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Zusammen lernen: Wahid und Reza (re.) aus Afghanistan sind Mitglied der Jugendfeuerwehr Kochel.

Integration von Asylbewerbern  

Vereint im Verein

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Kochel am See –  Zusammen Sport machen oder die Theorie und Praxis der Feuerwehr lernen: Das verbindet. Vereine helfen bei der Integration. Die Kochler warben im November unter den Asylbewerbern um Mitglieder. Seitdem hat sich einiges getan.

Reza und Wahid sind seit zwei Monaten bei der Freiwilligen Feuerwehr in Kochel. Die 16-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan lernen bei der Jugendfeuerwehr zusammen mit rund 20 Gleichaltrigen. „Sie verstehen sich gut“, sagt Feuerwehrkommandant Hubert Resenberger.

Wissenstest bestanden: Gemeinsam mit 20 Feuerwehranwärtern aus dem Loisachtal haben Wahid und Reza den „Wissenstest 2015“ bestanden.

Die beiden haben sich freiwillig gemeldet, nachdem Resenberger Asylbewerbern aus Kochel und Umgebung Bilder von Rettungsaktionen aus den Flammen gezeigt hat. Das war im November bei einem Vortrag in der Georg-von-Vollmar-Akademie. Ausrücken dürfen die Feuerwehrler zwar erst ab 18 Jahren, aber „ich denke, es macht ihnen Spaß, sonst wären sie ja nicht mehr dabei“, sagt Resenberger.

Die Kochler Feuerwehr war nicht der einzige Verein, der sich in der Akademie vorgestellt hat. Der Grund: „Integration geht in Vereinen viel schneller.“ Das kann Resenberger bestätigen. „Die beiden kennt jetzt jeder von der Feuerwehr, und wenn man sich auf der Straße sieht, grüßt man sich“, sagt der Kommandant.

Durch die Kontakte im Verein sei es auch leichter, Deutsch zu lernen, findet Bertram Klein von der TG Kochel. „Beim Sport kann man Wörter in der Praxis lernen, und wenn man mal was nicht versteht, kann man es sich abschauen“, sagt Klein.

Nach dem Abend in der Vollmar-Akademie haben sich viele bei der TG Kochel gemeldet. „Fünf oder sechs Männer spielen jede Woche beim Volleyball mit“, so Klein. Es seien relative Anfänger, die aber gut in die Erwachsenengruppe integriert seien. „Das passt wirklich gut.“

Außerdem würden zwei Frauen in der Gymnastikgruppe mitturnen und auch zwei Kinder seien beim Judo dabei. „Ich hab’ das Gefühl, dass sie aufgenommen wurden, wie alle anderen Kinder auch“, sagt Klein. Die Sportler seien sehr aufgeschlossen und würden auch verstehen, wenn die Asylbewerber mal was nicht verstehen.

Beim SV Kochel spielt bereits seit Längerem ein 15-Jähriger aus dem Irak im Tischtennis mit. „Er fängt jetzt mit Punktspielen an“, sagt Schriftführer Franz Linner stolz. Der junge Mann sei sehr lernwillig und ehrgeizig. „Er passt menschlich zu den 20 anderen Jugendlichen im Tischtennis.“

Auch die Bergwacht hatte sich den Asylbewerbern in Kochel vorgestellt. „Es gab eine Anfrage, aber er konnte nicht die Voraussetzungen im Bergsteigen und Skifahren erfüllen“, bedauert Richard Huber, der stellvertretende Bereitschaftsleiter. Dafür nahmen die Ehrenamtlichen zweimal Asylbewerber aus Altjoch mit zum Klettern. „Das geht halt nicht jede Woche, aber es waren sehr schöne Veranstaltungen“, so Huber. „Es war bereichernd und die Jugendlichen hatten richtig viel Spaß.“

Bei Rupert Brenniger, Jugendleiter vom FC Kochelsee-Schlehdorf hat sich nach dem Vortrag im November kein Asylbewerber angemeldet – was aber nicht wundert. „Wir haben Winterpause, es geht sicher im Frühjahr los“, sagt Brenninger. Im Fußballverein spielen nämlich schon vier junge Männer aus Afghanistan mit. Einer ist 15, einer 17 und zwei sind 18 Jahre alt. „Das sind super intelligente Burschen, und sie sind sehr gewillt Deutsch zu lernen“, sagt Brenninger.

Fußball sei optimal, um Anschluss zu finden. „Das kann man spielen, auch wenn man nicht hundert Prozent fit in der Sprache ist“, findet Brenninger. Nur die Formalitäten zur Spielberechtigung seien langwierig – nicht nur bei Asylbewerbern sondern bei allen nicht-deutschen Staatsbürgern. „Es muss immer weltweit geprüft werden, dass derjenige nicht schon irgendwo unter Vertrag ist.“

Beim Rieder Kindertheater hat sich nach dem Vortrag niemand gemeldet. „Wir beginnen jetzt ein neues Stück“, sagt Leiterin Aja von Lerchenhorst. Trotzdem würde sie etwas auf die Beine stellen, wenn Asylbewerber Theater spielen wollen. „Das Medium Theater hilft Jugendlichen ja immer weiter.“

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