Tote und Verletzte in den USA: Zug stürzt auf Autobahn

Tote und Verletzte in den USA: Zug stürzt auf Autobahn
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Haben den See und die Wassersportler fest im Blick: Bootsführer Günter Kraus (li.), Wasserwacht-Chef Alois Grünwald (Mi.) und Notarzt Simon Kraus (re.). Er trägt die Standard-Wasserretterausrüstung.

Im Porträt: Die Ehrenamtlichen von der Wasserwacht Walchensee

Spaß am Sport und Freude am Helfen

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Helfen, wenn Menschen im Wasser oder an Land in Not sind: Die Wasserwacht Walchensee hat jedes Jahr in den Sommermonaten alle Hände voll zu tun. An dem beliebten, aber entlegenen See sind sie die schnellsten, wenn ein Unfall passiert ist.

Walchensee– Durchschnittlich 150 Einsätze verzeichnet die Wasserwacht Walchensee jedes Jahr. Die Ehrenamtlichen sind nicht nur am See aktiv, sondern als sogenannte „Helfer vor Ort“ (HvO) das ganze Jahr über auch dann präsent, wenn zum Beispiel jemand an Land medizinische Hilfe braucht – sei es ein Verkehrsunfall oder ein Herzinfarkt zu Hause. Das Team hilft, bis Notarzt, Rettungswagen oder gar Hubschrauber eingetroffen sind.

Die Walchenseer Dorfbewohner, die Tagesausflügler und die Urlauber befinden sich in guten Händen: Der medizinische Ausbildungsstand der 26 aktiven Mitglieder ist hoch – unter den Ehrenamtlichen befindet sich ein Notarzt (der sich zusätzlich zu seinem Job in der Freizeit als Wasser- und Bergretter engagiert) sowie Rettungs- und Notfallsanitäter, die das auch im Hauptberuf machen.

Hier springt Notarzt Simon Kraus in den See, um zu demonstrieren, wie ein sogenannter Gurtretter („rotes Brett“) eingesetzt wird. Der Verletzte kann sich im Wasser daran festklammern und wird so an Land gezogen, während der Retter frei schwimmen kann.

Die Hauptsaison an der Wasserrettungsstation am Ortseingang von Walchensee geht, je nach Wetter, von den Pfingstferien bis etwa Ende September. In dieser Zeit wechseln sich die Wasserwachtler mit dem Aufsichtsdienst an der Station ab.

Wer denkt, dass die Wasserwachtler „nur“ an ihrer Bootshüte sitzen und warten, bis etwas passiert, der irrt. Zwar ist ihre oberste Aufgabe „die Sicherstellung des Wasserrettungsdienstes“, wie es im Fachjargon heißt, doch sie überwachen auch die Einhaltung des Naturschutzes, begleiten Regatten und sichern teilweise Veranstaltungen. Die Wasserwacht fährt nicht „einfach so“ über den See. Vor Kurzem, berichtet Vorstand Alois Grünwald, gab es einen Dauercamper auf der Insel Sassau, die unter Naturschutz steht und nicht betreten werden darf. Die Wasserwacht schaltete Landratsamt und Polizei ein, und der Mann musste die Insel verlassen – Geldstrafe inklusive.

Die „Willy Mayer Rettungsstation“ wurde 1981 vom damaligen Ministerpräsidenten Max Streibl eingeweiht. Die Station ist alles in einem: der Raum ist Funkzentrale, Umkleide- und Teeküche, und die Sanitätsliege steht gleich neben der Brotzeitecke. Die Neoprenanzüge, Rettungswesten, Schuhe, Tauchausrüstungen und Helme stapeln sich hinter der Kaffeemaschine. Es gibt weder fließend Wasser noch eine zeitgemäße Toilette, die Ehrenamtlichen behelfen sich mit einer Komposttoilette. Auch beheizbar ist das Häuschen nicht. „Ja, das ist wirklich sehr spartanisch“, sagt Grünwald. Es gibt Pläne für einen Anbau, in dem Platz für einen Sanitätsraum, Ausrüstung und Umkleide ist. Wann eine Umsetzung erfolgen kann, steht aber leider in den Sternen. Die Pläne liegen laut Grünwald im Landratsamt und werden geprüft.

Weil in der Rettungsstation alles recht eng ist, gibt es auch für das Motorboot eine besondere Befestigungskonstruktion. Wenn man aus- und einfährt, dürfen die Finger keinesfalls außerhalb des Boots liegen. „Eigentlich würde uns aufgrund der Größe des Sees auch ein größeres Boot zustehen, aber es würde hier gar nicht reinpassen“, sagt Günter Kraus, einer der dienstältesten und erfahrensten Wasserwachtler.

Funkzentrale: Sandra Bürding hält in der Rettungsstation Kontakt zu den Kollegen auf dem See.

Ist ein Unfall auf dem Wasser passiert, rückt das Team idealerweise mit drei Aktiven aus, meistens sind sie nur zu zweit. An Bord sind unter anderem eine Notfallausrüstung mit Defi sowie Seile. Das Boot fährt bis zu 60 Stundenkilometer schnell. Während des Einsatzes ist der Bootsführer immer für das Fahrzeug verantwortlich, er darf den sogenannten Ruderstand nicht verlassen – schließlich ist das Boot im Falle des Falles auch für die Retter lebenswichtig.

Bei einem Einsatz hat immer die Rettung von Menschen oberste Priorität. Hilfe für verunglückte Segler, Surfer, Kite-Surfer und Angler stehen auf der Einsatzliste der Wasserwacht ganz oben. Das Sportgerät dagegen ist nachrangig. „Eigentlich ist es nicht unsere Aufgabe, uns auch um das Material von Wassersportlern zu kümmern“, sagt Alois Grünwald. „Aber natürlich kümmern wir uns auch darum, sobald die Menschen in Sicherheit sind.“ Auch Tauchunfälle passieren am Walchensee immer wieder, einige davon mit tödlichem Ausgang. „Da gibt es Dinge, die gehen uns sehr unter die Haut und müssen verarbeitet werden“, sagt Grünwald. „Teilweise auch in gemeinsamen Gesprächen nach dem Einsatz.“

Auch an der Rettungsstation herrscht an heißen Sommertagen reger Betrieb: Kinder mit aufgeschlagenen Knien, Ausflügler mit Kreislaufproblemen oder Insektenstichen brauchen Hilfe.

Zieht ein Gewitter auf, fordert der See ganz besondere Aufmerksamkeit. Die Walchenseer Retter arbeiten nicht nur bei Unwettern mit den Kollegen von der Rettungsstation in Niedernach (auf Jachenauer Seite; aber nicht durchgehend besetzt) gut zusammen. Lassen sie das orangefarbene Warnlicht langsam blinken, bedeutet das „Vorwarnung“, bei schnellem Blinken werden alle Wassersportler aufgefordert, den See unverzüglich zu verlassen. Allerdings: Ein Unwetter animiert manche Menschen sogar, sich aufs Wasser zu begeben. „Unglaublich, aber wahr“, sagt Grünwald kopfschüttelnd. Vor einigen Jahren habe einmal der Blitz bei einer Segelregatta eingeschlagen, er sei in den Masten gefahren und an anderer Stelle im Feld wieder heraus gekommen. Glücklicherweise wurden nur zwei Personen leicht verletzt. Bei einem Unwetter muss ganz genau abgewogen werden, wie man den Einsatz ausführt. „Wir müssen darauf achten, dass wir uns selbst nicht in Gefahr begeben.“

Viele der Walchenseer Wasserwachtler sind seit Jahrzehnten aktiv: Alois Grünwald, seine Frau Lisa, Günter Kraus, sein Sohn Simon (er ist Notarzt) und Sandra Bürding zum Beispiel sind es seit über 20 Jahren. Anderen zu helfen, ist für sie selbstverständlich. „Ich freue mich ja auch, wenn mir in einer Notlage geholfen wird“, begründet Lisa Grünwald ihre Motivation. „Oder meiner Mutter. Oder meinen Kindern.“ Alle Aktiven haben schon Momente großer Dankbarkeit erlebt. „Wenn eine Reanimation gelingt, dann ist man auch selbst erleichtert und glücklich“, sagt Günter Kraus, Vater von drei erwachsenen Kindern.

Jugendliche für die ehrenamtliche Arbeit zu begeistern, ist allerdings eine große Herausforderung geworden. Die Wasserwacht macht zwar in den Sommerferien regelmäßig Ferienaktionen und erklärt Kindern ihre Arbeit, „doch das Interesse am Engagement sinkt“, hat Lisa Grünwald im Laufe der Jahre festgestellt. „Es bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand, die erforderliche Ausbildung und die Menge der Einsätze zu schultern.“ Übrigens: Die zwei Euro Teilnahmegebühr an der Ferien-Aktion füttern nicht die Kaffeekasse, sondern sind das Benzingeld für die Fahrt mit dem Rettungsboot über den See. Denn Kosten wie Benzin, Ausrüstung, Telefon und Versicherung werden rein über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Auch das Einsatz-Auto konnte nur so angeschafft werden. Einzig das Boot an sich und die Funkgeräte zahlt der Freistaat.

Auch wenn die enge Rettungsstation und Sorgen ums Geld immer wieder mal die Motivation dämpfen: Am See und auch an Land ist man eine Gemeinschaft, und was zählt, ist anderen helfen zu können. Vor Kurzem, als ein verletzter Surfer in Not war, halfen auf dem See auch noch andere Sportler bei der Bergung von Person und Material mit. „Wenn man sieht und spürt, dass man nicht allein ist, dann ist das wahnsinnig schön“, sagt Grünwald.

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