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Einige der Seminarteilnehmer sind erst seit wenigen Monaten im Loisachtal, andere sind schon länger heimisch geworden, etwa in München.

auf dem aspenstein

Anleitung zum Heimischwerden

Kochel am See – Wie funktioniert Demokratie in Deutschland? Und wie kann man als Flüchtling daran Anteil nehmen? Zu diesem Thema lud die Georg-von-Vollmar-Akademie Flüchtlinge zu einem Seminar nach Kochel.

Zu dem Diskussionsabend kamen 13 Teilnehmer, die überwiegend aus Syrien und Afghanistan stammen und derzeit unter anderem in Kochel, Schlehdorf oder Saulgrub (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) leben. Sie hatten auch die Möglichkeit, Fragen an Dr. Sigrid Meierhofer, Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, zu stellen. Dort sind derzeit mehrere hundert Flüchtlinge untergebracht.

Eindringlich appellierte die Kommunalpolitikerin an die Flüchtlinge, die deutsche Sprache zu lernen, denn: „Sprachprobleme sind die Barriere schlechthin.“ Wer eine Ausbildung machen oder gar studieren wolle, müsse dieses „Haupthindernis“ der Integration überwinden, denn: „Sprache ist die Eintrittskarte.“

Dr. Sigrid Meierhofer Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen

In der Diskussion, die ins Arabische übersetzt wurde, zeigte sich jedoch, dass mancher der Anwesenden aus Platzmangel noch an keinem Deutschkurs teilnehmen konnte – und das trotz mehrmonatiger Anwesenheit in Deutschland. Zwar gibt es laut einem syrischen Flüchtling aus Kochel viele Helferkreise, die in den Gemeinden Deutschunterricht geben. Dieser richte sich aber in erster Linie an Neuankömmlinge und biete einen ersten Einstieg in die Sprache.

Wer aber in einem Beruf arbeiten möchte, brauche detailliertere Deutschkenntnisse. Meierhofer hofft, dass der Bund mehr Geld für Deutschkurse zur Verfügung stellen wird.

Ob die Fremden muslimischen Glaubens ein Problem damit haben, dass sie vor allem von kirchlichen Institutionen Hilfe erfahren, wollte Meierhofer wissen und bekam als Antwort ein einstimmiges Nein. „Wir sind dankbar, dass sie uns trotzdem helfen“, sagte Gulalai, die bereits seit mehreren Jahren hier lebt.

„Kann ich hier freiberuflich arbeiten?“ wollte Nabeel wissen, der in Syrien als Kaufmann tätig war. Sobald er Bleiberecht habe, prinzipiell ja, sagte Meierhofer. Doch von der Bank einen Existenzgründerzuschuss zu bekommen sei ohne Sicherheiten „sehr schwierig“.

Ganz schwierig ist laut Meierhofer die Wohnungssuche für anerkannte Asylbewerber. „Die Mieten bei uns sind sehr, sehr hoch.“ Darunter hätten auch viele Einheimische zu leiden. Ahmed aus Schlehdorf etwa sucht seit einem Jahr eine Wohnung für seine sechsköpfige Familie – bisher vergeblich. Alle Vermieter forderten einen Arbeitsnachweis, sagte er. „Das machen sie bei den Deutschen auch so“, stellte Meierhofer klar.

Diskutiert wurde auch über den öffentlichen Nahverkehr. Einige Asylbewerber kritisierten die schlechten Busverbindungen von kleinen Orten zum Supermarkt. „Auch viele deutsche Senioren haben kein Auto und müssen sich mit den schlechten Busverbindungen arrangieren“, antwortete Meierhofer. Und was ist mit dem Sportangebot in kleinen Orten? „Wir sind umgeben von Bergen. Da kann jeder rauf und runter laufen“, so die Garmischer Bürgermeisterin.

Franziska Seliger

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