„Viele haben ein Ohrfür soziale Belange“ Tafel-A uftakt: Thomas Schneider (re.) und Hubert Stiegler (2. v. li.) haben als Mitglieder des Organisationsteams die Tafel wesentlich mitgegründet. Links Bürgermeister Hans Kiefersauer als Vertreter der Gemeinde Benediktbeuern. Foto: fn Über 30 Helfer packen mit an

Lebensmittelausgabe in Kochel gestartet 

„Tafel Loisachtal“ deckt den Tisch

Kochel am See - Die Suche nach geeigneten Räumen und alle weiteren Vorbereitungen dauerten Monate. Am gestrigen Montag wurde die „Tafel Loisachtal“ nun eröffnet.

Es sieht alles sehr einladend aus. Auf einer langen Tafel türmen sich die Lebensmittel: Kisten voller Obst und Gemüse, Steigen mit Brot und Gebäck. Dazwischen Marmeladengläser, Nudelpackungen und Joghurtbecher. Für den Eröffnungstag der „Tafel Loisachtal“ haben die ehrenamtlichen Helfer den sogenannten Monaco-Keller unter der Kochler Heimatbühne frisch geputzt. Regale, Kühlschränke und Raumteiler wurden aufgestellt, Tische für die Ausgabentheke zusammengeschoben. Darauf stehen neben den Lebensmitteln auch Putzmittel und Hygieneartikel, alles übersichtlich arrangiert. Gleich neben dem Eingang wurde ein kleiner Wartebereich für die Menschen eingerichtet, die hier ab sofort einmal wöchentlich Lebensmittel abholen dürfen.

Am Tag eins der „Tafel Loisachtal“ sind erstmal nur wenige Kunden gekommen. In aller Ruhe warten sie, bis sie an der Reihe sind. „Wer wann dran ist, wird in einer Art Losverfahren entschieden“, erklärt Thomas Schneider. Er ist neben Hubert Stiegler und Klemens Rehm einer der drei Hauptorganisatoren der „Tafel Loisachtal“. Rund zehn Monate haben die Männer laut Schneider auf den Eröffnungstag hingearbeitet. Nun ist Schneider „absolut zufrieden“– mit allem. Aus den Gemeinden, deren bedürftige Bürger die Tafel besuchen dürfen – das sind neben Kochel, Schlehdorf und Bichl sowie Benediktbeuern – spenden laut Schneider viele Bäckereien, Metzgereien und Supermärkte ihre Ware, die sie nicht mehr verkaufen können; etwa weil das Mindesthaltbarkeitsdatum fast überschritten ist oder das Brot vom Vortag übrig ist.

Dass es im Loisachtal so viele Geschäfte „mit einem Ohr für die sozialen Belange gibt, habe ich nicht glauben können“, so Schneider. Jeden Montagvormittag – kurz vor der Öffnung der Tafel – werden Helfer nun diese Betriebe abfahren und die Spenden einsammeln. „Sie geben, was sie gerade haben“, erklärt Schneider. Am ersten Tag der Tafel sind das zum Beispiel Plätzchen und Stollen.

Auch die Gemeinden unterstützen die Tafel; beispielsweise mit einem finanziellen Zuschuss oder in Form von Sachspenden. Die Gemeinde Kochel etwa stellt laut Schneider den Raum zur Verfügung und trägt die anfallenden Nebenkosten.

Überwältigt ist Schneider auch von der großen Zahl Ehrenamtlicher, die bei der Ausgabe, der Anlieferung oder beim Reinigen des Raumes mitarbeiten wollen. Über 30 Helfer aus Kochel, Bichl, Benediktbeuern und Schlehdorf seien es insgesamt. Weil es so viele sind, muss jeder nur alle drei Wochen helfen. Eine von ihnen ist Ulla Röckenschuß. „Ich will einen Beitrag leisten. Weil es uns mehr als gut geht“, begründet die Rentnerin aus Kochel ihren Einsatz. Ähnlich denkt Gudrun Sindlhauser. „Ich finde, man kann hier richtig helfen“, sagt die Benediktbeurerin. Wer sich an der Tafel mit Lebensmitteln versorgen möchte, muss laut Schneider eine Sozialcard vorlegen. Wie viel sich der einzelne vom Angebot nehmen darf, hänge unter anderem von der Zahl der Familienangehörigen und dem vorhandenen Angebot ab. Und wenn nach der Ausgabe was übrig ist? „Abgelaufene Ware wird komplett weggeworfen“, sagt Schneider. Haltbares, wie Nudeln beispielsweise, würden aber freilich bis zur nächsten Ausgabe eingelagert. Franziska Seliger

Lebensmittelausgabe

Die Ausgabe der „Tafel Loisachtal“ findet ab sofort jeden Montag zwischen 11.30 und 12.30 Uhr im „Monaco-Keller“ statt. Berechtigt sind ausschließlich Bürger der Gemeinden Schlehdorf, Kochel, Bichl und Benediktbeuern, die eine Sozialcard vorlegen können.

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