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Vor 174 Jahren wurde König Ludwig II. geboren. Zum Geburtstag an diesem Sonntag, 25. August, kehrt der „Kini“ (gespielt von Bernhard Rieger) wieder auf seinen Lieblingsberg zurück - und lässt sich gerne fotografieren.

Bahn feiert am 27. August das 25-jährige Bestehen

Herzogstandbahn: Am Sonntag kommt der König auf den Berg

Die Herzogstandbahn in Walchensee wird am 27. August 25 Jahre alt. An diesem Tag gelten Preise wie anno dazumal. Und am Sonntag kommt schon mal der König auf den Berg.

Kochel am See– Dieter Klopfer war als Vorsitzender der Sparkasse Tölzer Land vor einem Vierteljahrhundert eher umstritten. Eines seiner groß gedachten Zukunftsprojekte aber erwies sich tatsächlich wie angekündigt als wegweisend, ja sogar erfolgreiches Pilotprojekt in Bayern: der Bau der neuen Herzogstandbahn nämlich, gemeinsam mit der Gemeinde Kochel am See. Am kommenden Dienstag, 27. August, feiert die Gondelbahn ihr 25-jähriges Bestehen.

Rückblick: Im März 1955 kamen bei einem schweren Unglück an der Sesselbahn drei Menschen ums Leben. Drei Monate später verkaufte der private Besitzer den Sessellift an die Nebelhornbahn AG in Oberstdorf. Die Kochler atmeten auf, weil so die Zukunft der Herzogstandbahn in der Tourismusregion durch einen namhaften Betreiber gesichert war.

Traumhafter Blick, auch im Winter: Selbst in diesen Monaten fährt die Bahn auf den Berg, auch wenn dies ein Defizitgeschäft ist. Die Betreiber wollen jedoch die Skiabfahrt ins Tal so gut wie mögli ch aufrechterhalten.

1973 folgte die nächste Zäsur, die der heutige Bürgermeister Thomas Holz als „Glücksfall“ bezeichnet. Da hätten nämlich sein Vorvorgänger Siegfried Zauner und der Gemeinderat den Mut und Weitblick gehabt, die Bahn zu kaufen.

Zwei Jahrzehnte später war erneut Courage gefragt. Die Betriebsgenehmigung der Einsessel-Bahn lief aus. Nun ging es darum, das letztlich 8,8-Millionen-Mark-Projekt (entspricht 4,4 Millionen Euro) einer Gondelbahn zu stemmen. Die Gemeinde allein hätte dies nicht fertiggebracht und hatte deshalb einen Partner gesucht – und in der Sparkasse gefunden.

3,1 Millionen Gäste in 25 Jahren

Es war tatsächlich ein bayernweites Pilotprojekt, als sich Gemeinde und Kreditinstitut zu einem „joint venture“ zusammenschlossen und eine gemeinsame GmbH gründeten. Die Verhandlungen führte damals übrigens vor allem der damalige Kämmerer (und spätere Kochler Bürgermeister) Werner Englert. Die Stammeinlage betrug 1,4 Millionen Mark. Die Kommune besitzt seitdem 51 Prozent der Anteile, die Sparkasse 49. Letztere hat es nicht bereut. Zum einen finanzierte sie das Darlehen zum Bau der neuen Bahn. Zum anderen, so bilanziert Sparkassen-Sprecher Willi Streicher nach 25 Jahren: „Die Bahn läuft erfolgreich, die Sparkasse bekommt eine jährliche Ausschüttung. Die Bahn ist ein Leuchtturmprojekt im Landkreis mit Strahlkraft für die ganze Region.“

Stolz ist auch Gemeindeoberhaupt Thomas Holz, der „von einer der beliebtesten Bergbahnen im Voralpenland“ spricht. Seit 1994 wurden 3,1 Millionen Personen auf König Ludwigs Lieblingsberg befördert. Holz: „Wir schreiben seit Jahren schwarze Zahlen.“

Wie schwarz sind diese Zahlen? Im Schnitt der letzten Jahre waren es, sagt Holz auf Nachfrage, „rund 120 000 Euro“. 2018 war eine Ausnahme. Da wurde nämlich mehr als eine halbe Million Euro in die Elektrotechnik investiert. „So eine Bergbahn kostet nämlich auch Geld“, sagt der 43-Jährige. Nächste Großinvestition soll im Fünfjahres-Zeitraum ein neues elektronisches Zutrittskontrollsystem sein. Bis dahin gibt es noch die alten Eintrittskarten.

Rund 800 Höhenmeter überwindet die Bahn in vier Minuten. Die Gondelbahn ist rollstuhlgerecht. Sogar 100-Jährige schaffen nachgewiesenermaßen den Weg bis zum Herzogstandhaus. Unfälle, sagt Thomas Holz, hat es seines Wissens mit der Bahn nie gegeben. Der GmbH-Beiratsvorsitzende spricht in dem Zusammenhang der Bergbahn-Mannschaft ein Riesenlob aus. Die sieben Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte, die im Sommer noch mit bis zu drei Aushilfen verstärkt werden, arbeiteten mit enormem Engagement. „Das ist eine verschworene Gemeinschaft.“

Bahn darf auch nachts fahren

Die Herzogstandbahn besitzt übrigens – keine Selbstverständlichkeit – seit 2014 auch eine Nachtfahrgenehmigung. 15 Mal dürfe sie für besondere Veranstaltungen von Gemeinde oder Unternehmen auch nachts fahren. Das wird nicht zur Gänze ausgenutzt, sagt Holz, „um die Natur nicht zu überstrapazieren“.

Er erwähnt die Nachtfahrerlaubnis in einem anderen Zusammenhang. Um diese Fahrerlaubnis zu erhalten, muss die Bergwacht nämlich eine spezielle Nachtübung mit Stirnlampen durchführen. Die habe ihn, sagt Holz, schon sehr beeindruckt.

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Am Herzen liegt dem Bürgermeister auch der Winterbetrieb der Bahn. Obwohl defizitär, hätten sich Gemeinde und Sparkasse dafür entschieden, den Winterbetrieb aufrechtzuerhalten. Wenn die Schneeverhältnisse es zuließen, sei die Abfahrt bis ins Tal ans Ufer des Walchensees „ein Traum“.

Zum Jubiläum Preise von anno dazumal

Fazit nach 25 Jahren Herzogstandbahn: Die Gemeinde hat alles richtig gemacht, oder? „Nicht ganz“, sagt Holz und erwähnt dann doch noch den einzigen Wermutstropfen im ansonsten süffigen Jubiläums-Champagner. Die Gemeinde hätte nämlich nach einigen Jahren Betrieb die ganze Bahn kaufen können. Eine Mehrheit im Gemeinderat habe damals aber Angst vor der eigenen Courage bekommen und sich gegen den „zu risikoreichen“ Deal entschieden. „Leider“, sagt Bürgermeister Thomas Holz.

Tiertransporte in Bergbahnen: Wenn die Gondeln Hunde tragen

Zum Tag der Eröffnung der Herzogstandbahn vor 25 Jahren gelten am Dienstag, 27. August, dieselben Preise wie im August 1994: Fünf Euro für eine Berg- und Talfahrt sowie 2,50 Euro für eine Einzelfahrt.

Am 25. August kommt der „Kini“ auf den Berg

Vor 174 Jahren wurde König Ludwig II. geboren. Zum Geburtstag an diesem Sonntag, 25. August, kehrt der „Kini“ wieder auf seinen Lieblingsberg zurück. König Ludwig-Darsteller Bernhard Rieger (li.) wird an diesem Tag rund um das Herzogstandhaus, den Pavillon oder die Ludwigsbüste für ein Foto oder für Gespräche zur Verfügung stehen. 

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