An den Parkgebühren scheiden sich die Geister.
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An den Parkgebühren scheiden sich die Geister.

Flut von Beschwerden

Parken im Oberland jetzt teurer: Anwohner sauer - „Lasst’s halt die depperten Münchner nicht mehr her“

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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Nach der Einführung beziehungsweise Erhöhung von Parkplatz-Gebühren hagelt es Beschwerden der Bewohner des Loisachtals.

Kochel am See – Im April hatte die Gemeinde Kochel ein Parkraumkonzept vorgestellt. Es beinhaltet nicht nur Gebühren, sondern auch einen Kurbeitrag (wir berichteten). In den folgenden Wochen hagelte es im Rathaus Kritik, wie Bürgermeister Thomas Holz auf Anfrage unserer Zeitung berichtet: „Wir haben relativ viele Beschwerden erhalten.“ Diese kamen vor allem per E-Mail, teils aber auch telefonisch. Auffallend ist: „Sie stammen eigentlich ausschließlich von Bürgern aus Nachbarlandkreisen“, sagt Holz.

Loisachtal: Erhöhung der Parkgebühren - Bürger außer sich

Er und seine Mitarbeiter mussten sich teils üble Beleidigungen anhören. „In einigen wenigen Fällen war der Stil erschreckend“, sagt der Rathauschef und listet ein paar Beispiele mit Wörtern auf, die unter der Gürtellinie liegen. Auch Ausdrücke wie „Vollidioten“ und „Kleingeister“ bekamen die Mitarbeiter in der Verwaltung zu hören. Sie sollten „sich schämen“ und „mal aus ihrer kleinen Welt rauskommen“. Eine Person schrieb: „Dann lasst’s halt die depperten Münchner nicht mehr her.“

Beschwerdeflut nach Gebührenerhöhung: Wohl nicht alle Details vorab einsichtig

Die Mitarbeiter des Rathauses und in der touristischen Abteilung hätten diese Mails größtenteils beantwortet, sagt Holz. Zudem habe man auf der Kochler Homepage den Bereich „Häufig gestellte Fragen“ (FAQs) eingerichtet, so dass sich jeder informieren könne. „Wir führen diese Beschwerdeflut darauf zurück, dass möglicherweise nicht alle Details in der öffentlichen Berichterstattung und in sozialen Medien enthalten waren“, sagt Holz. Es gebe im gesamten Gemeindegebiet von Kochel über 40 offizielle Parkplätze, von denen nur 24 gebührenpflichtig werden. „Das bedeutet, dass man auf vielen Parkplätzen, etwa im Ortskern von Kochel, auch weiterhin kostenlos parken kann.“ Allerdings, so Holz, „waren auch im Ton ,normale‘ Zuschriften mit guten Vorschlägen dabei, die wir teilweise noch mit in die Konzeption einfließen lassen.“

Parkgebühren wegen Ausflügler-Ansturm neu geregelt - Bewohner im Loisachtal empört

Aufgrund des Ausflügler-Ansturms haben auch andere Gemeinden das Parken neu geregelt. Die Kritik war hier jedoch nicht so massiv wie in Kochel. „Derartige Anfeindungen haben wir nicht erlebt“, sagt Benediktbeuerns Bürgermeister Anton Ortlieb. Zwar habe man auch Kritik bekommen, „aber bei uns war nicht so viel Druck im Kessel wie in Kochel“. Allerdings stehen auch im Klosterdorf die Automaten noch nicht. Wenn diese installiert sind, rechnet Ortlieb erneut mit Beschwerden.

In Lenggries waren die Rückmeldungen „unterschiedlicher Natur“, sagt Bürgermeister Stefan Klaffenbacher. „Einige Bürger haben sich bedankt und gesagt, endlich macht die Gemeinde was.“ Für Aufsehen habe vor allem die Vergrößerung des Parkplatzes an der Wasserwacht am Sylvenstein gesorgt. „Da gab es auch einige Anfeindungen, aber keine wüsten Beschimpfungen.“ Anonyme Mails würde er ohnehin ignorieren. „Aber wenn jemand seinen Namen nennt, dann kann man sich zusammensetzen und darüber diskutieren, wenn derjenige das möchte.“ In punkto Wasserwacht-Parkplatz habe es Gespräche mit den Kritikern gegeben. „Dabei konnten wir einiges klären.“

Nach Erhöhung der Parkgebühren in Kochel: Auch in der Jachenau steigen die Gebühren

Einem großen Ausflügler-Andrang ist auch die Jachenau ausgesetzt. Auch hier steigen die Gebühren. Die Automaten sind jedoch noch nicht installiert. Vermutlich habe es deshalb noch kaum Beschwerden gegeben, berichtet Bürgermeister Klaus Rauchenberger. „Vielleicht kommt das ja noch.“ Bisher habe man alles im sachlichen Miteinander klären können. Jahresparkkarten für den Walchensee, wie von Fischern und Seglern gewünscht, werde es aber nicht geben: „Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass wir ihnen immer freie Parkplätze garantieren müssen, und das können wir nicht.“

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