstaltung, die die Gemeinde Kochel gemeinsam mit dem örtlichen Theaterverein sowie dem Verein für Heimatgeschichte organisiert hatte, an diese gefallenen Kochler Soldaten. Viele sind damals mit gerade einmal 18 Jahren ins Feld gezogen.

In dem nahezu voll besetzten Saal der Kochler „Heimatbühne“ zitierten die Theatervereins-Mitglieder Hans Liegsalz, Resi Riesch, Hellmuth Schönsteiner und Hans Rauch aus Briefen, die Kochler Soldaten von der Westfront nach Hause geschrieben hatten. Dabei nahmen sie auch Bezug auf die Kriegschronik, die Baron Otto Freiherr von und zu Aufsess verfasst hat, und stellten einen Bezug zu Franz Marcs „Briefen aus dem Felde“ her.

Beklemmend war es da zu hören, wie beispielsweise Benedikt Lautenbacher aus Ort seine Erlebnisse in Frankreich schildert. Er schreibt in seinen Briefen etwa von dem heftigen Minenfeuer und davon, wie das Wasser in den Schützengräben bis an die Knie reicht. Benedikt Lautenbacher kehrte nicht nach Hause zurück. Ebenso wenig wie Johann Sebald, der Sohn des Wirts vom „Grauen Bär“. Die Vorleser nahmen die Zuhörer mit auf den Weg des 20-Jährigen an die Front und ließen sie teilhaben an der so entsetzlich naiven Begeisterung, mit der sich der junge Bursche in das Abenteuer Krieg stürzte, und von der er den Daheimgebliebenen in seinen Briefen schrieb. „Je gefahrvoller es war, desto schöner war es“ für Sebald, der den Krieg als „Kampf um Freiheit und Ehre“ verstand.

Aber nicht nur aus Briefen von Kochler Soldaten wurde an diesem Abend gelesen – unterlegt mit historischen Fotografien. Auch über die Situation im Dorf selbst während der Kriegsjahre gab es einiges zu erfahren: über den Mangel an notwendigen Materialien für die örtlichen Handwerker etwa. Oder über die Probleme für die Landwirtschaft, als alle kräftigen Burschen im Krieg waren.

Die Lesung – die von den Kochler Bläsern sowie Melanie Ebersberger und Susanne Riedl mit angemessen ernsthafter Musik umrahmt wurde – war beileibe kein schöner oder gar amüsanter Abend. Aber es war ein sehr interessanter, der den Kochlern Einblicke in einen wichtigen Teil ihrer eigenen Geschichte gab. Franziska Seliger

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